Zwischenmeldung: Glücksfall für den Geschichtsunterricht – Tonaufnahme mit Otto von Bismarcks Stimme in New York entdeckt

1 Feb

Eltern erleben in diesen Wochen Freud und Leid des Geschichtsunterrichts. Freude, weil ihre Kinder immerhin etwas über ihre Wurzeln erfahren, Leid, weil es so mühsam ist. Thema der neunten Klassen war zuletzt das neunzehnte Jahrhundert, speziell Otto von Bismarck. Für viele Schüler ist das ziemliche Quälerei, denn beim Lernen für dieses Thema waren sie bisher aufs Lesen angewiesen und mußten sich durch Schulbücher und viele Geschichtsseiten im Internet arbeiten. Nun wird Reichskanzler Otto von Bismarck durch eine überraschende Entdeckung plötzlich ganz lebendig. Zum ersten Mal nach dem Tod des Reichskanzlers vor 114 Jahren kann man ihn sprechen und singen hören. In der Nähe von New York ist eine 123 Jahre alte Wachswalze mit einer Aufnahme von Otto von Bismarcks Stimme aufgetaucht.

Es war der 7. Oktober 1889, ein knappes halbes Jahr vor seinem Rücktritt als Kanzler, da kam eine Art reisender Handels-Vertreter für Hifigeräte des 19. Jahrhunderts zu Otto von Bismarck nach Friedrichsruh vor den Toren Hamburgs gereist. Theo Wangemann, Repräsentant der Edison-Company, überredete Bismarck zu einer Probe- Tonaufnahme auf der Wachswalze eines Edison Phonographafen. Nach dieser Aufnahme sei viele Jahre gesucht worden, erklärt der Historiker und Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Ulrich Lappenküper. Sie ist nun im Edison Archiv in New Jersey bei New York überraschend entdeckt worden, wie die „New York Times“ am Montag berichtete. Jetzt kann man sie auf der Seite des Edison National Historic Park in West Orange, New Jersey anhören.

Als sensationell bezeichnet Historiker Lappenküper den Inhalt der Aufnahme – keine staatstragende Rede, sondern drei Lieder: Das amerikanische Volkslied „In Good Old Colony Times“, das Studentenlied „Gaudeamus Igitur“, und – das ist für Historiker Lappenküper die “ Sensation in der Sensation“: Kanzler Bismarck stimmt die ersten Zeilen der franzäsischen Nationalhymne „Marseillaise“ an. Dies sei „nicht nach Geschmack der Mehrzahl seiner Verehrer“ gewesen, erklärt Lappenküper und „von der zeitgenössischen deutschen Presse bezeichnenderweise“ verschwiegen worden. http://www.bismarck-stiftung.de/index.php/aktuelles

Neben den Liedern in drei verschiedenen Sprachen zitiert Bismarck auf der Tonaufnahme die ersten Zeilen des Uhland-Gedichts „Als Kaiser Rothbart lobesam“ und schließt auch noch den „Rat eines Vaters an seinen Sohn“, bei Arbeit, Essen und Trinken maßzuhalten. Er hat dabei keineswegs, wie bisher überliefert, eine hohen „Fistelstimme“, sondern eine kräftige Männerstimme. Allerdings muß man schon sehr genau hinhören – zwischen dem Rauchen und  Kratzen der Wachswalze ist er schwer zu verstehen.

Warum der Kanzler die Hymne seines ErzrivalenFrankreichs gesungen hat?“ „Bismarck war ein sehr, sehr geistreicher Mann“, zitiert die „New York Times“ seinen Biografen Jonathan Steinberg. Ausgerechnet die Hymne Frankreichs zu zitieren „muss ihn selbst großartig amüsiert haben“, heißt es dazu in einem Bericht des Focus. http://www.focus.de/kultur/diverses/geschichte-otto-von-bismarck-der-singende-kanzler_aid_709131.html, http://www.nytimes.com/2012/01/31/science/bismarcks-voice-among-restored-edison-recordings.html?_r=1

HIER KANN MAN SICH DIE AUFNAHME ANHÖREN:

http://www.nps.gov/edis/photosmultimedia/audio-wangemann-1889-1890-european-recordings.htm

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