Geburtstagsgeschenk für Hamburgs Schulsenator

14 Nov
Kommentar zum Portrait des Hamburger Schulsenators, Ties Rabe, SPD, im Hamburg Teil der  ZEIT , Titel: „Ties Rabe – Graf Zahl“, 13. 11. 14

 

Die ZEIT hat Mitleid!!! Nicht mit den Eltern eines Asberger Kindes, die bei einer Anhörung im Schulausschuss der Hamburger Bürgerschaft schildern, wie sie seit langem vergeblich für eine bessere Förderung ihres Kindes kämpfen! Auch nicht mit anderen Kindern, die nach den Regeln des Inklusionskonzeptes von Ties Rabe jetzt 70 Prozent weniger Förderung erhalten, als im früheren Intergrationsmodell in Hamburg. Auch nicht mit überforderten Lehrern oder mit Kindern in Klassenraum-Ganztagsbetreuung im neuen staatlich-schulischen Betreuungsmonopol, das Ties Rabe so schnell durchgesetzt hat. Und schon ganz und gar nicht mit Kindern in Hamburgs G8-Gymnasien!!!

Nein, die ZEIT hat Mitleid mit Hamburgs Schulsenator Rabe!!! Denn dieser hat, so ist in der ZEIT zu lesen: „meistens Recht“ . Leider wollen Hamburgs Eltern das nur partout nicht anerkennen. Dabei hat der Schulsenator – so die Zeit – Hamburgs Schulen und Leistungen so „transparent“ gemacht wie „nirgends sonst“. Die ZEIT erklärt auch, wie der SPD Senator das aus ihrer Sicht geschafft hat: „Weil die Leistung der Schüler regelmäßig standardisiert getestet wird“. Da können Wissenschaftler der Gesellschaft für Bildung und Wissen in der Ferne noch so sehr an Ties Rabes „transparenten Ergebnissen“ und überhaupt am Standardisierungs-Wesen zweifeln. Die ZEIT hat Mitleid mit Ties Rabe, denn sie weiss ja, Ties Rabe hat „meistens Recht“ !!!

Immerhin, das müssen nun auch Hamburger Eltern anerkennen: Einen Erfolg kann Ties Rabe wirklich verbuchen: Die ZEIT hat dem Schulsenator mit diesen Beitrag ein schönes Geburtstagsgeschenk gemacht.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag auch von hier aus, Schulsenator Ties Rabe!

http://www.zeit.de/…/47/ties-rabe-schulsena…/komplettansicht

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Eine Antwort to “Geburtstagsgeschenk für Hamburgs Schulsenator”

  1. Oliver Hollenstein November 19, 2014 um 9:40 pm #

    Liebe Frau Kirsch,

    nein, die Zeit hat kein Mitleid, zu so viel Emotion ist so eine Institution gar nicht imstande. Aber ich habe Mitleid. Mitleid mit der Familie R. und ihrem Sohn Sebastian, bei der ich diese Woche drei Stunden auf dem Sofa saß; Mitleid mit den Kindern, die keine angemessene Ganztagsbetreuung haben, worüber ich auch schon geschrieben habe; Mitleid mit den Eltern, Lehrern und Kindern an den Schulen, wo Inklusion nicht funktioniert – übrigens gerade da, wo es früher nicht die tollen Integrations-Mittel gab, die sie erwähnen; und Mitleid mit Eltern, deren Kinder auf dem G8-Gymnasium leiden, die aber – aus welchen Gründen auch immer – ihre Kinder nicht auf eine Stadtteilschule schicken.

    Nur weil ich Mitleid mit diesen Menschen habe, heißt das aber nicht, dass ich in einem Porträt nicht auch dem Schulsenator eine menschliche Seite zugestehe – das ist der Sinn eines Porträts: den Menschen (wenigstens ein bisschen) zu verstehen. Ties Rabe ist nicht nur der „böse“ Senator, sondern hat auch sympathische Seiten – beides habe ich im Text dargestellt, wie ich das bei Ihnen damals auch gemacht habe.

    Zudem noch kurz zu den Fakten:

    1) Es sind nicht „die Eltern“, die das Schulsystem blöd finden, es sind einige Eltern. Ich rede sehr viel mit Eltern – momentan kann ich die ganz große Unzufriedenheit nicht erkennen (und ich möchte jetzt nicht gescheiterte Volksbegehren als Beleg anführen). Ich bin mir auch nicht so sicher, ob sie wirklich für eine Mehrheit sprechen. Der Beleg steht noch aus. Aber es reicht ja auch, wenn Sie für einen Teil der Eltern sprechen – aber Demokratie heißt halt, Mehrheiten zu akzeptieren.

    2) Die Kausalitäten, die Sie behaupten, stehen so nicht im Text. Rabe hat meistens Recht, weil er einen riesigen Behördenapparat hat, der ihm Zahlen und Infos ohne Ende liefern kann. Und weil er clever argumentiert. Mit den Kermit-Tests hat das nichts zu tun.

    3) Die Leistung der Schüler ist dank der Kermit-Tests in der Tat so transparent wie nie, es lässt sich feststellen, wie gut Klassen Lesen, Schreiben und Rechnen können, und wie viel sie im Vergleich gelernt haben. In Ehren, dass sie immer wieder auf das Institut von Professor Klein verweisen, der in seinen Aufsätzen aus Wikipedia zitiert und von 95 Prozent der Bildungswissenschaftler nur belächelt wird. Aber Klein ist ein gutes Beispiel: Er hat sich mit seinen ursprünglich klugen Gedanken verrannt und schmeißt mit Polemik und wildesten Logiksprüngen um sich – deswegen wird er nicht mehr ernst genommen. Schade. Denn natürlich muss man drauf aufpassen, dass die Schüler vor lauter Testerei auch noch was lernen (was sie nach meinen Beobachtungen übrigens tun). Die krampfhafte Unterscheidung von Wissen und Kompetenzen ist ohnehin eher akademisch und im Schulalltag unbedeutend – diese Debatte müsste mal konkreter werden, sich nicht nur an Buzzwords abarbeiten. Keine Windmühlen-Kämpfe!

    Kurzum: Ich würde Sie bitten, die Welt und vor allem mich (!) nicht immer so schwarz und weiß zu sehen. Es gibt Zwischenstufen. Man kann jemanden respektieren und ihn sogar in Teilen sympathisch finden – auch wenn man nicht in allen Belangen einer Meinung ist. So geht mir das mit Herrn Rabe, und übrigens auch mit Ihnen.

    Herzliche Grüße,
    Ihr
    Oliver Hollenstein

    PS: Es gibt übrigens eine Menge Leute, die dieses „Geburtstagsgeschenk“ als ganz schön böse ansehen. Das Feedback ist – wie bei dem Porträt über Sie damals – fast hälftig: zu positiv, bzw. zu negativ.

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