Archiv | Januar, 2012

FAKTENCHECK: Die Visionen von Olaf Scholz: Ist Skandinavien wirklich Vorreiter in der Bildung und Vorbild für Hamburg?

30 Jan

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, so hat Altkanzler Helmut Schmidt einmal einen anderen SPD Altkanzler, Willi Brand, kritisiert. Er riet damit zu mehr Vernunft, Mäßigung und nüchtern-pragmatischem Vorgehen in der Politik, anstelle von Pathos und Weltverbesserungs-Ideen. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, an sich auch eher für hanseatische Nüchternheit bekannt, hat an diesem Wochenende mit einem Ausflug in die Welt der Visionen auf sich aufmerksam gemacht. Er hat, so hieß es gestern im Hamburger Abendblatt, „Visionen von einem besseren Hamburg“? http://www.abendblatt.de/hamburg/article2172179/Olaf-Scholz-Vision-von-einem-besseren-Hamburg.html

Im „Mittelpunkt seiner Vision eines besseren Hamburgs“, mit dem er „neue Menschen… anlocken“ wolle, stehe der Bereich Bildung, heißt es im Abendblatt: „Hamburg kann ein flächendeckendes Angebot mit Krippen und Ganztagsschulen vorweisen“, zitiert das Abendblatt Olaf Scholz.  „Hinzu käme die schrittweise Einführung der Beitragsfreiheit für den fünfstündigen Kitabesuch…bis 2015“ und kleine Klassen insbesondere an Grundschulen. „Hamburg wird wahrscheinlich die skandinavischste Stadt Deutschlands“, so zitiert das Abendblatt den SPD Bürgermeister. Scholz spiele damit auf die „Vorreiterrolle“ skandinavischer Länder im Bereich Bildung an.

Die Visionen von Olaf Scholz haben bei vielen Eltern in Hamburg Kritik und Fragen ausgelöst. Kritik,  weil der SPD Bürgermeister die vom SPD Senat geplanten Hamburger Ganztagsschulen in die Nähe skandinavischer Ganztagsschulen rückt. Zum anderen fragen sich Eltern, ob die Bildung in Skandinavien überhaupt das geeignete Vorbild für die Schulen ihrer Kinder ist?

 Hier ein Faktencheck: Sind skandinavische Länder wirklich Vorreiter im Bereich Bildung?

1. Pisa-Sieger Finnland

Pisa-Sieger Finnland ist seit Beginn der Pisa-Tests vor 11 Jahren Vorreiter im Bereich Bildung. Allerdings: Ganztagsschulen gehören nicht dazu: „Die finnische Schule ist (nach landesspezifischer Definition) eine Halbtagsschule. Die Ganztagsschule ist ein relativ neues Konzept, das bisher nur in sechs Modellschulen praktiziert wird… An den finnischen Gesamtschulen wird an jedem Tag kostenlos ein warmes Essen für alle Schüler ausgegebenNur für die Schüler der ersten beiden Klassen gibt es eine Hortbetreuung am Nachmittag.“ Quelle: Bildungsforschung Band 2,Vertiefender Vergleich der Schulsysteme ausgewählter PISA-Teilnehmerstaaten , http://www.bmbf.de/pub/pisa-vergleichsstudie.pdf

Auch wenn die finnischen Schulen in der Regel keine Ganztagsschulen sind, verfügen sie aber doch über eine ausgezeichnete personelle Ausstattung. Beispiel Schulpersonal: „Finnische Schulen besitzen eine große Dichte an zusätzlichen Personal, mindestens einmal pro Woche an den Schulen vertreten, in größeren Schulen sogar täglich: (1)Schulschwester,(2)Kurator,(3)Psychologen,(4)Speziallehrer,(5)Assistenten.(6)Küchenpersonal“ http://www.unibw.de/paed/tes/downloads/HT08/finnischebildungs-undschulsystem08.12.08.pps

Von einer Vorreiterrolle Finnlands in Punkto Ganztagsschulen kann man also nicht sprechen, vielmehr gibt dort eine Wahlfreiheit zwischen unterschiedlichen Nachmittagsangeboten für Kinder nach und außerhalb der Schule. Für Finnlands Pisa-Siege gibt es darüber hinaus nach Auffassung von Fachleuten viele Gründe, unter anderem der niedrige Migrantenanteil von 2, 5 Prozent http://www.dija.de/finnland/kinder-und-jugendhilfe-in-der-praxis-fi/integration-von-kindern-und-jugendlichen-mit-migrationshintergrund/,  in Hamburg liegt er dagegen weit darüber, nämlich bei rund 29 Prozent.  http://www.hamburg.de/migration/

2. Schwedischer Ganztag

Im Gegensatz zu Finnland gibt es in Schweden Ganztagsschulen. Doch der Ganztag endet früher, als vom SPD Senat in Hamburg gewünscht und geplant: „Der Schultag geht gewöhnlich von 8 Uhr bis 15 Uhr. Anschließend besteht die Möglichkeit, ein der Schule angegliedertes „fritidshem“ (Schülerhort) zu besuchen, in dem qualifiziertes Personal die Kinder betreuen und Programm bieten“, heißt es auf einer Informationsseite über das schwedische Schulsystem. http://www.inschweden.se/index.php?option=com_content&task=view&id=125&Itemid=156.

Hinzu kommt, dass berufstätige Eltern in Schweden auch das Recht haben, ihre Arbeitszeit so flexibel zu gestalten, dass sie sich mehr Zeit für ihre Kinder nehmen und schon am Nachmittag gemeinsame Familienzeit haben können: „Eltern haben des Weiteren das Recht, ihre Arbeitszeit bis zum achten Lebensjahr des Kindes um bis zu zwei Stunden täglich zu verkürzen, allerdings ohne Lohnausgleich. Bei Krankheit eines Kindes besteht für ein Elternteil oder für eine … von den Eltern beauftragte Person ein Anspruch auf Arbeitsfreistellung und eine damit einhergehende Gewährung eines zeitweiligen Elternschaftsgeldes in Höhe von 80 % des Einkommens für bis zu 120 Tage pro Jahr und Kind. http://de.wikipedia.org/wiki/Vereinbarkeit_von_Familie_und_Beruf_in_einzelnen_Staaten

In punkto Schulzeiten und familienfreundliche Arbeitszeiten ist Schweden sicher für viele Hamburger Eltern ein Vorbild. Allerdings beharrte  der SPD Senat bis vor kurzem auf festen schulischen Nachmittags-Betreuungszeiten von 13 bis 16 Uhr. Konkrete Regelungen für frühere, flexibler Abholzeiten gibt es noch nicht.

3. Ausstattung von Ganztagsschule in Skandinavien

Schwedische, finnische und auch andere skandinavische Schulen sind im Vergleich zu den von der SPD geplanten Ganztagsschulen in Hamburg erheblich besser ausgestattet. In ihren Ausbau wurde viel Zeit und Geld investiert. Von skandinavischen Verhältnissen ist die Ausstattung der Hamburger Ganztagsschulen mit zweigeteilten Klassenzimmern und Mensen, in denen im Schichtbetrieb gegessen wird, himmelweit entfernt. Zur Ausstattung schwedischer Ganztagsschulen: Eine schwedische Modellschule ist zum Beispiel die Futurum Skola in Balsta, die im Jahr 1997 nach einem ungewöhnlichen pädagogischen Konzept  ausgebaut wurde. Hier kann man sie sich anschauen: http://www.freie-lernorte.de/schulenvorort/internationalekooperationen/futurum.php

Vorbildlich ist Skandinavien auch beim Betreuungsschlüssel in der Kinderbetreuung und bei der Größe der Klassen.

Zur Kinderbetreuung: „Gruppengrößen von 15 Kindern sollten besser durch zwei Mitarbeiter/innen betreut werden. Die Länder Schweden, Dänemark und Finnland verfügen bereits über einen besseren Personal-Schlüssel als den empfohlen EU-Mindeststandard. Die Fachkraft-Kind-Relation bewegt sich im Rahmen von 6:1 bzw. 7:1 ist. http://www.kindergartenpaedagogik.de/2221.html

Die Klassengröße beträgt in Finnland 19,5, Schweden 21,2, im Vergleich zu Hamburg mit 23/19 bzw. 28 (Gymnasium) Kindern pro Klasse: http://www.bmbf.de/pub/pisa-vergleichsstudie.pdf

4. Schulische Leistungen in Skandinavien:

Skandinavische Schulen sind zumeist Gesamtschulen. Während ihre Ausstattung vorbildlich ist, gilt dies allerdings nicht für die schulischen Ergebnisse skandinavischer Schulen. Das zeigten die letzten Pisatests, speziell Pisa 2009. „Schwächeln unsere skandinavischen Vorbilder?“, so lautete 2010 der Titel eines  ZEIT Artikels. Das Vorbild Skandinavien sei ein Mythos, hieß es mit Verweis darauf, dass dänische und norwegische Schüler bei Pisa 2009 leistungsschwächer als ihre „deutschen Altersgenossen“ abgeschnitten hatten. Ebenso abgesackt war Schweden, das lange Vorbild gewesen sei, weil es vor 10 Jahren bei Pisa besser als Deutschland abgeschnitten hatte, bei einem vergleichbaren Anteil an Migranten. „Vielleicht weil in den Schulen eben zu wenig auf Leistung geachtet wurde.“ http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2010-12/pisa-fragen-antworten/seite-2

Konkret: In Mathematik lag Deutschland bei Pisa 2009 auf Platz 16, Island auf Platz 18, Dänemark auf Platz 19, Norwegen auf Platz 21 und Schweden auf Platz 26. Auch in den Naturwissenschaften lag Deutschland deutlich über OECD Durchschnitt auf Platz 13, vor den skandinavischen Ländern. Nur bei der Lesekompetenz lagen die skandinavischen Länder vor Deutschland.  http://www.oecd.org/document/21/0,3746,de_34968570_39907066_43316757_1_1_1_1,00.html .

Allerdings hatte sich die Lesekompetenz in Deutschland seit Pisa 2000 gebessert. “ Der Unterschied zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund ist …deutlich geringer geworden, obschon die verbliebene Differenz weiterhin bedenklich groß ist“, schrieb der Spiegel, und weiter: „Auch wenn man den Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Hintergrund, Bildungsverlauf und erworbenen Kompetenzen betrachtet, ergeben sich Hinweise auf mehr Chancengleichheit im deutschen Schulsystem.“ http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,733310-4,00.html

Resumee:

Es ist also keineswegs angebracht, pauschal von einer allgemeinen Vorreiterrolle Skandinaviens im Bereich Bildung zu sprechen. Für  Umsetzung, Tempo und Ausstattung seiner Ganztags-Schulreform könnte und sollte sich der SPD Senat unter Bürgermeister Olaf Scholz skandinavische Länder schnell noch zum Vorbild nehmen. In Hinblick auf die schulischen Leistungen haben dagegen skandinavische Länder offensichtlich erhebliche Probleme. Hamburgs Schulpolitiker sollte sie allenfalls näher betrachten, um eine Wiederholung dieser Probleme zu vermeiden.

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Freitag Mittag vor der Presse: Die Vertragspartner unterschreiben den neuen GBS Landesrahmenvertrag

27 Jan

In Elternmails machte sich schnell Enttäuschung breit. Die Probleme mit GBS an den Schulen sind in ihren Augen immer noch nicht gelöst. Nachdem alle Vertragspartner unterschrieben hatten, brachte der FDP Abgeordnete Finn Ole Ritter das Gefühl der Eltern auf den Punkt. Die Verbände seien mit den zusätzlich bereit gestellten Mitteln ruhig gestellt worden, er habe aber nicht das Gefühl, dass Schulsenator Rabe und die zuständigen Behörden auf die Forderungen der Eltern zur Verbesserung der ganztägigen Bildung und Betreuung, GBS, eingegangen seien.

Der Vertrag sei wahrscheinlich sogar rechtswidrig, stellte der Abgeordnete Walter Scheuerl von der CDU Fraktion fest. Die gesetzlich vorgeschriebene vorherige Information des Landeselternausschusses sei versäumt worden. Trotzdem sei der Vertrag aber wirksam, so ergänzte W. Scheuerl, der Elternausschuss könne nachträglich informiert werden. Der Vertrag sei ja über Facebook bekannt gewesen, so dazu der Kommentar der GBS Vertragspartner an diesem Freitag Mittag.

Über 100 Millionen Euro würden für den Ausbau der Kantinen zur Verfügung gestellt, erklärte Schulsenator Rabe zu den zusätzlich bereitgestellten Mitteln. 2,5 Millionen Euro würden für Möbel bereit  gestellt, um die Klassenräume „wohnlich“ zu gestalten. Für die Inklusion gebe es zusätzlich 4000 Euro pro Kind und Jahr. Und die Mittel für den Kooperation von GBS und Jugendmusikschulen, Sportvereinen, und Angeboten der offenen Jugendarbeit seien erhört worden. Schließlich gebe es auch für die Kooperationszeiten von Lehrern und Erziehern pro Standort jeweils 25 000 Euro. Mit diesen Mitteln würde „das bisherige Angebot auch qualitativ verbessert“ , erklärte Ties Rabe.

Für ihn sei es ein schöner Tag, so Ties Rabe, denn alle Vertragspartner seien nach langen Verhandlungen zusammen gekommen, damit alle Bereiche der Nachmittagsbetreuung von Kindern „zusammenwachsen“ könnten. Ähnlich zufrieden über das Zusammenwachsen der Bereiche Schule und Jugendhilfe äußerten sich auch alle anderen Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Kitaträger, Sozial- und Schulbehörde, deren Spitzenvertreter heute mit Schulsenator Rabe um 13 Uhr den Vertrag vor der versammelten Presse unterschrieben.

Für die Kritik von Eltern und Presse an der mangelhaften Umsetzung der Ganztags-Schulreform, insbesondere an fehlende Kantinen, zeigte Schulsenator Rabe kein Verständnis.  Es würden bis zum Beginn des neuen Schuljahrs im Herbst 40 Kantinen fertiggestellt, erklärte Ties Rabe dazu. Zwar seien darunter nur 20 der jetzt 36 neu zugelassenen GBS Schulen, die im kommenden Schuljahr mit der Nachmittagsbetreuung beginnen. In 16 GBS Schulen werde es nur Übergangslösungen für das Mittagessen geben. Doch die Schulen hätten selber den dringenden Wunsch gehabt, mit GBS sofort zu beginnen, notfalls auch mit provisorischen Übergangslösungen, erklärte T.Rabe. Im Übrigen sei das für Hamburger Ganztagsschulen ganz normal, er habe gerade eine Schule besucht, die auch sechs Jahre nach Start des Ganztagsschulbetriebs noch keine Kantine habe!

 Ties Rabe kündigte außerdem an, es werde sozial gestaffelte Essenpreise geben. Wie das organisiert werden soll, werde noch geprüft. Erst in der letzten Woche hatten die Schulleiter der Grundschulen erfahren, dass die Schulen und nicht die Träger der Nachmittagsbetreuung für die Organisation des Mittagsessens, der Abrechnungen, sowie für die Suche von Caterern zuständig sein werden.

Sozial gestaffelt würden auch die Gebühren für die Betreuung in den Randzeiten von 6 bis 8 Uhr, sowie von 16 bis 18 Uhr, so der Schulsenator. Die Gebührensätze würden Kürze bekannt gegeben.

Es gebe bei vielen Kitaträgern immer noch viel Skepsis angesichts der vereinbarten Betreuungsschlüssel, erklärte schließlich Sabine Kümmerle, Geschäftsführerin des Alternativen Wohlfahrtsverbandes, SOAL. Der Verband hatte Ende 2011 ein Rechtsgutachten vorgelegt, wonach die ursprünglich vereinbarten Betreuungsschlüssel für Vorschulkinder wahrscheinlich rechtswidrig waren. Erst Mitte Januar haben sich die Verbände mit den Behörden darauf geeinigt, dass Eltern für Vorschulkinder bei GBS wie bei Kitas Gebühren zahlen sollen, um die Betreuungsschlüssel von 1:23 bzw.19 auf 1:15 zu verbessern. Der Landeselternausschuss hatte die Gebühren heftig kritisiert, und bezweifelt, dass der Schlüssel 1:15 erreicht werden können. Eventuell müsse noch nachgesteuert werden, erklärte Sabine Kümmerle dazu.

Keine Antwort gab es an diesem Mittag auf die Kritik der Grundschuleltern an den fehlenden Räumen, die für die versprochenen Kursangebote der GBS benötigt werden. Es fehle auch an Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten. An vielen Grundschulen besteht für den Ganztagsbetrieb erheblicher Aus- und Zubaubedarf, so die Forderung der Eltern.

Hier werde viel zu viel von oben herab bestimmt, erklärte Finn Ole Ritter von der FDP am Ende, der Elternwille komme viel zu kurz. Für Eltern, die das genau so sehen, sieht der neue Landesrahmenvertrag ein Schlupfloch vor. Die Horte werden nicht, wie ursprüngliche beschlossen, spätestens nach dem Schuljahr 2013/14 auslaufen.  Nach Paragraph 18 sollen  neben den GBS Schulen auch Horte „bis auf weiteres“ weiterbestehen. 

„An den Standorten, wo es gar nicht geht, können Eltern anders entscheiden“, erklärte Sabine Kümmerle. Den Eltern bliebt mit diesem Landesvertrag  die Wahl. Sollte sie die Umsetzung von GBS nicht überzeugen, können sie ihre Kinder „bis auf weiteres“ in einem Hort anmelden.

Überraschende Wende: Neuer GBS Landesrahmenvertrag sieht „bis auf weiteres“ Erhalt von Horten vor

27 Jan

Die Überraschung steckt in Paragraph 18 des Landesrahmenvertrags zur ganztägigen Bildung und Betreuung an Schulen , GBS, den die Verbände, Träger und die Sozial- und Schulbehörde heute mittag um ein Uhr vor der versammlten Presse unterschrieben haben. Der Paragraph ist eine Art „Schlupfloch“ für die Horte: Diese können demnach im Gegensatz zu allen bisherigen Ankündigungen des Senats „bis auf weiteres“ bestehen bleiben, und zwar nach den Bedingungen, die auch bisher für Horte galten. Sie sind im Landesrahmenvertrag „Kinderbetreuung in Tageseinrichtungen“ geregelt. Um ihn geht es auch im überraschenden Paragraph 18:

§ 18 Auswirkungen auf den Landesrahmenvertrag „Kinderbetreuung in Tageseinrichtungen“

In Ausführung …..des Landesrahmenvertrages „Kinderbetreuung in Tageseinrichtungen“ gilt, dass bei Inkrafttreten dieses Landesrahmenvertrages „ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen“ für bestehende Horte erstgenannter Landesrahmenvertrag bis auf weiteres gilt

Das bedeutet, dass es auch weiter wie bisher Kita-Gutscheine für die Kinder geben muß, deren Eltern die Nachmittagsbetreuung in einen Hort wünschen, und die die  geltenden Voraussetzungen erfüllen. Zwar haben schon eine ganze Reihe von Horte geschlossen und wandeln ihre Räume in Krippen um, aber viele Horte bestehen noch.  Nun kann es „bis auf weiteres“ ein Nebeneinander dieser Horte und der Ganztags-Grundschulen mit GBS geben.

Mit dieser überraschenden Wende hat sich die Grundlage der Entscheidungen der Grundschulen für eine Umwandlung in eine Ganztagsschule mit GBS erheblich geändert. Dies könnte ein großes Nachdenken bei den Eltern, Lehrern, Angestellten und Schulleitungen auslösen, die in den Schulkonferenzen der Grundschulen diese Entscheidungen treffen sollen oder schon getroffen haben.

In den letzten Monaten hatten Eltern immer wieder kritisiert, dass diese Entscheidungen für GBS nur unter erheblichen Druck entstanden sind. Denn bisher hatte der Hamburger Senat angekündigt, die Kitagutscheine für die Hortbetreuung würden in Kürze gestrichen. Damit schien das Aus für die Horte gekommen. Um den Kindern überhaupt eine Betreuung anzubieten, sahen sich viele Schulkonferenzen gezwungen, sich für das Angebot von GBS an ihrer Schule zu entscheiden.

Rückzug der GBS Anträge durch Schulkonferenzen möglich

Dieser Druck auf die Schulkonferenzen, für GBS zu entscheiden, entfällt, wenn Kita-Gutscheine und Horte jetzt erhalten bleiben. Das gilt für die Grundschulen, die noch keine Anträge auf GBS gestellt haben. Darüber hinaus könnten jetzt aber auch die 36 neu zugelassenen GBS-Schulen überlegen, ihre Anträge noch schnell zurückzuziehen.

Eine mögliche Stornierung von GBS-Anträgen der Schulen war bereits Thema der Anhörung des Schulausschusses zum Schulentwicklungsplan in der vergangenen Woche. Dabei wurde die mangelhafte Ausstattung der geplanten GBS -Schulen mit Kantinen für das Mittagessen kritisiert. Wie Anfragen in der Bürgerschaft ergaben, wird in 14 der 28 Pilot- und Modellschulen, die schon bis zu zwei Jahre GBS praktizieren, in Klassenräumen oder Pausenhallen gegessen. In 21 der 36 GBS Schulen, die jetzt für das kommende Schuljahr neu zugelassen wurden, wird es im kommenden Schuljahr Übergangslösungen wie Pausenhallen, Klassenräume oder Container anstelle von Kantinen geben.

Vertreter verschiedener Grundschulen hatten bei dieser Anhörung auch den Mangel an Räumen für das zugesagte Kursangebot am Nachmittag sowie die unzureichende Ausstattung für die Inklusion an ihren Schulen kritisiert. Hinzu kommt, dass die Schulleitungen der neu zugelassenen GBS Schulen erst vor einer Woche von einer weiteren Regelung des neuen Landesrahmenvertrages und des dazugehörenden Kooperationsvertrages erfuhren. Die Schulen sollen künftig selber die Organisation des Mittagessens an ihren Schulen übernehmen, und nicht, wie bisher geplant, die Träger der GBS Nachmittagsbetreuung. Das bedeutet, dass die Schulen künftig für die Anmeldungen, Abrechnungen, Zahlungen der Mittagessen, und ebenso für die Auswahl des Caterer, die Reinigung, usw. zuständig sein sollen. Das hat, wie berichtet wurde, erheblichen Ärger bei einigen Schulleitungen ausgelöst. Dazu kommt die ungeklärte Mittags- Aufsichtspflicht, die laut Landesrahmenvertrag nun wohl auch auf die Schulen zukommt.

Für die Schulkonferenzen der neu zugelassenen GBS-Schulen könnte unter diesen Umständen eine Rücknahme ihrer GBS Anmeldungen ein willkommener Ausweg aus den vielen Problemen bei der Umsetzung von GBS sein.

Dass der in Paragraph 18 nun „bis auf weiteres“ vorgesehene Erhalt von Horten kein Versehen sondern Ergebnis intensiver Verhandlungen ist, zeigt der Vorgängerentwurf für den GBS Landesrahmenvertrag. “Bei flächendeckender Umsetzung von GBS, spätestens aber zum Schuljahresbeginn 2013/14“ ist dort bis auf wenige Ausnahmen das Aus der Horte vorgesehen.

Warum dieser Passus geändert wurde, darüber kann man nur spekulieren. Möglicherweise spielt die gesetzlich vorgesehene Wahlfreiheit der Eltern in der Frage der Kinderbetreuung eine Rolle, die durch die Abschaffung der Horte beschränkt wäre. Möglicherweise waren aber auch die immer deutlicher werdenden Mängel in der Umsetzung der SPD Ganztagsreform ausschlaggebend.

Für die Eltern, die eine gute Betreuung für ihre Kinder wünschen und brauchen, gibt es jedenfalls „bis auf weiteres“ die Chance auf Wahlfreiheit zwischen GBS und Hort und damit eine größere Vielfalt des Angebotes. Und für Behörden und Schulen bietet sich damit die Chance auf mehr Zeit und mehr Qualität bei der Umsetzung von GBS in Punkto Räume, Ausstattung und Konzept der ganztägigen Bildung und Betreuung.  Erhalt der Horte – das ist eine gute Nachricht für Hamburgs Kinder.

Proteste vor der Schulbehörde: Schulsenator wirbt in Berlin für Kultur an Ganztagsschulen und streicht in Hamburg Stellen an Ganztags-Schulbibliotheken

25 Jan

Ihre Schulbibliothekare sollen bleiben, fordern Schüler von neun Hamburger Schulen

„Wir wollen Bücher“-  das riefen rund 300 Schüler, Eltern und Lehrer immer wieder hoch zu den oberen Stockwerken der Hamburger Schulbehörde. Kleine und große Demonstranten waren mit Transparenten und Protestplakaten vor die Tore der Schulbehörde im Einkaufszentrum Hamburger Straße gezogen, um Schulsentor Rabe über 4000 Unterschriften gegen die Stellenstreichungen an ihren Schulbibliotheken zu überreichen. Denn während Schulsenator Rabe als frischgekürter Präsident der Kultusministerkonferenz in Berlin gerade für mehr „Kultur in der Schule und die dafür einzigartige Chance der Ganztagsangebote“ (s.FAZ, heute, S.8 ) warb  und Eltern in ganz Hamburg derzeit besorgt auf Ausbauten für die Kursangebote der geplanten Ganztagsschulen hoffen, wird an einigen Schulen  in Hamburg das kulturelle Angebot schon wieder abgebaut. Betroffen sind ausgerechnet viele Ganztagsschulen.

An neun Schulen in Hamburg will Schulsenator Ties Rabe die Stellen für die Bibliothekare streichen, die die Schulbibliotheken betreuen. Schüler, Eltern und Lehrer aus 9  Schulen aus ganz Hamburg protestieren mit den Unterschriften gegen den drohenden Verlust ihrer Schulbibliotheken. Sie hatten sich gestern nachmittag mit ihren Protestplakaten in der Hamburger Straße versammelt, um für den Erhalt ihrer Bibliotheken und gegen die Stellenstreichungen zu kämpfen.

Initiator des Protests, Lehrer Martin Speth

Diese Sparmaßnahme sei ein „bildungspolitischer Schildbürgerstreich“, so wird in einer Presseerklärung einer der Initiatoren, Martin Speth, Lehrer am Gymnasium Bornbrook zitiert: „In Pisa-Tests rutscht HH immer weiter ab, Lese- und Schreibschwäche nimmt in den sogenannten bildungsfernen Schichten dramatisch zu und was plant der Senat? Gerade erst erfolgreich gestartete Bibliotheken sollen wieder geschlossen werden. Das ist Sparen am völlig falschen Ende und wird uns noch teuer zu stehen kommen.“

Zum Hintergrund: „Schulbibliotheken Hamburg“ war ein Projekt der der schwarz-grünen Vorgängerregierung, bei dem an neun Pilotschulen seit 2009 Schulbibliotheken eingerichtet wurden,  an jeweils drei Grundschulen, Gymnasien und Stadtteilschulen.  „Bei der Auswahl der Schulen wurde auf den KESS-Sozialindex, eine möglichst große Entfernung der Schule zur nächsten öffentlichen Bibliothek und eine breite Streuung über das gesamte Stadtgebiet geachtet“, so heißt es in der Presseerklärung. Der SPD Senat will dieses Modellprojekt jetzt beenden.

Sparmaßnahmen bei Schulbibliotheken, für Hamburger Schüler, Eltern und Lehrer heißt das Sparen am falschen Ende

Viele Schüler hätten zuhause zu wenig Ruhe zum Arbeiten und Lesen, sagte eine Mutter aus Lurup, die gestern mitdemonstrierte. Die Schulbibliotheken seien pädagogisch wichtig, um vielen Schülern den Zugang zu Büchern zu erleichtern. Aber ohne fachkundige Betreuung durch die Bibliothekare, so die Sorge an den Schulen, werden ihre Bibliotheken bald schließen. „Eine Bibliothek ohne Bibliothekar ist ein Unding“, kritisierte auch der Schulleiter des ebenfalls betroffenen Goethe Gymnasiums in Lurup, Egon Tegge, die Stellenstreichungen. Der Bibliothekar begleite die Schüler bei der Recherche, bei der Vorbereitung von Präsentationen und bei der gezielten Suche nach Informationen in der Fülle der Angebote. Dafür braucht man die  fachlichen Kenntisse eines Bibliothekars, erklärte er. Die Bibliothek der Schule verfügt über 4000 Bücher, Hörbücher, DVDS. Sie werde von Schülern aller Alterstufen genutzt, der Bibliothekar sei für sie eine wichtiger Begleiter und Unterstützer, so Schulleiter Egon Tegge. Seit der Schließung der nahegelegenen Bücherhalle sei die Bedeutung der Schulbibliothek  für die Schüler der gebundenen Ganztagsschule noch gestiegen.

Der Schulsenator habe weitere  Gespräche zugesagt, berichtete Initiator Martin Speth, nachdem er gestern mit einer kleinen Protest-Delegation die Unterschriften überreicht hatte.  Doch Ties Rabe habe gleichzeitig erklärt, die Stellen müßten gestrichen werden, denn es sei nicht genug Geld für Schulbibliotheken an allen Schulen in Hamburg da. Ein Argument,  das den Lehrer nicht überzeugt. Schulpolitik funktioniere so nicht, sagt er, es gebe immer erst Pilotprojekte und wenn die dann gut liefen, werde schrittweise ausgebaut. So sollte es auch bei den Schulbibliotheken sein, das wünschen sich alle, die gestern mitprotestiert haben.

Die betroffenen Schulen des Projekts: „Schulbibliotheken Hamburg“:

Grundschulen: Fritz-Köhne-Schule, Schule Rungwisch, Schule An der Glinder Au,

Stadtteilschulen (Ganztagsschulen): Gretel Bergman Schule, Otto-Hahn-Schule, Ida-Ehre-Schule

Gymnasien: Gymnasium Bornbrook, Gymnasium Hamm, Goethe Gymasium

Siehe auch. www.schulbibliotheken-hamburg.de

Dazu heute in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: Ein Portrait von Schulsenator Ties Rabe als neuer Präsident der Kultusministerkonferenz: „Pragmatiker“: „Sein Pladoyer für mehr Kultur in der Schule und die dafür einzigartige Chance der Ganztagsangebote hätte in Hamburg zu Hohngelächter unter den Eltern geführt…..“, FAZ, 25. Januar, 2012, S. 8

Hoffnungsträgerin

                                                                                  

Das fünfte Vernetzungstreffen

22 Jan

Das Fünfte GBS-Vernetzungstreffen findet am Donnerstag, den 02.02.2012 um 19.30 Uhr im Sitzungssaal M / Schulbehörde statt.

(Hamburger Straße 41 III. Stock, Zugang über EKZ Hamburger Meile / Hamburger Straße)

Der Raum wird ausgeschildert sein.

Ganztagsreform: Offene Fragen, fehlerhafte Liste – Die Anmeldefrist läuft bald ab – aber Eltern erfahren kaum Details über die Umsetzung an Grundschulen

20 Jan

Schon gab es in der St. Nikolai Grundschule irritierte Anrufe von Eltern: aber in der Schule ist von einer Veränderung der Ganztagsform der Schule nichts bekannt, so die Auskunft am Telefon. „Wir sind eine gebundene Ganztags-Grundschule“, so heißt es auch auf der Homepage der Schule: Doch sie steht auf der heute in der Presse veröffentlichten Liste der 36  neu zugelassenen Ganztagsschulen mit GBS, ganztägiger Bildung und Betreuung.  Schon wird auch von weiteren Fehlern auf der Liste berichtet.

Der Fall zeigt, wie irritiert Eltern von den fehlenden Informationen über die geplanten Ganztagsschulen durch Schulsenator Rabe und Hamburger Behörden sind. Die Fristen zur Anmeldung für die Grundschule laufen nur noch bis zum 2. Februar, aber  Eltern erhalten kaum Informationen darüber, was auf sie und ihre Kinder mit ihren Bewerbungen bei einer Grundschule genau zukommt. Wird sie Ganztagsschule, in welcher Form, wie wird sie ausgestattet sein, hat sie eine Kantine und genug Räume für Kurse, wie steht es mit Freiflächen, Spiel-, Freizeit-, Rückzugsmöglichkeiten? Erst jetzt – 5 Tage nach Beginn der Anmeldezeit – gab die Behörde die  Liste mit den bewilligten Schulen an die Presse, die schon in diesem Herbst GBS Schulen werden sollen. Aber selbst die Liste ist so nicht korrekt. 

Auch bei der Anhörung zum Schulentwicklungsplan am Dienstag hatte Schulsenator Rabe Fragen nach den Details der Umsetzung und Ausstattung der geplanten Ganztagsschulen unbeantwortet gelassen. Hintergrund der Fragen war unter anderem eine Große Umfrage der Linken in der Bürgerschaft. Aus den Antworten der Behörden wird klar, dass es selbst bei den vor zwei oder einem Jahr gestarteten Pilot- und Modellschulen erhebliche Mängel bei der Umsetzung auf den Ganztag mit Mittagessen und Nachmittagsbetreuung in der Schule gibt.

Die detaillierten Fragen in der Anfrage haben als Zwischenstand ergeben, dass Kinder in den meisten von insgesamt 28 GBS -Ganztags-Modell- und Pilotschulen immer noch auf Kantinen für das Mittagessen warten. Die Kantinen sollen zum Teil erst bis 2015 fertiggestellt werden. Wie die Antworten der Behörde ergeben, essen die Kinder in sieben Schulen derzeit in Klassenräumen, davon sind drei Container, in fünf Schulen essen sie in Aulas, und in sieben Schulen in Pausenhallen. Dies teilweise in drei oder vier Schichten! Weitere Probleme werden in der Großen Anfrage nicht erwähnt, dass zB. vielfach Räume für das versprochene Kurssystem an Schulen fehlen. Das berichten zB. Elternvon der Schule Lutterotstrasse, wo schließlich im Herbst Container als Notlösung und Ersatz für die fehlenden Räume in der Schule aufgestellt wurden.
 
Eltern von vielen Grundschulen hatten in der Anhörung kritisiert, das es für die Umsetzung auf den Ganztag an ihren Schulen nicht genügend Räume gebe und deshalb Aus- und Zubauten an ihren Schulen gefordert. Sie forderten Senator außerdem dringend auf, die Fragen nach der Ausstattung  für die jetzt neu bewilligten 36 Schulen schnell zu beantworten, die im Herbst GBSSchule werden sollen. Falls bis Ende der Anmeldefristen am 2. Februar keine klaren und befriedigenden Antworten auf die Fragen nach der künftigen Ausstattung vorlägen, wurde gefordert, eine Stornierung der Ganztags-Anträge der Grundschulen zuzulassen und auch angesichts der Zustände an den Pilot- und Modellschulen die Reform insgesamt zu entschleunigen.
 
Ties Rabe hat diese Aufforderungen am Dienstag nicht beantwortet und  erklärte lediglig, es würden zum neuen Schuljahr laut Auskunft der Schulbau 40 bis 50 Kantinen fertiggestellt. Wie vertraulich berichtet wird, zeichnen sich aber schon jetzt beim Kantinenausbau an den Schulen erhebliche Verzögerungen ab.
 
Mittlerweile liegt eine Anfrage des Fraktionsmitglieds der CDU, Walter Scheuerl, vor. Sie enthält eine Liste von Fragen zur  Umsetzung der Ganztagspläne, zu Ausstattung und Kantinenbau der künftigen Ganztagsschulen und GBS. Die Anfrage soll nach acht Tagen beantwortet werden, das wäre dann voraussichtlich am 25./26. Januar – den Eltern bleibt damit die Hoffnung, doch noch etwas mehr über die Grundschulen zu erfahren, bei denen sie sich spätestens bis zum 3. Februar anmelden müssen.
 
 
Hier die veröffentlichte Liste der jetzt zugelassenen GBS Schulen, die, wie gesagt, zumindest einen Fehler enthält.

Diese 36 Grundschulen bieten nach Angabe der Schulbehörde im kommenden Schuljahr ganztägige Betreuung und Bildung (GBS):

 

Gorch-Fock-Schule,

Grundschule Goosacker, Grundschule Kirchwerder,

Grundschule Luruper Hauptstraße,

Grundschule St. Nikolai???

Grundschule Stübenhofer Weg,

Max-Traeger-Schule,

Schule Altengammer-Deich,

Schule Am Sooren,

Schule An der Seebek,

Schule Bekassinenau,

Schule Bergstedt,

Schule Bovestraße,

Schule Brockdorffstr.,

Schule Döhrnstraße,

Schule Fünfhausen-Warwisch,

Schule Furtweg,

Schule In der Alten Forst,

Schule Jenfelder Straße,

Schule Kapellenweg,

Schule Knauerstraße,

Schule Leuschnerstraße,

Schule Mittlerer Landweg,

Schule Moorflagen,

Schule Nettelnburg,

Schule Neugraben,

Schule Oppelner Straße,

Schule Othmarscher Kirchenweg,

Schule Röthmoorweg,

Schule Sander Str.,

Schule Scheeßeler Kehre,

Schule Schenefelder Landstraße,

Schule Sethweg,

Schule Speckenreye,

Schule Trenknerweg,

Schule Wegenkamp

Die Anträge von weiteren sechs Standorten werden derzeit noch geprüft

Diese Schulen werden Ganztagsschulen mit verpflichtendem Nachmittagsangebot:

Anton-Rée-Schule Allermöhe,

Grundschule Heidhorst,

Grundschule Neurahlstedt,

Schule Grumbrechtstr.,

Schule Iserbrook,

Schule Kroonhorst,

Schule Ohrnsweg,

Schule Slomanstieg,

Theodor-Haubach-Schule

 

Anhörung zum Schulentwicklungsplan: viele Zubauwünsche von Eltern und Schulen, aber keine Zusagen von Schulsenator Rabe – UND: Aufruhr bei Grundschulleitern wegen Ganztags – Mittagessen

19 Jan

So trocken er auch klingt, er löst bei vielen Eltern Sorgen aus: Der Schulentwicklungsplan (SEPL): In ihm wird festgelegt, wie sich die allgemeinen Schulen Hamburgs in den nächsten 5 Jahren entwickeln werden, wo aus- und zugebaut wird, wo Standorte neu aufgebaut oder geschlossen werden. Was die Eltern bei der Anhörung im vollbesetzten Kaisersaal des Rathauses klarmachten: Viele Schulen in Hamburg haben zuwenig Platz. Es werden mehr Räume und Schulbauten gebraucht: für mehr Schüler, für die neuen Stadtteilschulen, aber auch für Gymnasien und besonders für die Nachmittagsbetreuung  an den Grundschulen, so die Forderungen der Eltern.  Doch Zusagen für neue Baumaßnahmen, zusätzlich zum SEPL, wollte Schulsenator Rabe bei der Anhörung nicht machen: „Die Mittel im Schulbau reichen eben nicht,“ erklärte er.

Noch ist der Schulentwicklungsplan ein Entwurf, erst in zwei Wochen soll er verabschiedet werden. Eltern von Grund-, Stadtteilschulen und Gymnasien aus ganz Hamburg nutzten daher die Gelegenheit, bei der öffentlichen Anhörung des Schulausschusses der Bürgerschaft Änderungen bei den baulichen Plänen für Hamburgs Schulen zu fordern. 

Aktuelles Thema gleich zu Beginn: Der Aus- und Zubaubedarf der Grundschulen. Denn zum einen steigen deren Schülerzahlen, zum andern wird zusätzlicher Platz für die geplante Umwandlung der Grundschulen in Ganztagsschulen mit ganztägiger Bildung und Betreuung (GBS) gebraucht.  „Wir haben 10 Klassen und 11 Räume, das ist schon jetzt viel zuwenig, wo sollen denn nach der Einführung der Ganztagsschule die Kinder essen?“ fragte ein Vater der Schule Sachsenweg in Niendorf. (Siehe dazu unten: Sondermeldung) Benötigt würde Platz für Kantine und zusätzliche Räume für das geplante Kurssystem. Ausbaubedarf meldeten auch die Eltern der Grundschule Rellinger Straße an. Die nötigen Zubauten für den Ganztag seien nicht gegeben, erklärte eine Elternsprecherin der Schule, die zu den Versuchsschulen mit sechsjähriger Primarschule zählt.  Die Schule müsse außerdem bei den Anmeldungen viele Kinder aus Platzmangel abweisen, es gebe schon 4 Container, aber “ es sei unwürdig, Kinder 10 Jahre in Container einzusperren“. 

Die Horte würden jetzt abgeschafft, aber den geplanten Ganztagschulen mangele es an „Ansprechpartnern von oben“ und an Informationen über die geplante Ausstattung für GTS und GBS , erklärte ein Vater.  Die Frage, welche Räume, Kantinen und Ausstattung die künftigen Ganztags- und GBS Schulen zu welchem Zeitpunkt erhalten,  müsse vor dem Schluss der Grundschul – Anmeldefristen in zwei Wochen  geklärt werden, so eine Elternforderung, andernfalls müsse es für die Grundschulen die Möglichkeit geben, ihre Anträge auf Umwandlung in GTS oder GBS  zu stornieren und zurückzuziehen.

Schulsenator Rabe, der die Forderungen der Eltern gleich nach der Anhörung beantwortete, hielt dagegen:  Die Schulleitungen seien nach seiner Einschätzung gut informiert, es sei „perspektivisch“ klar, dass es an jeder Schule Kantinen geben solle, er gehe davon aus, dass zum Schuljahrsbeginn in 40 bis 50 Standorten zusätzliche Kantinen eingebaut würden. Ein Zugeständnis machte er dann aber doch, nämlich als die Abgeordnete der GAL, Stefanie von Berg, in die Diskussion eingriff und noch einmal auf die vielen Anmeldungen für die Schule Rellinger Straße hinwies. „Diesen besonderen Fall können wir uns noch einmal anschauen“, erklärte Ties Rabe daraufhin.

Ein weiteres Thema der Elternforderungen war der Ausbau der Stadtteilschulen. Die Beispiele: Der Kreis Nord und Steilshoop. „Die Stadtteilschulen im Schulkreis Nord laufen über“, erklärte ein Vater von der Albert Schweizer Schule.  Der „weiße“ Fleck bei den Stadtteilschulen der Region müsse gefüllt werden, sagte er und bat unter anderem, die Stadtteilschule Langenhorn wieder aufleben zu lassen, um für die Schüler kürzere Wege in der Region Nord zu schaffen. Dem schlossen sich weitere Eltern an. Eine Mutter der Schule am See in Steilshoop forderte eindeutige Zusagen für den Ausbau ihrer Schule und erklärte, Steilshoop müsse eine Stadtteilschule behalten.

Die Situation in Langenhorn sei schwierig, sagte Schulsenator Rabe, alles müsse sorgfältig geprüft werden. Für Steilshoop erklärte er: „ja, ich will eine Stadtteilschule, lass uns prüfen, wo es am besten ist“.  Es seien mehrere Lösungen für einen Ausbau der Schule am See möglich, eine Machbarkeitstudie zu dem Thema werde bis März fertig sein.

Eltern der Stadtteilschule Goosacker beklagten, ihre Schule solle umziehen, es sei aber vollkommen unklar, wann. “ Wir warten auf eine terminliche Entscheidung“. Ein Vertreter des Gymnasiums Rissen kritisierte schließlich die umstrittene Entscheidung,  einen zweiten Standort der Stadtteilschule Blankenese am Standort seines Gymnasiums auszubauen, „Wir verstehen nicht, warum bei uns“ Das Gymnasium Rissen sei eine attraktive Schule, deren Eigenständigkeit erhalten bleiben sollte, sagte er und bedauerte, dass der Senat auf Briefe der Elternschaft nicht geantwortet habe und dass der Senator trotz mehrfacher Einladungen der Schule nicht gekommen sei.

Die Entscheidung, die Stadtteilschule Blankenese an den Standort des Gymnasiums zu legen, sei Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, erklärte Schulsenator Rabe. Die Grundschule Iserbarg sei nicht als Standort in Frage gekommen, weil sie voraussichtlich um einen Zug größer werde. Die  Stadtteilschule solle in Rissen langfristig ein eigener Standort werden, beide Schulen sollten aber eigenständige Schulen bleiben. 

Raumbedarf meldeten auch Eltern des Emilie Wüstenfeld Gymnasiums an. Die Schule platze aus allen Nähten, es werde schon in der Hausmeisterwohung unterrichtet. Auch in Altona gebe es  Zubaubedarf bei Gymnasien und Stadtteilschulen, so die Forderung bei dieser Anhörung.

Schließlich ging es auch um das Thema Inklusion.  Die allgemeinen Schulen müßten den besonderen Bedürfnissen von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf entsprechen, auch in Hinblick auf Ruhe, Beleuchtung, Ausstattung von Räumen, erklärte eine Sprachheilpädagogin einer Grundschule. Außerdem würden viele Räume für die Förderung benötigt. Die besondere Anforderungen gelten auch für die Ausbau der Ganztags-, bzw. GBS – Schulen. Dafür werde aber mehr Ruhe und Zeit für Planung gebraucht, als bisher vorgesehen. 

Doch auch in diesem Punkt wollte Senator Rabe keine neuen Zusagen machen. Die Bürgerschaft habe das Schulgesetz beschlossen, Inklusion und Wahlrecht der Eltern ließen sich nicht entschleunigen. Es gebe aber Spielräume für Differenzierung,  pro Klasse seien 72 Qnadratmeter Fläche vorgesehen, damit sei die  Inklusion abgedeckt. Im Übrigen seien die Stadtteilschulen auch wegen der Inklusion besser mit Räumen ausgestattet.

So hanseatisch ruhig und sachlich die Eltern ihre Forderungen vortrugen – die Frage von Schulstandorten und Raumnot an Schulen löst bei vielen Eltern sichtlich Sorgen und Ärger aus. Wieviel Sprengkraft das haben kann, zeigte sich im Fall der Grundschule Uhlenhorst.  Ein halbes Dutzend Eltern trat ans Mikrophon – nicht um ihren Ärger über den Senator Luft zu machen – vielmehr ist an der Schule heftiger Streit zwischen den Eltern entbrannt. Es geht um die Frage, ob die Schule ihren zweiten Standort in der Humboldstraße zugunsten einer Stadtteilschule aufgeben soll, die dort einziehen soll. Nacheinander gaben die Eltern in der Anhörung Erklärungen ab, in denen sie sich gegenseitig Vorwürfe machten. Während die Einen den Einzug der Stadtteilschule am zweiten Standort Humboldschule befürworten, forderten die anderen, den zweiten Standort ín der Humboldstraße für die Grundschule zu erhalten. Ersteres hatte man offenbar im Frühjahr letzen Jahren mehrheitlich so entschieden. Letzteres sei dann aber bei der letzten Abstimmung von der Mehrheit der Elternvertreter beschlossen worden. Schließlich hatten alle Uhlenhorster Eltern ihre Meinung geäußert, die Diskussion brach ab.

Rund zwei Stunden später, vier Stunden nach Beginn der Anhörung, hatte ein Großteil der Eltern die Anhörung verlassen. 

Noch hat Schulsenator Rabe Zeit, einige Änderungen an seinem Schulentwicklungsplan vorzunehmen – bis zum 1. Februar. Dann wird der SEPL von der Deputation der Schulbehörde verabschiedet. 

SPD Ganztagsreform:

Aufruhr bei den Schulleitern: Schulen sollen künftig das Mittagessen für GBS Ganztagsbetrieb organisieren

Bei einem Treffen haben gestern Hamburgs Grundschulleiter von Schulsenator Ties Rabe erfahren, dass künftig die Schulen und nicht die Hortträger die Verantwortung für das Mittagessen an den GBS Ganztagsschulen haben sollen. Die Schulen müssen demnach selber den Caterer organisieren und sind auch zuständig für Anlieferung  und Aufwärmen des Mittagessens, sowie für die Abrechnungen. Die Hortträger, die für die Nachmittagsbetreuung zuständig  sind,  sollen das Essen verteilen und überwachen. 

Diese vollig unerwartete Nachricht hat, wie berichtet wurde,  bei den Schulleitern offensichtlich für erheblichen Aufruhr gesorgt.  Neben den 21 GBS Pilot und Modellschulen, die schon seit 2010, bzw. 2011 Ganztägige Bildung und Betreuung , GBS, praktizieren, haben sich 36 neue Grundschulen für die Umwandlung in GBS Ganztagsschulen angemeldet.  Einige Schulleiter sollen nun überlegen, ihre Anmeldung zu GBS zurückzuziehen,  das berichtet unter anderem die WELT von heute. Die Regelung ist demnach ein Entgegenkommen gegenüber den Trägern und Ergebnis der  Verhandlungen über den Landesrahmenvertrag zwischen Trägern, Verbänden und Behörden . http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article13822596/Streit-ueber-Mittagstisch-bei-Ganztagsbetreuung.html

Der geheime Landesrahmenvertrag im Internet veröffentlicht

18 Jan

Der geheime Landesrahmenvertrag zur ganztägigen Bildung und Betreuung ist nicht mehr geheim.

Auf Facebook wurde jetzt diese Version des Vertrages und ebenso der Text des dazugehörigen Kooperationsvertrages veröffentlicht. Es soll die letzte Version vor den Verhandlungen zwischen der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB), der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) und den Wohlfahrtsverbänden und Hortträgern über die Details der geplanten Ganztägigen Bildung und Betreuung an Schulen (GBS) am Mittwoch letzter Woche sein: 

Kooperationsvertrag:
https://docs.google.com/open?id=0B-0KZl3bYpCRZGNkYzJmZDAtYmZjYi00YzFhLTg4ZjItNmYzMDNkNTQwODEw
Landesrahmenvertrag:
https://docs.google.com/open?id=0B-0KZl3bYpCRNTA0ODMxM2EtZGFhYS00YzFiLTk0ODQtMjg2MDRiNmFkNDMw

Schulsenator Rabe freut sich über die vielen „freiwilligen“ Ganztagsschul – Anmeldungen: Herbststatistik der Hamburger Schulen

17 Jan

Noch nie habe es das gegeben, dass sich so viele Schulen freiwillig anmelden, Ganztagsschule zu werden. Das stellte Schulsenator Rabe heute gleich zu Beginn der Pressekonferenz fest, als er die neusten Zahlen und Daten aus der Herbststatistik aller Hamburger Schulen vorstellte.  „Ich freue mich, dass diese Anträge zur Umwandlung in Ganztagsschulen freiwillig sind, durch mehrheitlichen Beschluss der Schulen“ , betonte er gleich mehrere Male und ergänzte noch, die Schulen hätten über ihre Anträge ganz ohne Druck der Behörde entschieden. Was er nicht erwähnte, war die Entscheidung von Senat und Behörden, die Kitagutscheine die Hortbetreuung  in Kürze zu streichen. Eltern  vieler betroffener Schulen erklärten, sie fühlten sich durch den Wegfall der Kitagutscheine unter Druck gesetzt, für eine Umwandlung ihrer Schulen in Ganztagschulen zu entscheiden, nur so sei für viele Kinder künftig überhaupt noch eine Nachmittagsbetreung gesichert.

42 Grundschulen haben Anträge auf ganztägige Bildung und Betreuung (GBS) in Kooperation mit Hortträgern gestellt, so die neusten Zahlen von heute. 36 davon seien bewilligt worden, zusätzlich zu den bisherigen 21 GBS Ganztagsschulen. 6 Anträge würden noch geprüft, so die Erklärung des Senats. 9 Grundschulen würden ab August Ganztagsschule in schulischer Verantwortung werden, bisher seien es 52. Drei Stadtteilschulen werden zusätzlich Ganztagsschule.

Die Ausstattung für die geplanten Ganzagsgrundschulen war von Eltern massiv kritisiert worden, Schulsenator Rabe lud in diesem Zusammenhang noch einmal zur heutigen Anhörung im Schulausschuss zum Thema Baumaßnahmen und Schulentwicklungsplan ein.

Sehr erfreut zeigte sich Senator Rabe auch über den „Trend zu besseren Schulabschlüssen“, die Zahl der Schulabbrecher ohne Schulabschluss sei auf den Tiefstand von 7 Prozent gesunken, mit einem deutlich höheren Jungsanteil von 57,9 Prozent. 16, 2 Prozent der Schuler schafften den Hauptschulabschluss, 23 den Realschulabschluss, 3,2 die FAchhochschulreife der Anteil der Abiturienten sei auf  50,6 Prozent gestiegen, vermutlich der Spitzenwert bundesweit, erklärte er, und betonte, ein Verlust des Niveaus sei damit aber nicht einhergegangen.

Wenig erfreulich dagegen ein Trend bei den Klassenwiederholungen. Bei den Oberstufen der Gymnasien und Stadtteilschulen gab es einen erheblichen Anstieg der Wiederholungen, auf 6, 8 Prozent bei den 11. Klassen und auf 8,1 Prozent in den 12. Klassen. Dies führte Schulsenator Rabe auf die höhrere Zahl an Auslandsaufenthalten zurück, nach denen die Schüler die Klassen wiederholen würden. Diese glatte Begründung, überzeugte nicht alle Journalisten, die an dieser Stelle mehrfach nachhakten – denn nach einem Auslandsaufenthalt  wiederholen nicht alle Schüler die Klasse. Die naheliegende Erklärung, dass die Einführung des Turbo G8 und der Profiloberstufe Ursache der gestiegenen Wiederholungen sein könnten, war an diesem Mittag kein Thema. In den Klassen 1 bis 10 seien die Klassenwiederholungen dagegen zurückgegangen, erklärte der Senator.

Erfreulich für Hamburg: Als einziges Bundesland hat die Hansestadt steigende Schülerzahl an allgemeinen Schulen, nur bei Berufschülern gab es einen Rückgang. Insgesamt hat Hamburg 240.640 Schüler. Als besonders positiv bewertete Schulsenator Rabe dabei den Anstieg der Schülerzahlen an staatlichen Schulen, die Privatschulen hätten keine Zuwächse zu verzeichnen.  

Sorgen mache ihm der erhebliche Anstieg von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf von 5 auf 5,4 Prozent. Besonders auffällig: Der Anstieg im Bereich emotionale und soziale Entwicklung um 58 Prozent und der Anteil schwerst-/ mehrfach förderbedürftiger Schüler, der um 34 Porzent stieg.  Für die auffällige Zunahme bestimmter Diagnosen gebe es nur zwei Erklärungen, entweder habe sich die Schülerschaft verändert, oder der Maßstab: Der eine oder andere nutze wohl „die Chance für Fördermaßnahmen, die damit verbunden sind“ erklärte er.

Die Zahl der Schüler an Sonderschulen sei um 502 Kinder gesunken, von 3,8 auf 34 Prozent. Er sei erfreut, dass der Anteil der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allgemeinen Schulen von 24 auf 35,8 Prozent gestiegen sei, erklärte Ties Rabe.

Dass rund 30 Prozent der fünften Klassen an Gymnasien die Obergrenze von 28 Kindern pro Klasse übersteige und diese damit größer sind als versprochen, sei vor allem Schuld der Eltern,  die ihre Kinder an Gymnasien anmeldeten, begründete der Senator. “ Das will ich nicht noch einmal“, erklärte er. Das müssse im Einzelfall gelöst werden, in einer 2. Runde nach dem Anmeldeverfahren. Da werde es noch Ärger und Enttäuschungen bei Eltern geben, ergänzte er. Erfreut zeigte er sich dagegen  über die kleinen Klassen an Grundschulen mit durchschnittlich 20,2 Kindern pro Klasse.

Raumnot an Ganztagsschulen: Baumaßnahmen und Schulentwicklungsplan heute Thema der Anhörung im Schulausschuss

16 Jan

Manche Hamburger Eltern, die in diesen Zeiten neuer schulischer   Reformwirren verreisen, atmen hinter den Landesgrenzen der Hansestadt befreit auf. In anderen Bundesländern herrscht, so scheint es jedenfalls, derzeit einfach mehr schulpolitische Gelassenheit, ja sogar mehr schulpolitische Vernunft: In Bremen haben die Grünen gerade die auch dort geplante Ganztags-Schulreform gestoppt, um sie mit mehr Zeit sorgfältiger und besser planen zu können. Und in Hessen löst ein Gespräch mit der Lehrerin einer künftigen Ganztags-Grundschule bei  Hamburger Eltern Staunen und Neid aus. Grund: Die räumliche Ausstattung der hessischen Ganztags-Grundschule. Um die räumliche Ausstattung der Ganztags-Grundschulen wird es heute auch bei der Anhörung des Schulausschusses der Hamburger Bürgerschaft   zum Thema Schulentwicklungsplan gehen.  Hamburgs Eltern haben dabei die Gelegenheit, sich zu den geplanten Ausbauten für ihre Grundschulen zu äußern und ihre Forderungen zu stellen. 

Ihre Grundschule, so berichtet die hessische Lehrerin, wird seit zwei Jahren zu einer offenen Ganztagsschule umgebaut, 2013/4 soll sie fertig sein. Was die Hamburger Eltern staunen läßt:  Jede Klasse der Schule erhält einen eigenen Differenzierungsraum, der mit Fenstern und einer Tür mit dem Klassenraum verbunden ist. Darin stehen PCs, Schränke mit Spielzeug und Lehrmaterial, dort können kleine Gruppen ungestört arbeiten. Auch in Hessen, so berichtet die Lehrerin, reichen die Ressourcen nicht für Zweitlehrer für alle Klassen: Die Türen zwischen Klassenzimmern und Differenzierungsräumen bleiben offen, aber es gibt mehr Platz und Ruhe für die Arbeit mit verschiedenen Gruppen. Dazu bekommen die ersten zwei Klassen auch Unterstützung von einem Sozialpädagogen. 

Neben dem eigentlichen Unterrichtsflügel wird diese Ganztags-Grundschule außerdem ein Betreuungszentrum haben, in dem es viele kleinere Gruppenräume für  unterschiedliche Betreuungsangebote geben wird. Der Betreuungsbedarf wurde vor Baubeginn durch eine detaillierte Elternbefragung ermittelt . Es wird im Betreuungszentrum einen Hort geben, für Kinder von Eltern mit fünftägigem Betreuungsbedarf, für die anderen Kinder ist ein offenes Betreuungsangebot mit flexiblen Abholzeiten geplant.

Soweit die Pläne dieser Schule. Sie ist Teil eines Ganztags-Ausbau-Programms in Hessen. Es wurde vor 7 Jahren unter dem Namen  „Ganztagsschule nach Maß“ begonnen. Das Besondere: Der Ausbau der Ganztagsschulen in Hessen erfolgt schrittweise, nicht wie in Hamburg auf einen Schlag. Ausgehend von den regionalen Wünschen und Bedürfnissen können die Schulen in Hessen Anträge auf Umwandlung in GTS stellen. Und anders in Hamburg müssen sie klare Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählt auch die räumliche Ausstattung.

Als Grundlage für die Anhörung im Schulausschuss und für die Forderungen der Eltern im Zusammenhang mit dem räumlichen Ausbau der Ganztagsschulen in Hamburg folgen hier die räumlichen Voraussetzungen für Ganztagsschulen, wie sie laut der „Richtlinie für ganztägig arbeitende Schulen in Hessen nach § 15 Hessisches Schulgesetz“ gelten:

Erlass vom 1. November 2011, Gült. Verz. Nr. 721 „:

„2.1.2

Der Schulträger stellt die räumlichen und sachlichen Voraussetzungen für das ganztägige Angebot sicher und unterstützt die Schulen nach seinen Möglichkeiten bei der Einrichtung von Lehrerarbeitsplätzen im Sinne flexibler Lösungen. Dabei soll für den Ganztagsbereich die nach stehen de Mindestausstattung an Räumlichkeiten zur Verfügung stehen bzw. ein entsprechendes verbindliches Planungskonzept vorliegen:

 • ein Speiseraum mit zugehöriger Vorbereitungsküche gemäß dem Versorgungskonzept der Schule;

 • eine Cafeteria (Begegnungsbereich), ggf. in Kombination mit dem Speiseraum;

 • ein Freizeitbereich (Tischspiele, Bewegungsspiele und  Sportmöglichkeiten);

 • eine Schulbibliothek oder eine Stadtteilbibliothek mit  ausreichendem medialen Angebot;

 • Räume für Hausaufgabenhilfe, Arbeitsgruppen sowie für Stillarbeits- und Ruhephasen;

 • Planungen für die Mehrfachnutzung von Klassenräumen;“

 Quelle:

http://www.hessen.ganztaegig-lernen.de/sites/default/files/2011 _HKM_Broschuere_Ganztaegig_arbeitende_Schulen.pdf

Der Termin der Anhörung des Schulausschusses der Bürgerschaft zum Thema „Schulentwicklungsplan“:

Dienstag, 17. Januar 2012,

um 17 Uhr

im Rathaus (Kaisersaal).

 

Wie außerdem am Wochenende durch Presseberichte bekannt wurde, sollen Hamburger Eltern künftig für die  Nachmittagsbetreuung von Vorschulkindern an Ganztags-Grundschulen zahlen. Die Eltern erfuhren dies erst am Freitag aus der Presse, an dem Tag, als die Anmelderfristen für die Vorschulklassen abliefen. Der Landeselternausschuss Kindertagesbetreuung LEA hat deshalb ein Rücktrittsrecht von Vorschulanmeldungen gefordert, sowie eine Fristenverlängerung für weitere Anmeldungen.

Hier ein Auszug aus der Pressemitteilung des LEA:

Hamburg, den 14.01.2012

„LEA Hamburg fordert Rücktrittsrecht von Vorschulanmeldungen und Fristenverlängerung für weitere Anmeldungen“

 

„Am 12.01.2012 gaben die Sozial- und Schulbehörde bekannt, dass sie sich mit den Kita-Dachverbänden auf einen Landesrahmenvertrag GBS geeinigt hätten vorbehaltlich der Zustimmung der Verbandsgremien. Da damit für GBS-Vorschulkinder Fakten veröffentlicht wurden, die so vorher nicht bekannt waren….und die Anmeldefristen für die Vorschulen schon abgelaufen sind, fordern wir die Behörden auf, den Eltern öffentlich ein Rücktrittsrecht von ihrer Vorschul-Anmeldung zuzusichern. Mit dem neu gestarteten Programm „Das Kita-Brückenjahr – garantiert gut vorbereitet in die erste Klasse!“ werden sicher noch mehr Kitas Eltern mit ihrem Konzept überzeugen können. Ebenso muss die Anmeldefrist für Erstklässer verlängert werden, damit Eltern überhaupt eine Chance haben, sich ein Bild von der Betreuungssituation in den Schulen zu machen. Zur Erinnerung: den Bescheid, ob die Schulen GBS einführen dürfen, erhalten sie erst am 16.01.2012 – das ist der Beginn der Anmelderunde für die Erstklässler!“