Raumnot an Ganztagsschulen: Baumaßnahmen und Schulentwicklungsplan heute Thema der Anhörung im Schulausschuss

16 Jan

Manche Hamburger Eltern, die in diesen Zeiten neuer schulischer   Reformwirren verreisen, atmen hinter den Landesgrenzen der Hansestadt befreit auf. In anderen Bundesländern herrscht, so scheint es jedenfalls, derzeit einfach mehr schulpolitische Gelassenheit, ja sogar mehr schulpolitische Vernunft: In Bremen haben die Grünen gerade die auch dort geplante Ganztags-Schulreform gestoppt, um sie mit mehr Zeit sorgfältiger und besser planen zu können. Und in Hessen löst ein Gespräch mit der Lehrerin einer künftigen Ganztags-Grundschule bei  Hamburger Eltern Staunen und Neid aus. Grund: Die räumliche Ausstattung der hessischen Ganztags-Grundschule. Um die räumliche Ausstattung der Ganztags-Grundschulen wird es heute auch bei der Anhörung des Schulausschusses der Hamburger Bürgerschaft   zum Thema Schulentwicklungsplan gehen.  Hamburgs Eltern haben dabei die Gelegenheit, sich zu den geplanten Ausbauten für ihre Grundschulen zu äußern und ihre Forderungen zu stellen. 

Ihre Grundschule, so berichtet die hessische Lehrerin, wird seit zwei Jahren zu einer offenen Ganztagsschule umgebaut, 2013/4 soll sie fertig sein. Was die Hamburger Eltern staunen läßt:  Jede Klasse der Schule erhält einen eigenen Differenzierungsraum, der mit Fenstern und einer Tür mit dem Klassenraum verbunden ist. Darin stehen PCs, Schränke mit Spielzeug und Lehrmaterial, dort können kleine Gruppen ungestört arbeiten. Auch in Hessen, so berichtet die Lehrerin, reichen die Ressourcen nicht für Zweitlehrer für alle Klassen: Die Türen zwischen Klassenzimmern und Differenzierungsräumen bleiben offen, aber es gibt mehr Platz und Ruhe für die Arbeit mit verschiedenen Gruppen. Dazu bekommen die ersten zwei Klassen auch Unterstützung von einem Sozialpädagogen. 

Neben dem eigentlichen Unterrichtsflügel wird diese Ganztags-Grundschule außerdem ein Betreuungszentrum haben, in dem es viele kleinere Gruppenräume für  unterschiedliche Betreuungsangebote geben wird. Der Betreuungsbedarf wurde vor Baubeginn durch eine detaillierte Elternbefragung ermittelt . Es wird im Betreuungszentrum einen Hort geben, für Kinder von Eltern mit fünftägigem Betreuungsbedarf, für die anderen Kinder ist ein offenes Betreuungsangebot mit flexiblen Abholzeiten geplant.

Soweit die Pläne dieser Schule. Sie ist Teil eines Ganztags-Ausbau-Programms in Hessen. Es wurde vor 7 Jahren unter dem Namen  „Ganztagsschule nach Maß“ begonnen. Das Besondere: Der Ausbau der Ganztagsschulen in Hessen erfolgt schrittweise, nicht wie in Hamburg auf einen Schlag. Ausgehend von den regionalen Wünschen und Bedürfnissen können die Schulen in Hessen Anträge auf Umwandlung in GTS stellen. Und anders in Hamburg müssen sie klare Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählt auch die räumliche Ausstattung.

Als Grundlage für die Anhörung im Schulausschuss und für die Forderungen der Eltern im Zusammenhang mit dem räumlichen Ausbau der Ganztagsschulen in Hamburg folgen hier die räumlichen Voraussetzungen für Ganztagsschulen, wie sie laut der „Richtlinie für ganztägig arbeitende Schulen in Hessen nach § 15 Hessisches Schulgesetz“ gelten:

Erlass vom 1. November 2011, Gült. Verz. Nr. 721 „:

„2.1.2

Der Schulträger stellt die räumlichen und sachlichen Voraussetzungen für das ganztägige Angebot sicher und unterstützt die Schulen nach seinen Möglichkeiten bei der Einrichtung von Lehrerarbeitsplätzen im Sinne flexibler Lösungen. Dabei soll für den Ganztagsbereich die nach stehen de Mindestausstattung an Räumlichkeiten zur Verfügung stehen bzw. ein entsprechendes verbindliches Planungskonzept vorliegen:

 • ein Speiseraum mit zugehöriger Vorbereitungsküche gemäß dem Versorgungskonzept der Schule;

 • eine Cafeteria (Begegnungsbereich), ggf. in Kombination mit dem Speiseraum;

 • ein Freizeitbereich (Tischspiele, Bewegungsspiele und  Sportmöglichkeiten);

 • eine Schulbibliothek oder eine Stadtteilbibliothek mit  ausreichendem medialen Angebot;

 • Räume für Hausaufgabenhilfe, Arbeitsgruppen sowie für Stillarbeits- und Ruhephasen;

 • Planungen für die Mehrfachnutzung von Klassenräumen;“

 Quelle:

http://www.hessen.ganztaegig-lernen.de/sites/default/files/2011 _HKM_Broschuere_Ganztaegig_arbeitende_Schulen.pdf

Der Termin der Anhörung des Schulausschusses der Bürgerschaft zum Thema „Schulentwicklungsplan“:

Dienstag, 17. Januar 2012,

um 17 Uhr

im Rathaus (Kaisersaal).

 

Wie außerdem am Wochenende durch Presseberichte bekannt wurde, sollen Hamburger Eltern künftig für die  Nachmittagsbetreuung von Vorschulkindern an Ganztags-Grundschulen zahlen. Die Eltern erfuhren dies erst am Freitag aus der Presse, an dem Tag, als die Anmelderfristen für die Vorschulklassen abliefen. Der Landeselternausschuss Kindertagesbetreuung LEA hat deshalb ein Rücktrittsrecht von Vorschulanmeldungen gefordert, sowie eine Fristenverlängerung für weitere Anmeldungen.

Hier ein Auszug aus der Pressemitteilung des LEA:

Hamburg, den 14.01.2012

„LEA Hamburg fordert Rücktrittsrecht von Vorschulanmeldungen und Fristenverlängerung für weitere Anmeldungen“

 

„Am 12.01.2012 gaben die Sozial- und Schulbehörde bekannt, dass sie sich mit den Kita-Dachverbänden auf einen Landesrahmenvertrag GBS geeinigt hätten vorbehaltlich der Zustimmung der Verbandsgremien. Da damit für GBS-Vorschulkinder Fakten veröffentlicht wurden, die so vorher nicht bekannt waren….und die Anmeldefristen für die Vorschulen schon abgelaufen sind, fordern wir die Behörden auf, den Eltern öffentlich ein Rücktrittsrecht von ihrer Vorschul-Anmeldung zuzusichern. Mit dem neu gestarteten Programm „Das Kita-Brückenjahr – garantiert gut vorbereitet in die erste Klasse!“ werden sicher noch mehr Kitas Eltern mit ihrem Konzept überzeugen können. Ebenso muss die Anmeldefrist für Erstklässer verlängert werden, damit Eltern überhaupt eine Chance haben, sich ein Bild von der Betreuungssituation in den Schulen zu machen. Zur Erinnerung: den Bescheid, ob die Schulen GBS einführen dürfen, erhalten sie erst am 16.01.2012 – das ist der Beginn der Anmelderunde für die Erstklässler!“

 

 

 

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