Anhörung zum Schulentwicklungsplan: viele Zubauwünsche von Eltern und Schulen, aber keine Zusagen von Schulsenator Rabe – UND: Aufruhr bei Grundschulleitern wegen Ganztags – Mittagessen

19 Jan

So trocken er auch klingt, er löst bei vielen Eltern Sorgen aus: Der Schulentwicklungsplan (SEPL): In ihm wird festgelegt, wie sich die allgemeinen Schulen Hamburgs in den nächsten 5 Jahren entwickeln werden, wo aus- und zugebaut wird, wo Standorte neu aufgebaut oder geschlossen werden. Was die Eltern bei der Anhörung im vollbesetzten Kaisersaal des Rathauses klarmachten: Viele Schulen in Hamburg haben zuwenig Platz. Es werden mehr Räume und Schulbauten gebraucht: für mehr Schüler, für die neuen Stadtteilschulen, aber auch für Gymnasien und besonders für die Nachmittagsbetreuung  an den Grundschulen, so die Forderungen der Eltern.  Doch Zusagen für neue Baumaßnahmen, zusätzlich zum SEPL, wollte Schulsenator Rabe bei der Anhörung nicht machen: „Die Mittel im Schulbau reichen eben nicht,“ erklärte er.

Noch ist der Schulentwicklungsplan ein Entwurf, erst in zwei Wochen soll er verabschiedet werden. Eltern von Grund-, Stadtteilschulen und Gymnasien aus ganz Hamburg nutzten daher die Gelegenheit, bei der öffentlichen Anhörung des Schulausschusses der Bürgerschaft Änderungen bei den baulichen Plänen für Hamburgs Schulen zu fordern. 

Aktuelles Thema gleich zu Beginn: Der Aus- und Zubaubedarf der Grundschulen. Denn zum einen steigen deren Schülerzahlen, zum andern wird zusätzlicher Platz für die geplante Umwandlung der Grundschulen in Ganztagsschulen mit ganztägiger Bildung und Betreuung (GBS) gebraucht.  „Wir haben 10 Klassen und 11 Räume, das ist schon jetzt viel zuwenig, wo sollen denn nach der Einführung der Ganztagsschule die Kinder essen?“ fragte ein Vater der Schule Sachsenweg in Niendorf. (Siehe dazu unten: Sondermeldung) Benötigt würde Platz für Kantine und zusätzliche Räume für das geplante Kurssystem. Ausbaubedarf meldeten auch die Eltern der Grundschule Rellinger Straße an. Die nötigen Zubauten für den Ganztag seien nicht gegeben, erklärte eine Elternsprecherin der Schule, die zu den Versuchsschulen mit sechsjähriger Primarschule zählt.  Die Schule müsse außerdem bei den Anmeldungen viele Kinder aus Platzmangel abweisen, es gebe schon 4 Container, aber “ es sei unwürdig, Kinder 10 Jahre in Container einzusperren“. 

Die Horte würden jetzt abgeschafft, aber den geplanten Ganztagschulen mangele es an „Ansprechpartnern von oben“ und an Informationen über die geplante Ausstattung für GTS und GBS , erklärte ein Vater.  Die Frage, welche Räume, Kantinen und Ausstattung die künftigen Ganztags- und GBS Schulen zu welchem Zeitpunkt erhalten,  müsse vor dem Schluss der Grundschul – Anmeldefristen in zwei Wochen  geklärt werden, so eine Elternforderung, andernfalls müsse es für die Grundschulen die Möglichkeit geben, ihre Anträge auf Umwandlung in GTS oder GBS  zu stornieren und zurückzuziehen.

Schulsenator Rabe, der die Forderungen der Eltern gleich nach der Anhörung beantwortete, hielt dagegen:  Die Schulleitungen seien nach seiner Einschätzung gut informiert, es sei „perspektivisch“ klar, dass es an jeder Schule Kantinen geben solle, er gehe davon aus, dass zum Schuljahrsbeginn in 40 bis 50 Standorten zusätzliche Kantinen eingebaut würden. Ein Zugeständnis machte er dann aber doch, nämlich als die Abgeordnete der GAL, Stefanie von Berg, in die Diskussion eingriff und noch einmal auf die vielen Anmeldungen für die Schule Rellinger Straße hinwies. „Diesen besonderen Fall können wir uns noch einmal anschauen“, erklärte Ties Rabe daraufhin.

Ein weiteres Thema der Elternforderungen war der Ausbau der Stadtteilschulen. Die Beispiele: Der Kreis Nord und Steilshoop. „Die Stadtteilschulen im Schulkreis Nord laufen über“, erklärte ein Vater von der Albert Schweizer Schule.  Der „weiße“ Fleck bei den Stadtteilschulen der Region müsse gefüllt werden, sagte er und bat unter anderem, die Stadtteilschule Langenhorn wieder aufleben zu lassen, um für die Schüler kürzere Wege in der Region Nord zu schaffen. Dem schlossen sich weitere Eltern an. Eine Mutter der Schule am See in Steilshoop forderte eindeutige Zusagen für den Ausbau ihrer Schule und erklärte, Steilshoop müsse eine Stadtteilschule behalten.

Die Situation in Langenhorn sei schwierig, sagte Schulsenator Rabe, alles müsse sorgfältig geprüft werden. Für Steilshoop erklärte er: „ja, ich will eine Stadtteilschule, lass uns prüfen, wo es am besten ist“.  Es seien mehrere Lösungen für einen Ausbau der Schule am See möglich, eine Machbarkeitstudie zu dem Thema werde bis März fertig sein.

Eltern der Stadtteilschule Goosacker beklagten, ihre Schule solle umziehen, es sei aber vollkommen unklar, wann. “ Wir warten auf eine terminliche Entscheidung“. Ein Vertreter des Gymnasiums Rissen kritisierte schließlich die umstrittene Entscheidung,  einen zweiten Standort der Stadtteilschule Blankenese am Standort seines Gymnasiums auszubauen, „Wir verstehen nicht, warum bei uns“ Das Gymnasium Rissen sei eine attraktive Schule, deren Eigenständigkeit erhalten bleiben sollte, sagte er und bedauerte, dass der Senat auf Briefe der Elternschaft nicht geantwortet habe und dass der Senator trotz mehrfacher Einladungen der Schule nicht gekommen sei.

Die Entscheidung, die Stadtteilschule Blankenese an den Standort des Gymnasiums zu legen, sei Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, erklärte Schulsenator Rabe. Die Grundschule Iserbarg sei nicht als Standort in Frage gekommen, weil sie voraussichtlich um einen Zug größer werde. Die  Stadtteilschule solle in Rissen langfristig ein eigener Standort werden, beide Schulen sollten aber eigenständige Schulen bleiben. 

Raumbedarf meldeten auch Eltern des Emilie Wüstenfeld Gymnasiums an. Die Schule platze aus allen Nähten, es werde schon in der Hausmeisterwohung unterrichtet. Auch in Altona gebe es  Zubaubedarf bei Gymnasien und Stadtteilschulen, so die Forderung bei dieser Anhörung.

Schließlich ging es auch um das Thema Inklusion.  Die allgemeinen Schulen müßten den besonderen Bedürfnissen von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf entsprechen, auch in Hinblick auf Ruhe, Beleuchtung, Ausstattung von Räumen, erklärte eine Sprachheilpädagogin einer Grundschule. Außerdem würden viele Räume für die Förderung benötigt. Die besondere Anforderungen gelten auch für die Ausbau der Ganztags-, bzw. GBS – Schulen. Dafür werde aber mehr Ruhe und Zeit für Planung gebraucht, als bisher vorgesehen. 

Doch auch in diesem Punkt wollte Senator Rabe keine neuen Zusagen machen. Die Bürgerschaft habe das Schulgesetz beschlossen, Inklusion und Wahlrecht der Eltern ließen sich nicht entschleunigen. Es gebe aber Spielräume für Differenzierung,  pro Klasse seien 72 Qnadratmeter Fläche vorgesehen, damit sei die  Inklusion abgedeckt. Im Übrigen seien die Stadtteilschulen auch wegen der Inklusion besser mit Räumen ausgestattet.

So hanseatisch ruhig und sachlich die Eltern ihre Forderungen vortrugen – die Frage von Schulstandorten und Raumnot an Schulen löst bei vielen Eltern sichtlich Sorgen und Ärger aus. Wieviel Sprengkraft das haben kann, zeigte sich im Fall der Grundschule Uhlenhorst.  Ein halbes Dutzend Eltern trat ans Mikrophon – nicht um ihren Ärger über den Senator Luft zu machen – vielmehr ist an der Schule heftiger Streit zwischen den Eltern entbrannt. Es geht um die Frage, ob die Schule ihren zweiten Standort in der Humboldstraße zugunsten einer Stadtteilschule aufgeben soll, die dort einziehen soll. Nacheinander gaben die Eltern in der Anhörung Erklärungen ab, in denen sie sich gegenseitig Vorwürfe machten. Während die Einen den Einzug der Stadtteilschule am zweiten Standort Humboldschule befürworten, forderten die anderen, den zweiten Standort ín der Humboldstraße für die Grundschule zu erhalten. Ersteres hatte man offenbar im Frühjahr letzen Jahren mehrheitlich so entschieden. Letzteres sei dann aber bei der letzten Abstimmung von der Mehrheit der Elternvertreter beschlossen worden. Schließlich hatten alle Uhlenhorster Eltern ihre Meinung geäußert, die Diskussion brach ab.

Rund zwei Stunden später, vier Stunden nach Beginn der Anhörung, hatte ein Großteil der Eltern die Anhörung verlassen. 

Noch hat Schulsenator Rabe Zeit, einige Änderungen an seinem Schulentwicklungsplan vorzunehmen – bis zum 1. Februar. Dann wird der SEPL von der Deputation der Schulbehörde verabschiedet. 

SPD Ganztagsreform:

Aufruhr bei den Schulleitern: Schulen sollen künftig das Mittagessen für GBS Ganztagsbetrieb organisieren

Bei einem Treffen haben gestern Hamburgs Grundschulleiter von Schulsenator Ties Rabe erfahren, dass künftig die Schulen und nicht die Hortträger die Verantwortung für das Mittagessen an den GBS Ganztagsschulen haben sollen. Die Schulen müssen demnach selber den Caterer organisieren und sind auch zuständig für Anlieferung  und Aufwärmen des Mittagessens, sowie für die Abrechnungen. Die Hortträger, die für die Nachmittagsbetreuung zuständig  sind,  sollen das Essen verteilen und überwachen. 

Diese vollig unerwartete Nachricht hat, wie berichtet wurde,  bei den Schulleitern offensichtlich für erheblichen Aufruhr gesorgt.  Neben den 21 GBS Pilot und Modellschulen, die schon seit 2010, bzw. 2011 Ganztägige Bildung und Betreuung , GBS, praktizieren, haben sich 36 neue Grundschulen für die Umwandlung in GBS Ganztagsschulen angemeldet.  Einige Schulleiter sollen nun überlegen, ihre Anmeldung zu GBS zurückzuziehen,  das berichtet unter anderem die WELT von heute. Die Regelung ist demnach ein Entgegenkommen gegenüber den Trägern und Ergebnis der  Verhandlungen über den Landesrahmenvertrag zwischen Trägern, Verbänden und Behörden . http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article13822596/Streit-ueber-Mittagstisch-bei-Ganztagsbetreuung.html

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3 Antworten to “Anhörung zum Schulentwicklungsplan: viele Zubauwünsche von Eltern und Schulen, aber keine Zusagen von Schulsenator Rabe – UND: Aufruhr bei Grundschulleitern wegen Ganztags – Mittagessen”

  1. Sven Garber Januar 19, 2012 um 9:16 am #

    Bin ich froh, dass ich dieses Jahr mein Kind noch nicht an einer Schule anmelden muss. Wenn nun einige wieder einen Rüpckzug von GBS machen – was ich mehr als verstehen kann – und man als Eltern aber auf die Betreung gesetzt hat, müsste man ja versuchen, sein Kind nun doch noch woanders unterzubringen. an sich sollten eltern auch von den Schulanmeldungen ein Rücktrittsrecht haben. Man sieht einmal mehr: Absolute Mehrheiten sind schädlich, kein Koalitionspartner kann korrigierend eingreifen (wobei die GAL das wohl auch nicht getan hätte…)

  2. kirschsblog Januar 19, 2012 um 10:34 am #

    vielen Dank! Ja, ein Rücktrittsrecht von Anmeldungen der Eltern und auch der GTS/GBS Schulen – diese Forderung von Schulleitern und Eltern ist völlig berechtigt: zurecht fordern Eltern und Schulen Klarheit und Verbindlichkeit darüber, welche GTS/GBS – Form eine Grundschule künftig haben wird, wann, mit welcher Ausstattung an Räumen und Personal und zu welchem Preis. Dazu gehört auch die Forderung nach einer echten Alternative, ZB. der bisherigen Schule und HortKomibnation.

  3. Betsi Januar 19, 2012 um 6:16 pm #

    … Oha, das scheint mir eine interessante neue Entwicklung zu werden. Müssen dann auch die Gymnasien (schon wegen des Gleichbehandlungsgrundsatzes ;.)) weiterhin ohne finanzielle und personelle Unterstützung der Behörde den Mittagstisch organisieren? Man hörte doch aus des Senators Mund vor gar nicht langer Zeit, dass hier eine flächendeckende Lösung gefunden werden sollte? Leere Versprechungen vor leeren Kassen! Und wer macht dann die Ausgabe des Essens und die „Überwachung“ der Esser am G8? Vielleicht die Honorarlehrer, die den Nachmittag mit Nachhilfe füllen sollen??? Aber wer wäscht dann am Ende alles ab und räumt weg? Ach, ich weiß schon: das machen dann wir Eltern und Großeltern, die wir abends umschichtig die verschiedenen Elternabende, Infoveranstaltungen und Schulkonzerte oder Theateraufführungen unserer Kinder besuchen, oder einfach nur an die Schule kommen, um unseren Nachwuchs nach einem langen Tag mit dem Auto abzuholen, damit er nicht noch eine Stunde oder länger Busfahren muss. So wirds kommen. Das bißchen Abwasch macht sich von allein … mit uns Eltern!

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