Archive | August, 2011

Ganztagsschule: Was hat Senator Rabe selbst gesagt?

28 Aug
Senator Rabe selbst hat die Umwandlung der Hamburger Schulen in gebundene Ganztagsschule ganz offen als sein schulpolitisches Nahziel benannt, und auch gleich das Motto verraten, wie dies zu finanzieren sei: Hier zunächst ein Bericht von einer Podiumsdiskussion des Julius Leber Forums der Friedrich Ebert Stiftung am 30. Juni mit dem neuen Schulsenator Rabe:
                                                                                                                   „Ties Rabe will die Ganztagsschule für alle Schüler, und zwar möglichst schnell in der gebundenen Form!
                                                                                                                                                                  1. Das gab er gestern bei einer Veranstaltung der Julius Leber Forums vor ca. 150 Zuhörern öffentlich bekannt:
Er habe die Vorstellung, mit „offenen Modellen“ der GTS anzufangen, „ich erwarte, dass sie sich in großer Schnelligkeit in die gebundene Form entwickelt“, wenn die offene Form jetzt überall eingeführt wird“, fuhr er fort.  „Ich bin der festen Überzeugung, das wird kommen“.
Dabei komme es ihm nicht auf die Qualität von Ganztagsschule an: „Beides kriegen wir nicht hin, Qantität oder Qualität“ erklärte er. Er „sage ganz ehrlich, wie ich mich entscheide… für Loslaufen“. Rabe begründete seine Entscheidung für Quantität statt Qualität:
Der Ausbau qualitätiv guter Ganztagsschulen dauere ihm zu lange, das würde 20 Jahre dauern, er habe sich deshalb für Quantität entschieden, also ganz schnell Ganztagsschule für alle einzuführen. Zur Begründung sagte er weiter, es sei unklar, wie man das Geld für den Bau der Kantinen und Gebäude beschaffen könne. Zur Nachmittagsbetreuung wurde dann auf dem Podium im Gespräch mit der Leiterin der STS Harburg Pfeiffer, dem Schulleiter des Gymn. Groothmoor, Henke und T. Rabe auf den Einsatz von Honorarkräften verwiesen.
In Hinblick auf die GTS an Grundschulen sagte Rabe, das sei „brisanter“. In der Frage der Zusammenarbeit mit Horten sei man im Gespräch, das werde sich in den nächsten drei Wochen klären.“
                                                                                                                                                        2. Schulbrief von Senator Rabe vom 25.8.:
„Die Schule der Zukunft – mehr Ganztagsschulen Ganztagsschulen erhöhen die Bildungschancen der Kinder und ermöglichen es den Eltern, Familie und Beruf zu verbinden. Neue Ganztagsschulen sind deshalb ein Schwerpunkt der künftigen Senatspolitik. Zum Schuljahr 2011/2012 habe ich bereits weitere 22 Grundschulen und weitere sechs Stadtteilschulen zu Ganztagsschulen umgewandelt. Damit verfügt Hamburg nunmehr über insgesamt 192 Ganztagsschulen. In den nächsten Jahren sollen alle Stadtteilschulen und der Großteil der Grundschulen zu Ganztagsschulen weiterentwickelt werden.“ s. Anhang.
ähnlich auch die BSB: “ Senator Rabe will deshalb in den nächsten drei Jahren alle 54 Stadtteilschulen zu Ganztagsschulen entwickeln und auch den Grundschulen neue Perspektiven eröffnen. s. Anhang
                                                                                                                                                                  3. Schulausschuss der Bürgerschaft, 21. 6.:
Seit 7 Jahren sind alle 67 Hamburger Gymnasien Ganztagsschule. „Viele Eltern merken es gar nicht so recht, dass sie Gantagsschule sind“, spöttelte Rabe lustig. Er erklärte dann noch einmal, dass nun auch alle Stadtteilschulen Ganztagsschule werden sollen. Gefragt, welche Form von Ganztagsschule das denn sein solle, erklärte er, unter aufgeregten beifälligen Nicken von Linke, und Grünen, aus seiner Sicht sei die „gebundene GTS das pädagogisch beste Modell“. Man müsse aber aus Erfahrungen mit Eltern lernen, und eine weiche Form des Übergangs finden, also erst einmal eine offene GTS. Für die Frage, ob Schulen gebundene GTS werden wollten, erklärte er, „der Schulkonferenzbeschluss ist entscheidend für uns“.
                                                                                                                                                                        Von Freiwilligkeit ist in den Briefen von Senator und BSB gar nicht mehr die Rede. 
Was „Freiwilligkeit“ im Übrigen konkret heißt, haben wir als Eltern an einem Hamburger Gymnasiums erfahren, als vor 7 Jahren die weniger als 20 Personen umfassende „Schulkonferenz“ beschloss, die Schule mit 1100 Schülern in eine GTS umzuwandeln. Die Elternschaft war nicht informiert, eine spätere Umfrage wurde „kritischen Eltern“ verboten. Das war der Startschuss für viele Eltern, sich gegen eine chaotische Schulpolitik in Hamburg zu engagieren, die Kinder mit zunehmendem Druck und Beschleunigungswahn belastet, Eltern wie Familien bevormundet, und die pädagogische Arbeit der Schulen durch Hektik und Dauerreformen beeinträchtigt.

Sollen in zwei Jahren alle Hamburger Schulen bis 16 Uhr dauern?

27 Aug
Wie ich gerade eben vom Jugendmusikschul – Lehrer meines Sohnes höre, sollen in 2 Jahren alle Schulen Hamburgs  bis 16 Uhr dauern, auch Grundschulen ab der 1. Klasse. Dies werde jetzt für den Schuljahresbeginn in zwei Jahren von Regierung/Behörde geplant, sagte er. Darauf stellen sich, so erklärter er, die Musiklehrer der Jugendmusikschule nach internen Informationen aus der Leitungsebene der Jugendmusikschule jetzt fest ein.
Ein „Supergau für meinen Bereich„, sagte der Lehrer. Das Zeitfenster für seinen Musikunterricht werde dann nur noch 2 Stunden am Tag betragen, nämlich die Zeit direkt nach der Schule. Allerdings mit Einschränkung, die Schüler „sind dann kaputt“, „das erleben wir“, aber nach dem langen Schultag später noch einmal von zu Hause zum Musikunterricht zu gehen, werde noch schwerer fallen und erfahrungsgemäß unwahrscheinlich.
„Für den Musikunterricht ist das verheerend“, erklärte er.
Hinzu komme, dass die älteren Schüler, gerade dann, wenn es früher ernst wurde, weil die Pubertät überwunden war, jetzt nach der 12. Klasse mit dem Unterricht aufhören und weggehen. So hat sich gerade die Band meines Sohnes mit älteren Jungen um 17/18 Jahre unerwartet mit einem Schlag aufgelöst, da alle Bandmitglieder nach Kalifornien, Australien oder Ähnl.weggehen.
Das Bandtraining der Jugendmusikschule hatte meinen Sohn besonders begeistert. In einer Doppelstunde habe er dort soviel gelernt, wie in einem halben Jahr im Wahlfpflichtfach „Bandtraining“in der Schuler, erklärte er in seinem Klartext -Jungsdeutsch. Der Grund: In der Schule haben Schüler mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen diesen Kurs gewählt, von drei Monaten Gitarrenunterricht bis 9 Jahren Schlagzeug –  total langweilig für Letzteren.
Verheerend dürfte das aber nicht nur für den Musikunterricht werden………
Nach bisherigen Erfahrungen von Eltern, Lehrern und Schülern mit Senat und Behörde spricht alles dafür, dass dieser Musiklehrer mit seiner Ankündigung Recht behält. Das Vorgehen entspricht exakt der Handstreichartigen Einführung von G8 und Ganztagsschule an Hamburger Gymnasien in nur wenigen Wochen durch Behörde und Senat vor 8 Jahren. Die Eltern der betroffenen Schüler und Schulen wurden dabei nicht  befragt, eine von besorgten Eltern entworfene Umfrage wurde sogar vom Elternrat einer Schule (damals komplett G9!!) und Schulleitung ausdrücklich verboten!!!!