GBS REVISITED: Enttäuscht – empört – verzweifelt – Wieder heftige Elternproteste gegen Ties Rabes Ganztags-Schul-Reform

15 Apr

„Ich bin wütend und verzweifelt und für jede Empfehlung dankbar“,  schreibt Eva Landmann, Mutter einer siebenjährigen Tochter. „Es brennen mir einige Fragen auf der Seele, die mir in der Schule niemand beantworten kann. Die GBS-Hotline war auch in keinster Weise hilfreich. Dort sagte mir die Behördenmitarbeiterin am Telefon, sie sei für GBS nicht geschult und könne mir meine Fragen nicht beantworten.“

Vor einem Jahr, vor der Umwandlung von 50 Hamburger Grundschulen in  Ganztagsschulen mit Ganztägiger Bildung und Betreuung (GBS), gab es bei Eltern heftige Kritik an der Umsetzung und am Tempo der Ganztagsschul-Reform von SPD Schulsenator Ties Rabe. Kirschsblog hatte ausführlich darüber berichtet.  In diesem Sommer sollen 70 weitere Grundschulen zu Ganztagsschulen umgewandelt werden und die Stimmung unter den Eltern hat sich nicht gebessert. Es gibt erneut heftige Kritik. Ties Rabes Ganztags-Grundschul-Reform soll mit den 70 neuen Schulen im August  abgeschlossen sein – fast alle 204 Grundschulen werden dann Ganztagsschulen sein, zumeist in der offenen Form mit GBS. Doch die heftige Kritik der Eltern klingt in diesen Tagen fast genau wie vor eineinhalb Jahren.

Eva Landmann ist alleinerziehende Mutter einer siebenjährigen Tochter in der Grundschule Forsmannstraße. Sie ist voll berufstätig und muß bis 17 Uhr arbeiten. Ihre Tochter,  die bislang nachmittags im Hort ist, muss nun nach Ties Rabes Ganztags-Schulreform zur ganztägigen Betreuung (GBS) wechseln.

Der Grund für Evas Verzweiflung: „Ich habe bislang einen Hort-Gutschein für eine 5-stündige Hortbetreuung bis 18 Uhr und zahle dort 95,00 € monatlich“,  schreibt sie. „Der Online-Gebührenrechner für GBS hat mir nun … ausgerechnet: Wenn ich die Spätbetreuung bis 18 Uhr buche + Mittagsverpflegung + 10 Wochen Ferienbetreuung + Sockelwoche zahle ich jetzt bei GBS  summa summarum 159,38 € monatlich – d. h. unglaubliche 64,38 € mehr als im Moment.“

Erst von Oliver Hilgers, Elternvertreter und Gebührenspezialist im Landeselternausschusses Kindertagesbertreuung  (LEA), bekommt sie eine klare Antwort: Sie muss diese Summe von 64, 38 Euro monatlich 1 Jahr in Vorleistung“ zahlen und kann dann nach der „Keiner zahlt mehr als im Hort“-Regelung per Antrag eine „Rückerstattung“ bekommen. Das Antragsformular existiert noch nicht.

Macht fast 800 Euro im Jahr mehr als im Hort –  zuviel für Eva Landmann: „Ich habe meinen Antrag drastisch reduziert – nämlich statt der Betreuung bis 18 Uhr nur bis 17 Uhr – und statt elf Ferienwochen nur vier … Jetzt kann ich sehen,  wie ich klarkomme (zahle so „nur noch“ 2,50 € mehr als im Moment). Ich kann einfach nicht ein Jahr lang 800 € vorschießen.“

Kein Einzelfall, so die Kritik vieler  Eltern. In einer öffentlichen Fragestunde des Jugendhilfeausschuss im Bezirk Wandsbek in der letzten Woche konfrontierten sie den Vertreter der Schulbehörde, B. Oldenburg, mit Kritik und Fragen.

Keiner zahlt mehr als im Hort?

„Keiner zahlt mehr“ als im Hort, dieses Versprechen von Schulsenator Ties Rabe für die Gebühren der Ganztagsbetreuung in der Schule „stimmt gar nicht“, erklärte Farahnaz Bergmann stellvertretend für viele andere Eltern. Es sei keineswegs selten der Fall, dass Eltern für GBS mehr zahlten als für die Hortbetreuung, das bestätigen auch andere Eltern. Das gelte für alle Stufen der nach Einkommen gestaffelten GBS Gebühren. So werde auch die Gebühr von 207 Euro für Höchstzahler überschritten, die eigentlich als maximale Obergrenze für Höchstzahler festgelegt sei, wenn man alle Ferienzeiten und Mittagessen bucht, erklärte Farahnaz Bergmann. Sie selbst müsse aber alle Ferienzeiten buchen, denn zum Zeitpunkt der Anmeldung für das gesamte nächste Schuljahr (die Frist lief bis zum 30.März)  könne sie in ihrer Arbeit nicht planen, wann sie genau in nächsten Schuljahr in Urlaub gehe. Sie habe für ihre Tochter erst einmal alles gebucht.

„Sollten tatsächlich in wenigen Fällen … höhere Elternbeiträge“ als im Hort anfallen „wird die Schulbehörde die Differenz erstatten“, so hatte dagegen in der letzten Woche Schulsenator Rabe in einer Presseerklärung  nach einem der Treffen des „Runden Tisches“ melden lassen,  an dem Vertreter der Schulbehörde und Senator Ties Rabe mit Vertretern von Elternkammer und Landeselternausschuss (LEA) die Kritik der Eltern vorgetragen hatten. http://www.hamburg.de/bsb/bsb-pressemitteilungen/3922392/2013-04-11-bsb-gnaztagsausbau-schulen.html

Doch die Zusage des Senators, zuviel gezahlte Gebühren zurückzuzahlen, sorgt für Ärger und Verunsicherung bei den Eltern. Viele Eltern wüssten gar nicht, dass es eine Rückerstattung gebe, erklärte auch Anja Quast, Fraktionsvorsitzende der SPD im Bezirk Wandsbek. Eltern müssten viel besser informiert werden. Da fehle ein wichtiger Baustein, die Kommunikation zwischen Eltern, Kitaleitern und Lehrern müsse dringend verbessert werden. Denn „wer es nicht weiß, der wird sich auch nicht melden.“

Rückerstattung von Gebühren

Hinzu kommt, dass die Gebühren erst nach Ablauf des ganzen Schuljahres rückerstattet werden. „Ich finde es nicht gut, wozu soll ich denn erst einmal alles bezahlen? Und an welchem Tag soll ich dann kommen, um es zurück zu bekommen. Welche Unterlagen soll ich mitbringen?“, fragte Farahnaz Bergmann empört.

Vorher zahlen und hinterher zurückzahlen sei nicht „sozial verträglich“, erklärte Claudia Folkers von der CDU Fraktion und bezog sich damit auf Eltern, die wie Eva Landmann diese Summen für die Vorfinanzierung der Gebühren gar nicht aufbringen können. Die Kosten der Ferienbetreuung müssten reduziert werden, die Anträge seien außerdem viel zu kompliziert, kritisierte ein Vertreter eines „Freien Trägers“ der GBS-Nachmittagsbetreuung. In sozialen Brennpunkten, in denen Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen eigentlich auf die Nachmittagsbetreuung angewiesen seien, würden nur 10 bis 12 Prozent der Kinder an der Ferienbetreuung teilnehmen, denn das Ganze sei vielen zu teuer, zu kompliziert und nicht flexibel genug. Viele Familien seien mit dem Prozedere der Anmeldung, den vielen unterschiedlichen Formularen und der langfristigen Planung überfordert.

Die Rückerstattung könne erst am Jahresende erfolgen, weil erst nach dem Schuljahr alle Ausgaben, die Gebührenscheine und die Abrechnungen der Caterer für die Berechnung vorlägen. Geben Sie uns für die Organistation der Rückerstattung noch „ein paar Wochen“, bat Herr Oldenburg von der Behörde.

Ausstattung bei GBS und Hort auf gleichem Niveau?

„Die ganztägige Betreuung an den Schulen (GBS) werde auf dem gleichen Ausstattungsniveau stattfinden wie die bisherige Hortbetreuung“, so die Erklärung von Schulsentor Rabe nach dem Treffen des Runden Tischs zum Thema GBS in der vergangenen Woche. http://www.hamburg.de/bsb/bsb-pressemitteilungen/3922392/2013-04-11-bsb-gnaztagsausbau-schulen.html

Doch die Eltern sehen das ganz anders als der Schulsenator:  In ihren Fragen kritisierten sie auch den Personalschlüssel der GBS. Der Schlüssel von einem Betreuer für eine Gruppe von 19 bzw. 23  Kindern sei schlechter als im Hort, es würden außerdem Hilfskräfte ohne  pädagogische Qualifikation eingesetzt, so Farahnaz Bergmann. Kritische Fragen gab es auch zu den Problemen beim  Mittagessen, zu den Warmhalteküchen und zum Raummangel. So gibt es Schulen, in denen ab August über 100 bis 150  Kinder an GBS teilnehmen werden, die aber keine entsprechenden Kantinen oder viel zu kleine Kantinen haben. Um- und Ausbauten von Kantinen sollen noch bis 2015 oder sogar bis 2017 dauern, in einem Fall ist noch gar kein Termin für einen Umbau bekannt, kritisierten die Eltern.

Ganz unbegreiflich sei für sie, dass Kinder bei der Ganztagsbetreuung keine Zwischenmahlzeit erhalten, erklärte  Farahnaz Bergmann im Ausschuss. „Ich verstehe nicht, dass es dafür kein Budget gibt. Ein Kind ist doch immer noch ein Kind, die brauchen das!“.

Das sei eine politische Entscheidung erklärte Herr Oldenburg von der BSB, im Übrigen sei vieles der „Systemumstellung geschuldet“ und das „sei eine Sache“, die müsse „man in Kauf nehmen“. Das zusätzliche „pädagogische Budget“ für die GBS könne aber dazu beitragen, den Personalschlüssel zu senken, erklärter er. Außerdem würden „Leute auf Honorarbasis“ Kurse anbieten oder mit den Kindern lesen. Alle Betreuungsbereiche hätten aufgrund des Kitaausbaus im Moment außerdem Probleme, genügend Erzieher zu finden, erklärte Oldenburg.

Kritische Fragen der Eltern betrafen auch das inhaltliche Angebot von GBS. Es wurde gefragt, ob die Schulbehörde überhaupt wisse, was da von wem in welcher Qualität angeboten werde. Zusatzangebote, so die Kritik weiter, seien außerdem kostenpflichtig, es sei ein falscher Ansatz, dass sogar Fußball Geld koste.

Eltern: „Unausgegoren und zu kompliziert“

„Völlig unausgegoren und viel zu kompliziert für alle Beteiligten“, so bringt Eva Landmann die Kritik vieler Eltern an der Ganztagsreform und Umsetzung von GBS auf den Punkt. Hinzukommt, es gibt keine Alternativen mehr, fast alle Horte werden am Ende dieses Schuljahres abgeschafft.

Kritik und Fragen der Eltern finden sich im 10-Punkte-Nofall-Paket wieder, dass die Elternkammer und der Landeselternausschuss (LEA) für Kindertagesbetreuung Schulsenator Ties Rabe beim Treffen des Runden Tisch in der letzten Woche überreichten. Neben dem beschleunigten Kantinenausbau werden darin u.a. Ruhe-, Bewegungs- und Kursräume gefordert, außerdem mehr Geld und Personal für die Information über GBS, ein Konzept mit qualitativen Mindeststandards, mehr Elternmitwirkung oder zusätzliche Mittel für die Inklusion.

Noch umfangreicher ist eine Liste Deutsche Kinder- und Jugendstiftung mit 23 Punkten, die aus der Sicht von Kindern beschreiben, was Ganztagsschule bieten sollte. Z.B. Punkt 17: „Die Mittagspause ist lang genug, um mich auszutoben, zusammen mit Freunden oder allein etwas zu machen, was Spaß macht, oder mich zurückzuziehen, mich mit meinem Hobby zu beschäftigen, zu lesen, ein Musikinstrument zu spielen oder ein Kunststück einzuüben, am Computer zu arbeiten oder miteinander etwas „Richtiges“ zu machen.

Schön klingt auch Punkt 19: Es gibt auf dem Schulgelände und im Schulhaus genug Platz und Gelegenheiten, um mit anderen zu spielen, Sport zu treiben, Kunststücke zu üben oder zu experimentieren. Es stehen Sport- und Spielgeräte zur Verfügung, es gibt Klettermöglichkeiten, Bereiche, in denen man bauen und gestalten kann, aber auch Verstecke, geheime und ruhige Ecken“. http://www.ganztaegig-lernen.de/sites/default/files/23_Thesen.pdf

Doch bis Hamburgs Ganztagsschulen das bieten, ist es noch ein weiter Weg. Ties Rabe weist rigoros alle Forderungen zurück: „Es ist schon ein großes Vorhaben die Zahl der Ganztagsschulen in drei Jahren um 50 Prozent zu steigern, wir sollten diesen ehrgeizigen Plan jetzt umsetzen und nicht ständig mit neuen Zusatzforderungen erschweren“. http://www.hamburg.de/bsb/bsb-pressemitteilungen/3922392/2013-04-11-bsb-gnaztagsausbau-schulen.html

Bleibt schließlich eine Frage: Was passiert, wenn es keine Horte und Kita-Gutscheine mehr gibt? Erlischt damit für die GBS-Gebühren auch die „Keiner zahlt mehr als im Hort-Regelung“? Das würde bedeuten, Eva Landmann und alle Eltern, die für GBS höhere Gebühren zahlen als für die Betreuung im Hort, bekommen kein Geld mehr rückerstattet. Sie müssen dann mehr zahlen. Wie sagte es eine Mutter am 10 Mai – fast genau vor einem Jahr: „Wir zahlen ab Sommer im Monat über € 35,00 mehr für ein schlechteres Angebot – und das wird uns als „kostenlose Nachmittagsbetreuung“ verkauft!“

https://kirschsblog.wordpress.com/2012/05/10/die-versprechen-des-schulsenators-grundschuleltern-rechnen-nach-ganztagsschule-kann-fur-familien-teurer-als-hort-werden/

Gymnasiallehrer fordern eine Rückkehr zum G9

20 Feb

Nachdem am Wochenende die Mehrheit der Hamburger, 66 Prozent, in einer repräsentativen Umfrage des Abendblattes für eine Wiedereinführung zum G9 an Hamburgs Gymnasien stimmte, fordert nun auch der Philologenverband unseres südlichen Nachbarlandes Niedersachsen die Rückkehr zum G9.

Es gebe „schwerwiegende Probleme mit G8″, so der Titel einer Pressemitteilung der Philologen. Deshalb habe sich der Philologenverband nach langen Beratungen “ jetzt für die Rückkehr zur neunjährigen Schulzeit am Gymnasium als Regelfall ausgesprochen“.
Die Schulzeitverkürzung auf 8 Jahre habe sich in der Praxis „als folgenreicher Eingriff in die Bildungs- und Erziehungsarbeit des Gymnasiums erwiesen, was auch von Schülern, Eltern und Lehrern kritisiert wurde“, so die Gymnasiallehrer.
„Die Notwendigkeit, die Wochenstundenzahl und den Lernstoff von neun Schuljahren auf acht Schuljahre zu komprimieren, habe sich insgesamt als kaum lösbares Problem erwiesen. Auch zahlreiche Nachbesserungen hätten die Probleme nicht zufriedenstellend beheben können“. Das „vertiefende und übende Lernen“ sei „zu kurz gekommen“, so der niedersächsische Philologenverband, wichtige Lerngegenstände könnten aus „aus entwicklungspsychologischen Gründen nicht mehr angemessen behandelt werden“. Der Verband kritisiert außerdem die Beschneidung der außerschulischen Aktivitäten der Schüler durch das Turbo G8 und folgert: „All dieses sei mit dem Selbstverständnis des Gymnasiums als Ort einer vertieften Allgemeinbildung und Persönlichkeitsentwicklung nicht vereinbar.“
Außerdem habe der „verstärkte und begrüßenswerte Zustrom zu den Gymnasien aus allen Bevölkerungsschichten und von Schülern mit Migrationshintergrund in den letzten Jahren zunehmend eine veränderte Situation geschaffen“ „Wir wollen aber jeden gymnasialfähigen Schüler auch zu einem qualifizierten und erfolgreichen Abschluss führen. Dazu brauchen wir jedoch wieder mehr Zeit.“

http://www.phvn.de/index.php?option=com_content&view=article&id=552:15022013-philologenverband-fuer-rueckkehr-zum-neunjaehrigen-gymnasium&catid=16:pressemitteilungen&Itemid=

66 Prozent der Hamburger für die Rückkehr zum G9 an den Gymnasien, auch die Schülerkammer fordert das G9 zurück

19 Feb

66 Prozent der Hamburger sind für die Rückkehr zum G9 – nur 24 Prozent der Hamburger wollen das Turbo G9! Auch die Schülerkammer unter der Vorsitzenden, Yasemin Cec, spricht sich für das G9 aus: Das Abendblatt berichtete an diesem Wochenende ausführlich über das beeindruckend klare Ergebnis der Umfrage und über die Stellungnahme der Schülerkammer.

Doch Schulsenator Ties Rabe will sich dem Bericht zufolge weiter über Schüler, Eltern und Bürger hinwegsezten. Er warnt vor Chaos und Umstellungsproblemen und erzeugt damit Unsicherheit  vor einer Rückkehr zum G9. Die Befürworter verweisen jedoch darauf, dass das G9  noch bis vor drei Jahren in HH üblich war, und dass Bildungspläne, Lehrmaterial, Klassen und Gebäude der G9 Zeit nach wie vor bestehen. Damit stehe einer Wiedereinführung des G9 nach ihrer Meinung nicht im Wege.
http://www.abendblatt.de/hamburg/article113678717/Volkspetition-soll-G9-durchsetzen.html

Die Umfrageergebnis pro G9 war auch Thema der Diskussionsrunde auf HH1 am Sonntag um 21.45 Uhr

„Hamburger Presserunde“ –

zwar in einer Zusammensetzung, die völlig im Widerspruch zur Meinungsmehrheit der Hamburger stand:

Drei zu eins für das Turbo G8 – aber dennoch eine spannende und lebhafte Diskussion:

G9 oder G8? Thema der letzten „Hamburger Presserunde bei HH1:

mit Herbert Schalthoff (HH1), Peter Ulrich Meyer (HA), Christine Brinck (ZEIT), Mareile Kirsch (f. Journalistin).

http://www.hamburg1.de/sendungen/presserunde.html

Hier die Links zu den Medien-Berichten über das G9, über die Umfrage und die Stellungnahme der Schülerkammer vom Wochenende:
Schülerkammer für eine Verlängerung der Schulzeit an Gymnasien – Hamburger Abendblatt v. 16.2.2013
http://www.mobil.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article113678714/Schuelerkammer-fuer-eine-Verlaengerung-der-Schulzeit-an-Gymnasien.html

Hamburg – Große Mehrheit will Turbo-Abitur abschaffen – Hamburger Abendblatt v. 16.2.2013
http://www.mobil.abendblatt.de/hamburg/article113676706/Grosse-Mehrheit-will-Turbo-Abitur-abschaffen.html

Turbo-Abi: verkürzte Kindheit – Hamburger Abendblatt v. 16.2.2013
http://www.mobil.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article113678713/Turbo-Abi-verkuerzte-Kindheit.html

Volkspetition soll G9 durchsetzen – Hamburger Abendblatt v. 16.2.2013
http://www.abendblatt.de/hamburg/article113678717/Volkspetition-soll-G9-durchsetzen.html

Petition für G9 und gegen Turbo G8 an Hamburgs Gymnasien erfolgreich gestartet

14 Jan

Seit dem Wochenende ist sie gestartet und stündlich werden es mehr Unterschriften: Immer mehr Hamburger unterstützen die Petition für eine „Wiedereinführung des G9 in Hamburg, mit Wahlfreiheit zwischen G8 und G9“ mit ihrer Unterschrift. Gestartet wurde diese Petition von der Autorin dieses Blogs gemeinsam mit vier weiteren Unterschreibern des Petitionstextes, Eltern von ein bis fünf Kindern aus ganz Hamburg. Schon am Sonntagabend hatten 382 Befürworter des G9 an Hamburgs Gymnasien die Petition unterschrieben.

Hier der Link zur Petition: http://www.change.org/de/Petitionen/wiedereinf%C3%BChrung-des-g9-an-hamburger-gymnasien-mit-wahlfreiheit-zwischen-g8-und-g9

Das Thema beherrscht in diesen Wochen die Schlagzeilen: „Mehrheit der Eltern gegen Turbo G8 und für G9, Turbo-Abi überzeugt Eltern nicht“, „Philologenverband fordert mehr G9-Versuchsschulen“: ARD, NTV, Spiegel, Stern, Frankfurter Rundschau – überall gibt in diesen Tagen Berichte über den Aufstand von Eltern gegen das Turbo G8 an den Gymnasien, das in Hamburg vor 10 Jahren eingeführt wurde. Nun hat eine neue Hamburger Elterninitiative,  „G9-Jetzt-HH“ , eine Petition für die Rückkehr zum G9 gestartet, und zwar in Form einer Wahlfreiheit zwischen dem G8 und dem G9 an den Schulen. Auf der Homepage der Elterninitiative  heißt es zur Begründung:

„Mit dieser Petition wollen wir Eltern und Befürwortern des G9 Mut machen, aktiv zu werden, wollen uns miteinander vernetzen und so den Druck auf den Schulsenator erhöhen, der Forderung von Schülern, Eltern, Großeltern, Lehrern, Wissenschaftlern, Kinderärzten und anderen nach einer Rückkehr zum G9 zu entsprechen. Am besten als Wahlfreiheit zwischen G8 und G9.“

Die Elterninitiative  droht,  eine Volksinitiative zu starten, wenn ihre Forderungen nach dem G9 nicht umgesetzt werden.

80 Prozent der Eltern wollten nach einer Emnid Umfrage zum G9 zurückkehren, heißt es in der Begründung der Elterninitiative weiter. „Auch Hamburger Eltern wehren sich gegen die Überforderungen der Schüler durch pädagogisch unsinnig lange Unterrichtstage des Turbo G8, die selbst in Ganztagsschulen in anderen europäischen Ländern nicht üblich sind, und gegen die Belastung von Kindern ab 10/11 Jahren durch bis zu 50 Arbeitsstunden pro Woche“. Die Eltern kritisieren auch das „Chaos von langen und kurzen Schultagen, täglich wechselnde Zeiten für Hausaufgaben, Mittagessen, Lernen, Gruppenarbeiten, usw., die keine klare Struktur ermöglichen, erschwert durch unzureichende Rahmenbedingungen an den Schulen.“

Das G8 sei ferner ein „Eingriff in die selbstbestimmte Zeit der Kinder und Jugendlichen“, der die „Teilhabe am sozialen, kulturellen, sportlichen Leben außerhalb der Schule einschränke“ , ebenso wie die „freiwillige Teilnahme an Angeboten innerhalb der Schule“. Es fehle im G8 die „Zeit für außerschulische Förderung besonderer Fähigkeiten und Neigungen, Eigeninitiative und selbstgewählte Aktivitäten“. Sport in Vereinen, Musikschule, Pfadfinder, Konfirmandenunterricht fänden nur noch „unter erheblichem Zeitdruck statt oder müssen ganz aufgegeben werden. Freiheit und Kindheit werden beeinträchtigt.“

Auch die schulischen Leistungen würden durch das G8 beeinträchtigt: „Aufgrund des verdichteten Lehrstoffes“ fehle es im Unterricht an Zeit für Vertiefung und Wiederholung. Nach einer wissenschaftlichen Untersuchung des Turbo G8 in Sachsen Anhalt zeigten sich „negative Effekte der Schulzeitverkürzung auf die Mathematikleistungen im Abitur sowie auf die Aufnahme eines Studiums“. http://www.niw.de/index.php/presse-detail/items/turbo-abitur-leistungen-in-mathematik-schlechter-geringere-einschreibungsquote-von-frauen-keine-unterschiede-in-der-persoenlichk.html

Im Gegensatz zu den Erklärungen des Schulsenators werde die Verschlechterung der Schulleistungen auch durch die Ende 2012 vorgestellte Hamburger Vergleichsstudie Kess 12 zwischen den Leistungen der G9 Abiturienten und denen der G8 Abiturienten belegt. Das G8 belaste außerdem das Familienleben durch die langen Schultage und die vielen Wochenstunden, begründen die Eltern ihre Petition.

Sie bitten  Eltern, Lehrer, Großeltern und alle Interessierte, ihre Forderung nach einer Wiedereinführung des G9 mit einer Unterschrift unter die Petition zu unterstützen. http://g9-jetzt-hh.de/unserziel/174-warum-g9-an-hamburger-gymnasien

Über die Elterninitiative berichtet am Wochenende auch die Presse: “ Diese Mutter will das Turbo-Abi stoppen“, so titelte am Sonnabend die Hamburger Morgenpost, und brachte damit auf den Punkt, was die Eltern und Kritiker des Turbo G8 fordern: Ein Ende des G8 an den Gymnasien und die Rückkehr zum G9.

http://www.mopo.de/nachrichten/stoppt-diese-mutter-das-turbo-abi–hamburg-droht-ein-neuer-volksentscheid,5067140,21443364.html

Kirschsblog wünscht allen Leserinnen und Lesern Frohe Weihnachten und ein Glückliches Neues Jahr

24 Dez

und fröhliche und erholsame Weihnachtsferien

                     Die Kinder von Bullerbü – Weihnachtsschmaus bei Tante Jenny

Erschreckende Zahlen: 50 bis 75 Prozent der Schüler der Klassen 3, 5, 6 und 8 im untersten Leistungsbereich – Überlastungsanzeige von Schulleitern von 14 Elbinselschulen!

10 Dez

50 bis 75 Prozent der Drittklässler sollen in Mathe, in Deutscher Sprache, Sprachgebrauch und Leseverständnis unterhalb des Mindeststandards liegen – auch 50 bis 70 Prozent der Stadtteilschüler der Klassen fünf, sechs und acht liegen im unteren Leistungsbereich.  Die Schüler sollen demnach „bis zu zwei Jahren feststellbare Lernrückstände“ aufweisen.

Erschreckende Ergebnisse von Hamburger Grund – und Stadtteilschulen, die heute aus verlässlicher Quelle auf Facebook kursierten.  Sie sind Kern eines Brandbriefes von 14 Schulleitern der Elbinselschulen, in dem die Schulleiter auch im Namen der „Kolleginnen und Kollegen“ eine „Überlastungsanzeige“ anmelden. Dies wurde heute nach Veröffentlichungen von Auszügen aus dem Brief gegenüber Journalisten von der BSB bestätigt. Die „Grenzen der Belastbarkeit“ seien „erreicht“, so heißt es in dem Schreiben, ihre Schulen würden „unter diesen Bedingungen““ ihren „gesellschaftlichen Aufgaben nicht mehr gerecht“. Grund:  Das „mangelhafte Vorläuferwissen“, „Erziehungsdefizite“ und  „verschiedenste Förderbedarfe“ der Schüler ergäben eine „zusammengesetzte Heterogenität“ der Schülerschaft, die zu einer „pädagogischen Farce“ im Gegensatz zu den Ansprüchen und Erwartungen des traditionellen staatlichen Schulwesens“ führe.

Grundlage dieser Zahlen sind vermutlich die Ergebnisse des Kompetenzfeststellungstests, „Kermit“ von Anfang September diesen Jahres, über den auch Kirschsblog berichtet hatte. Es handelt sich bei de Tests nach Auskunft der Homepage des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung  um ein „System zur Erfassung der Kompetenzentwicklung“. Die „Erhebungen orientieren sich an den Inhalten der Hamburger Bildungspläne in Deutsch, Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften.“ so wird dort weiter informiert.  (http://li.hamburg.de/qualitaetsentwicklung-standardsicherung/2855898/aktuelles-liq.html)Zusätzlich Zusätzlich zu schon länger „bundesweit durchgeführten Lernstandserhebungen“ in Klasse 3 und 8, so das Landesinstitut, gab es demnach in Hamburg neue Tests,“in Ergänzung zu den bisherigen Tests“, bei denen „Kompetenzfeststellungen in den Jahrgangsstufen 5, 7 und 9 durchgeführt“ wurden.

Auf Facebook wurde jetzt Zitate veröffentlicht, die aus dem Brief der Schulleiter stammen sollen:  „Viele Schülerinnen und Schüler aller Grundschulen (…) liegen in allen Kompetenzbereichen etwa zwei Jahre hinter dem Schnitt aller Hamburger Grundschüler. Hiernach liegen ca. 50% bis 75% des dritten Jahrgangs unterhalb des Mindeststandards in den Kernkompetenzen Mathematik, deutsche Sprache und Sprachgebrauch sowie Leseverstehen. Mit diesen Ergebnissen liegt der Anteil nochmals weit über dem der Ergebnisse der jüngsten Grundschulstudie. Damit befinden sich diese Schülerinnen und Schüler auf „Erstklässler Niveau“, lediglich 1 – 3% sich auf der Kompetenzstufe V, der höchsten Stufe.“…. „Darüber hinaus beschulen wir eine große Zahl von Schülerinnen und Schülern mit verschiedensten Förderbedarfen (zum Beispiel sonderpädagogischen Förderbedarf), die mit geringer Regelakzeptanz, erheblichen Erziehungsdefiziten und mangelhaftem Vorläuferwissen in die Schulen kommen. Die so zusammengesetzte Heterogenität führt zu einer „pädagogischen Farce“ im Gegensatz zu den Ansprüchen und Erwartungen des traditionellen staatlichen Schulwesens. (…) Diese Herausforderung ist verbunden mit einem zusätzlichen zeitlichen und persönlichen Aufwand, der aus professioneller Sicht uns Schulleiterinnen und Schulleiter veranlasst eine Überlastungsanzeige – auch im Namen der Kolleginnen und Kollegen – anzumelden. Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht. Unter diesen Bedingungen werden unsere Schulen ihren gesellschaftlichen Aufgaben nicht mehr gerecht!“ „(…) Die Ergebnisse aller Jahrgänge der Primar- und Sekundarstufen und der Abschlussberechtigungen weisen auf nur bedingt kompatible Kompetenzen und Wissensstände für den Arbeitsmarkt hin. Dies gilt gleichermaßen für den tariflich organisierten Arbeitsmarkt wie für die Niedriglohnsektoren.(…)“
„Ohne hinreichend entwickelte Vorläuferfähigkeiten können weder der Lese- und Schreib- noch der mathematische Lernprozess erfolgreich verlaufen. Die vielfältigen Bildungsaktivitäten der Schulen (…) ändern offensichtlich daran nur wenig. Unter den gesetzten Bedingungen (politisch, administrativ, strukturell sowie inhaltlich) kann diese Abhängigkeit lediglich ansatzweise ausgeglichen werden. Nahezu jedes Engagement wird durch diese bestehenden Rahmenbedingungen konterkariert.
Ein Anteil von ca. 40% der Schülerinnen und Schüler (…), der sich durchgehend (Jahrgänge 5-10) im unteren Leistungsdrittel befindet, hat kaum Chancen in den regulären Arbeitsmarkt zu kommen. Wenn überhaupt, dann im alimentierten Niedriglohnsektor.“

Ein weiteres Zitat: „In  den untersuchten Jahrgängen der Stadtteilschulen (…) liegt der Anteil  der Schülerinnen und Schüler im unteren Leistungsbereich zwischen 50 –  70%. Sie weisen große – bis zu 2 Jahren feststellbare – Lernrückstände auf. Unruhe, Überforderung, Sprach-, Wissens- und Erziehungsdefizite, Verhaltensoriginalitäten und soziale Auffälligkeiten prägen einen nicht unerheblichen Teil unserer Schülerschaft. Lernleistungen fallen mager aus. In den untersuchten Jahrgängen 5, 6  und 8 befinden sich nur ca. 2%  der Schülerinnen und Schüler im oberen Leistungsbereich.“

Sind G8 Abiturienten besser als G9 Abiturienten oder schlechter? Und warum wurde erstmals auf die Frage verzichtet, wie es den Abiturienten geht? Die Ergebnisse der Kess 12 Studie

28 Nov

Wer hat Recht? Die Ergebnisse der gestern vorgestellten Kess 12 Studie,  in der die Leistungen der Abiturienten des G8 Abi-Jahrgangs von 2011 geprüft wurden, haben erstaunlich Unterschiede und unerwartete Allianzen in der Bewertung  ausgelöst.

Die Leistungen in Englisch seien in der „Gesamtbreite aller Lerngruppen“ bei den  G8 Abiturienten „höher“ als die der G9 Abiturienten in der vorherigen Lau-Studie vor sechs Jahren, erläuterte Studienleiter Ulrich Vieluf. Auch im Bereich der „voruniversitären Mathematik“ habe der G8 Jahrgang besser abgeschnitten.  „Deutlich bessere Leistungen“ als die G9 Abiturienten hätten  in beiden Bereichen vor allem die 500 leistungsstärksten der knapp 4000 getesteten Abiturienten des G8 erreicht, erklärte er. Leichte Verbesserungen  gebe es bei den leistungsstärkeren G8 Abiturienten auch in den Naturwissenschaften. Schulsenator Ties Rabe kommentierte hocherfreut: „In allen Tabellen zeigt sich, dass die Schülerinnen und Schüler unter verschärften Bedingungen zu besseren Leistungen kommen. Das „überraschende Ergebnis „ von Schulzeitverkürzung und Profiloberstufe, so der Senator in seiner Pressemitteilung: „Bessere Leistung im Abitur“. http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/3702064/2012-11-27-bsb-kess-12.html

„G8 scheitert in Hamburg: aktuelle Längsschnittstudie KESS 12 belegt Misserfolg trotz Profiloberstufe“, urteilte dagegen der Bürgerschaftsabgeordnete in der CDU Fraktion, Walter Scheuerl. Die G8-Schülerinnen und Schüler im Abiturjahr 2011 hätten „schlechtere Leistungen erzielt als ihre Vorgänger im Vergleichsabiturjahr 2005 im G9“. Und das, obwohl sie sich bei der Kurswahl in der Profiloberstufe im Vergleich zum G9 Jahrgang viel stärker auf  Kernfächer wie Mathematik und Englisch konzentriert hätten. Der Vorsitzende des Schulausschusses der Bürgerschaft belegte seine Kritik mit Zitaten aus allen drei Bereichen Englisch, Mathematik und Naturwissenschaft der Kess Studie: So verwies er u.a. auf die besseren Ergebnisse der G9 Abiturienten in dem „unbestechlichen internationalen TOEFL-Test („Test of English as a Foreign Language)“ Auf Seite 5 der Studie heißt es: „„die Abiturientinnen und Abiturienten des KESS-Jahrgangs schneiden auf beiden Kursniveaus über das gesamte Leistungsspektrum schwächer ab als der LAU-Jahrgang“. Walter Scheuerls Fazit: „Schulsenator Rabe verhöhnt mit seiner heutigen Pressemeldung die Schülerinnen und Schüler im G8-System, wenn er …behauptet, das G8 hätte in Hamburg in Verbindung mit der Profiloberstufe zu angeblich besseren Leistungen im Abitur geführt. Das Gegenteil ist der Fall!“

Ganz ähnlich auch die Kritik der GEW: „Die Jubelmeldungen des Bildungssenators und KMK-Präsidenten Ties Rabe zur Vorstellung der Ergebnisse der KESS 12 Studie sind voreilig und ungerechtfertigt“. Es entspreche „nicht der Wahrheit“, dass die „Schulzeitverkürzung zum Abitur (G8) zu besseren Schulleistungen geführt“ habe. In der Studie selbst werde  „viel bescheidener“ erklärt, das G8 habe „nicht zu einem Leistungseinbruch geführt“.   Das sei aber, so auch die GEW, ein Ergebnis der Profiloberstufe und der „stärkeren Anwahl von Kursen mit erhöhten Anforderungen in Englisch und Mathematik“. Mit der Schulzeitverkürzung habe das „ nichts zu tun“.

Kess 12 sei eine reine Leistungsstudie, kritisiert die GEW weiter. Die Bedingungen, unter denen diese erzielt worden seien, seien gar nicht untersucht worden. „Zunehmender Zeitdruck beim Lernen und verdichtete Unterrichtstage und –wochen“ führten zu „massivem Stress bei den SchülerInnen und ihren Familien“ Es fehle an Freizeit und außerschulischen Aktivitäten,  Gymnasiasten hätten „Arbeitswochen, die weit über die Regelarbeitszeiten von ArbeitnehmerInnen hinaus“ gingen, erklärte der GEW Vorstzende Klaus Bullan auch in einen Interview in der Tagesschau. Doch seine Empfehlung,  lieber das G9 an der Stadtteilschule zu wählen, ist für viele Eltern, die sich bewußt für das Gymnasium entschieden haben, wohl keine Lösung.  http://www.gew-hamburg.de/themen/bildungspolitik/schulzeitverkuerzung-ist-und-bleibt-falsch

Eine erstaunliche Allianz mit dem SPD Schulsenator bildete dagegen der schulpolitische Sprecher der CDU Fraktion, Robert Heinemann. Er war einer der maßgeblichen Schulpolitiker seiner Partei, als vor 10 Jahren unter CDU und FDP Regierung in Hamburg die Schulzeit an den Gymnasien von neun auf acht Jahre reduziert und das G8 damit eingeführt wurde. Sein erfreuter Kommentar zur Kess 12 Studie. „Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl die Einführung des G8 als auch die stärkere Leistungsorientierung der Gymnasien – etwa durch die zentralen Prüfungen – unter den CDU-Senaten richtig war. Besonders beeindruckend ist, dass sich die Leistungen trotz der deutlichen Erhöhung der Abiturientenquote verbessert haben“.  Anders als die GEW, sieht Robert Heinemann lediglich gewisse Probleme bei der Umsetzung des G8, die noch nicht „optimal“ erfolgt sei. Dadurch komme es „teilweise zu unnötigen Belastungen der Schülerinnen und Schüler“. Robert Heinemanns Verbesserungsvorschlag:  „Schulinspektion und Schulaufsicht“ müssten da noch genauer hinsehen.

Die Zitate und die sehr unterschiedlichen Bewertungen machen insgesamt eins deutlich: Einen eindeutigen Leistungsvorsprung der G8 Abiturienten vor den Abiturienten des G9, wie es Ties Rabe in seiner Pressemitteilung behauptet, läßt sich mit den Ergebnissen der Kess 12 Studie keineswegs belegen.  

Es gibt allerdings ein klares Ergebnis: Die Zahl der Abiturienten hat sich insgesamt erheblich erhöht. Sie stieg um 33 Prozent, von 3517 Abiturienten im Jahr 2005 auf 4675 im Jahr 2011. Die Schülerschaft hat sich dabei verändert, es gibt jetzt mehr Abiturienten aus bildungsfernen Elternhäusern.

Am Ende der Leistungsbilanz fragte eine Journalistin gestern, ob man denn bei der Kess 12 Studie auch Wohlbefinden oder Gesundheit der Abiturienten des G8 Jahrgangs geprüft habe. Die Antwort von Studienleiter Ulrich Vieluf: Bei Lau und früheren Untersuchungen habe man die Abiturienten „noch gefragt“: „Wie geht es Dir?“. Diese Frage, so Vieluf, sei aber von den Abiturienten „nicht goutiert“ worden. Deshalb habe man bei KESS erst garnicht danach gefragt.

Schulsenator Rabe zeigte sich von dieser Frage unberührt. In Hamburg gebe es zwei  Möglichkeiten, das Abitur zu machen, das G8 am Gymnasium und das G9 an der Stadtteilschule. Diese Kombination sei „geradezu ideal“, man habe beide Wege eröffnet, der G8 Jahrgang sei erfolgreich, so „dass wir das so lassen“.

 Die Frage eines anderen Journalisten, ob sich der ganze Stress denn lohne, beantwortete er nicht.

Heute: Aufruf zur Demo gegen Sozial – Kürzungen in der Kinder – Jugendenarbeit

23 Nov
Ein Bündnis von Sozialverbänden und Gewerkschaften ruft für den heutigen Freitag zur Demonstration in der Innenstadt gegen die Kürzungspläne in der offenen Kinder- und Jugendarbeit, in Seniorenangeboten, Suchthilfeeinrichtungen, Bücherhallen und anderen Bereichen auf.
Die Demonstration beginnt um 14 Uhr am Bahnhof Dammtor und führt über den Jungfernstieg und die Mönckebergstraße zum Hachmannplatz am Hauptbahnhof.

„Wir erwarten 170 Kinder, die essen sollen, aber wir wissen nicht, wo!“ – GBS/GTS Vernetzungstreffen und Anhörung in Schul- und Sozialausschuss

15 Nov

Erstaunlich,  wie unterschiedlich innerhalb einer Woche in Hamburg zweimal über dasselbe Thema gesprochen wurde, die Umwandlung aller Hamburger Grundschulen in Ganztagsschule: Zum Einen in Schulen mit Ganztägiger Bildung und Betreuung (GBS) mit außerschulischem Partner und zum Anderen in Ganztagsschulen in schulischer Verantwortung (GTS).

Frei und offen hatten fast 50 Eltern vor einer Woche beim achten GBS/GTS Vernetzungstreffen des Landeselternausschusses Kitabetreuung (LEA)  – ohne Senator und Presse  –  über zwei Stunden lang die Mängel der neuen Ganztags- und GBS Schulen kritisiert.  Es ging um Verschlechterungen im Vergleich zu der bisherigen Betreuung in Horten,  z.B. beim Betreuungsschlüssel, die schleppende Umbauten und fehlende Räume wurden bemängelt, es gebe Baulöcher aber noch lange keine Kantinen, so die Eltern und es wurde deutlich, wie groß der Informationsmangel in puncto  Ganztagsschulreform bei vielen Eltern noch ist. Der Mangel an Information für Eltern hatte schon vor genau einem Jahr, am 17.11.2011, den Lea, den Elternausschuss des Bezirks Eimsbüttel (BEA) und das Hamburger Hortbündnis veranlasst, die Vernetzungstreffen ins Leben zu rufen – zum Austausch von Informationen und Kritik.

Die öffentliche Anhörung von Schul- und Sozialausschuss der Bürgerschaft am Mittwoch mit  Schulsenator Ties Rabe und Vertretern der Behörden – bei der Eltern und Betroffene Gelegenheit zu Kritik und Verbesserungsforderungen haben –  verlief dagegen ein wenig schleppend und sie war auch schon nach knapp einer Stunde wieder vorbei . 

Was Vertreter der Regierungspartei, SPD, denn auch gleich so interpretierten, dass die Eltern ganz ganz offensichtlich zufrieden mit dem Konzept von Ties Rabe seien – es gebe nur einige Umsetzungsschwierigkeiten. Das war auch die Kernaussage von Schulsenator Rabe in seiner Antwort auf die Elternkritik. Es gebe einige „Anfangsschwierigkeiten“,  die sich aus der auch für ihn „überraschenden Geschwindigkeit“ bei der Umsetzung seiner Ganztagsreform ergäben, so der Senator. Was er zum wiederholten Male nicht erwähnte: Er selbst hat für diese „überraschende Geschwindigkeit“ gesorgt, als er vor eineinhalb Jahren ankündigte, ab 2013 die Kitagutscheine und die Horte abzuschaffen. Eltern aus Schulkonferenzen und Gremien von Hamburger Grundschulen haben immer wieder empört darauf hingewiesen, sie fühlten sich dadurch gezwungen, ihre Schulen Hals über Kopf in Ganztagsschulen umzuwandeln, damit niemand am Ende ganz ohne Betreuung für seine Kinder da stehe.

Doch dass es sich Hamburgs Schulsenator mit dem Hinweis auf „Anfangsschwierigkeiten“ etwas zu einfach machte, wurde  – bei aller Kürze – auch in der Anhörung deutlich.

Die Kritiker: Zu wenig Betreuer, Räume, Ressourcen

Sie sei „ausgesprochen unzufrieden mit der GBS“, erklärte Gabriele Ellerbeck, Mutter von vier Kindern, deren jüngster Sohn Schüler der Grundschule Lutterothstraße ist. Es fehle an Qualität bei der Nachmittagsbetreuung der GBS, so ihre Kritik.  An drei von fünf Nachmittagen seien wechselnde studentische  Hilfskräfte als Betreuer tätig. „ Echte Probleme“ gebe es auch mit einem „nicht so guten Erzieher“. Ihre  drei älteren Kinder seien in Horten gewesen,  deshalb könne sie das Angebot der GBS gut vergleichen. In den Horten seien die Kinder, anders als jetzt in den großen Gruppen der GBS, individuell betreut worden.

Die Kinder hätten außerdem erst in den Klassenräumen, dann in Mänteln in der zugigen Schulhalle Mittag gegessen,  jetzt finde das Essen in roten Container statt, die als das „Rote Haus“ verspottet würden . „Wer kontrolliert eigentlich die Qualität“, fragte Gabrielle Ellerbeck. Ihre Familie falle auch finanziell „durch das Raster“. Im Vergleich zu den Kitagutscheinen vorher „zahlen wir deutlich mehr Geld“, erklärte sie – was Schulsenator Rabe zu Protest und Kopfschütteln veranlasste.  Für sie als berufstätige Mutter sei es außerdem ein Problem, die benötigte Ferienbetreuung schon für ein Jahr im Voraus zu buchen. Es  sei „frustrierend, dass man dem ausgeliefert ist. Wir haben überlegt, unser Kind zu einem Schlüsselkind zu machen, weil es nicht gut läuft“, so die Kritik von Gabriele Ellerbeck.

Karin Jessen, Schulleiterin einer offenen Ganztagsschule und Vorsitzende des Ganztagsschulverbandes, bemängelt die Verpflegung an den Ganztagsschulen.  Wenn Kinder den ganzen Tag, teilweise schon ab 6 Uhr morgens, in der Schule seien, müsse es auch eine Verpflegung für den ganzen Tag geben, nicht nur zum Mittagessen. Wann eigentlich das bargeldlose Mittagessen eingeführt werde, fragte dann Roberto Lehmann. Die Bezahlung des Mittagessens mit Chips statt Bargeld hatte Schulsenator Rabe im letzten Schuljahr für die Ganztagsschulen angekündigt.

Ein Vertreter des Grundschulverbandes sprach die zusätzliche Belastung für Schulbüros an. Die Schulbüros bräuchten für die Umwandlung von Schulen in Ganztagsschule zusätzliche Ressourcen, um Eltern zu beraten und zu begleiten. Eine Vertreterin des Schulbüros der Stadtteilschule Blankenese bestätigte das und forderte wegen der zusätzlichen Beratung eine höhere Lohngruppe für Mitarbeiter der Büros.

Nach Erfahrungen der schon bestehenden Pilot- und Modellschulen sei die Personaldecke für die Ferienbesetzung zu dünn, kritisierte dann der Vertreter des Grundschulverbandes, es gebe Probleme bei der Ferienvertretung. Eine Schulleiterin ergänzte, die Stundenberechnungen für die Erzieher in der GBS seien zu niedrig, es müsse auch Besprechungszeiten für Erzieher geben. Sie forderte im Übrigen eine Gleichbehandlung der Ganztagsschulen nach Rahmenkonzept (GTS) mit den GBS Schulen.

„Viel zu knapp“ sei auch die Ressource für die Inklusion am Nachmittag der neuen Ganztagsgrundschulen, betonte die Schulleiterin außerdem. Eine in der Integration tätige Erzieherin bestätigte das und kritisierte die Gruppengröße für den Nachmittagsbereich. Sie arbeite mit schwerstbehinderten Kindern: „Es kann nicht sein, das da 28 bis 29 Kinder von zwei Erziehern betreut werden“, protestierte sie.

Kritik an Küchen und Kantinen

Die für Grundschulen eingeführte Sozialstaffelung der Essensgebühren müsse auch an weiterführenden Schulen gelten, erklärte dann ein Vertreter des Ganztagsschulverbandes. Eltern dort könnten sich das Essen vielfach nicht leisen.

Ihr Sohn werde bis 2014 nur durch Provisorien über Caterer ein Mittagessen erhalten, „ernährungswissenschaftlich ist nichts Gesundes in dem Essen mehr drin“, kritisierte eine Mutter aus einer GBS-Schule in Poppenbüttel. Mit der Ganztagsschule sei das Versprechen verbunden worden, Lern- und Lebensort zu verbinden. Sie forderte die Einrichtung von Produktionsküchen, in denen Essen frisch gekocht werden, damit Eltern ihre Kinder „mit gutem Gewissen in der Ganztagsschule lassen“ könnten.

„Wir erwarten 170 Kinder, die essen sollen, aber wir wissen nicht, wo!“, so die Kritik von Lilly Gries von der Grundschule Kleiner Kielort. An der  Schule würden in den nächsten drei bis vier Jahren Turnhalle,  Aula und  Mensa umgebaut. Es sei deshalb sinnvoll, solange den Hort zu erhalten!

Jörg Gröndahl vom LEA kritisierte, dass es diverse Kritikpunkte und Verbesserungswünsche von Eltern, z.B. in Hinblick auf Raummangel und fehlende Kantinen, gegeben habe, doch: „In der Umsetzung findet sich fast nichts davon wieder“. Er forderte den Schulsenator auf, „an der Umsetzung der Reform sorgfältiger zu arbeiten“. Dem schloss sich auch Christian Martens vom Lea an. Es sei geplant, Räume und Raumbedarf zu reduzieren, dabei würden mehr Räume, u.a. für die Gruppendifferenzierung, benötigt. „Räume sind der dritte Pädagoge“, erklärte er, und plädierte an Ties Rabe, „mehr Räume zu schaffen“.

Ein Vertreter des Caritasverbandes kritisierte eine neue Förderrichtlinie vom 3.7.2012, in der im Vergleich zum Landesrahmenvertrag eine finanzielle Benachteiligung von Schulen in freier Trägerschaft festgeschrieben worden sei. Die Folge: Unter diesen schlechteren Bedingungen der Richtlinie fänden sich keine Partner, die bereit wären, Kooperationsverträge mit den Schulen in freier Trägerschaft zu unterschreiben. Hier müsse eine „vernünftige Lösung“ gefunden werden. 

Martina Peters vom paritätischen Verband Hamburg kritisierte die geplanten Kürzungen in der Jugendhilfe. Ein besonders wichtiger Punkt für GBS und GTS sei die gewollte Kooperation der Ganztagsschulen mit den Einrichtungen der Jugendhilfe: Es sei „schwer vermittelbar“, wenn man den Sozialraum rund um Schulen öffnen wolle, und gleichzeitig Angebote der Jugendhilfe mit dem dort gewachsenen besonderen Sachverstand  „verringert“ würden „ Wenn sich die zwei System, Schule und Jugendhilfe, verschränken“ sollten, dann müsse auch die Ausstattung „passen und angemessen“ sein. Die Kooperation mit Ganztagsschulen mit schulischer Verantwortung (GTS) sei im Übrigen wegen der hierfür vorgesehenen Personalressource so „nicht möglich“.

Schulsenator Rabe antwortet

Es sei erfreulich,  so die Antwort von Schulsenator Rabe auf die Kritik in der  Anhörung, dass sich sehr viele Schulen so schnell zur Umwandlung in eine Ganztagsschule entschlossen hätten, erklärte Ties Rabe – insgesamt würden 200 von 204 Grundschulen bis 2013 GBS- oder GTS-Schulen. Dies zeige u.a., dass es richtig gewesen sei, dass „wir die Schulen nicht zwingen“. Er habe den Schulen „freigestellt, welchen Weg sie gehen wollen, GBS und GTS“. Was Ties Rabe damit indirekt klar machte: Eine andere Wahl, nämlich gar keine Ganztagsschule zu werden, hatten die Schulen demnach nicht.

Die zeitliche Frist für diese Umwandlung sei noch über 2013 verlängert worden, so Ties Rabe weiter. Von der Möglichkeit einer Verlängerung waren allerdings viele Eltern und Schulen gar nicht informiert, wie Eltern bei dem vorherigen GBS/GTS Vernetzungstreffen erklärt hatten. „Hätten wir das gewußt, hätten wir auch länger gewartet“, erklärte ein Vater, als er hörte, dass es noch bis 2015 eine Übergangsfrist von zwei Jahren bis zur endgültigen Abschaffung der Kitagutscheine gibt. Eine Möglichkeit, die offenbar nur zwei, drei Schulen nutzen, die erst 2015 die Ganztagsschule einführen werden.

Ties Rabe zu Betreuungsqualität, Erziehermangel, Raummangel und mehr

Zur Kritik, dass eine Gruppe in einer GBS Schule häufiger von studentischen Hilfskräften als von einem Erzieher betreut wurde, erklärte der Senator: Dies sei durch den Landesrahmenvertrag geregelt, und zwar „so, wie das bisher an den Horten geregelt ist, da ist nichts verändert worden“. Diese Aussage des Senators widerspricht allerdings den offiziellen Zahlen des „Bildungsberichts“ der Schulbehörde von 2011  über „Personalschlüssel im Kita-Gutscheinbereich“.  Im Jahr 2011 wurden demnach im dreistündigen Hort knapp 15 Kinder von einer „Vollzeitkraft“ betreut. Im Bildungsbericht ist dabei ausdrücklich von „Erziehern“ und  „Fachkräften“ und nicht von „studentischen Hilfskräften“ die Rede.  http://www.bildungsmonitoring.hamburg.de/index.php/bildungsbericht2011

Der für die GBS im Landesrahmenvertrag zugrunde gelegte Betreuerschlüssel umfasst dagegen eine pädagogischen Fachkraft für die Betreuung einer Gruppe von 23 Kindern, bzw. eine pädagogische Fachkraft für die Betreuung von 19 Kindern in Standorten im schwierigeren sozialen Umfeld der Sozialinidizes eins und zwei. http://www.hamburg.de/contentblob/3268876/data/rahmenvertrag.pdf

Es gebe aber tatsächlich einen Erziehermangel, räumte der Schulsenator dann ein: „ Wir brauchen so viel Personal, dass der Markt das nicht hergibt“. Ein Mangel, den der Senator allerdings durch den extrem schnellen Ausbau der Ganztagsschulen selbst mitverursacht hat. So werden nach Aussage der Behörde für Arbeit und Soziales , Familie und Integration (BASFI) im Jahre 2013 insgesamt 700 Vollzeiterzieher fehlen. Wegen der unattraktiven Teilzeiteinstellungen träfe dies speziell die GBS Schulen, informierte eine Tischvorlage der Hamburger Jugendhilfe Anbieter zur GBS/GTS, die bei der Anhörung verteilt wurde.

Für die Qualitätskontrolle bei den GBS-Schulen sei im Übrigen die Sozialbehörde zuständig, erklärte Ties Rabe. Bei Beschwerden sollten Eltern sich zunächst an Schule und Trager wenden, dann an die Behörde.

Ties Rabe äußerte sich dann zur Kritik am Raummangel: Der Raumbedarf werde nicht reduziert, erklärte er und auch der in diesem Zusammenhang erhobene Vorwurf, GBS sei ein Billigmodell, träfe nicht zu. Der Schulsenator erklärte, es gebe ein Budget für flexibles Mobiliar, um Räume gemütlicher zu machen. Zur Beratung der 204 Schulen sei außerdem ein Architekt eingestellt worden.

Einen übergangsweisen Erhalt von Horten in Ausnahmen bei größten Schwierigkeiten, wie  zB. bei Baumaßnahmen in der Schule Kleiner Kielort, werde er noch einmal prüfen, erklärter er dann, aber es sei „ein klares Ende“ der Horte gegeben. Er machte deutlich, dass dem Ganztagsbetrieb der Schule der Vorzug eingeräumt würde, wenn er „ohne große Schwierigkeiten“ forgesetzt werden kann.

Ties Rabe zu Produktions- und anderen Küchen, Kantinen und Mittagessen

In puncto Küchen und Kantinen erklärte Ties Rabe, es gebe viele Caterer von unterschiedlicher Qualität. Fachleute hätten ihm erklärt, dass durch schnelles Abkühlens, beim sog. „Cook and Chill“ Vitamine geschont würden. Es seien durchaus Provisorien denkbar, in denen Kinder in Klassenräumen essen,  auch wenn dies bei einigen Schulen strikt abgelehnt würde. Es sei aber „klüger, wenn sich Lehrer als Beteiligte mit an den Tisch“ setzten. Das wolle er aber nicht „jetzt schon“ als Vorschrift einführen.

Produktionsküchen seien ein Problem:  Zum einen sei die Anschaffung teuer und zum anderen müsse auch der Betrieb sichergestellt werden. Letzteres sei bisher häufig über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen „querfinanziert“ worden, weil es anders „ wirtschaftlich bisher nicht funktioniert“ habe. Es müßten aber Hygienevorschriften von Gesundheitsämtern beachtet werden, der Betrieb sei nur sichergestellt, wenn es eine große Stückzahl von Schulessen gebe, z.B. bei Kooperationen von mehreren Schulen. Den Einwurf von Eltern, dass das bei Kitas bisher auch geklappt habe, wies er zurück. Er sei nicht sicher, dass dort auch der Einbau von Duschen sichergestellt war. Eltern, die das genauer recherchiert haben, kamen jedoch zu anderen Ergebnissen: Duschen seien nicht unbedingt nötig und die Produktionsküchen seien ab ca. 200 Essen rentabel.

Zur Kritik an der Benachteiligung der GTS mit schulischer Verantwortung gegenüber der GBS erklärte Ties Rage, die GBS bestehe ja aus Schule und außerschulischem Träger, für die besondere Kooperationszeiten nötig seien. Die gelte aber nicht für die GTS , bei der ja die Schule für den ganzen Tag selber zuständig sei. Kooperationszeiten seien dort nicht nötig, „die reden ja mit sich selber“, erklärte er, worauf  in den Besucherreihen die „Chuzpe“ des Schulsenators kritisiert wurde. In puncto Gleichstellung der  Schulen in Freier Trägerschaft gebe es noch Beratungsbedarf, da „sei man noch nicht am Ende“, erklärte Ties Rabe.

Die Verzahnung von Jugendhilfe und Schule solle auf Regionalen Bildungskonferenzen geplant werden. Auf die Kiritik an den Einsparungen des Senats bei Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit ging der Schulsenator nicht näher ein.

Resümee

So wiegelte Ties Rabe mit langen, schönen Worten und vielen Absichtserklärungen die Kritik der Eltern und Betroffenen Punkt für Punkt  ab. Das seien eben die „Anlaufprobleme bei der Umsetzung der Ganztagsangebote“. Diese komme aber bei den Eltern offensichtlich gut an, so auch seine Erklärung auf Fragen eines Fersehreporterters nach der Anhörung.

Worauf Schulsenator Rabe aber nicht einging, war die grundsätzliche Kritik von Eltern, Lehrern, Schulleitern und Vertretern der Verbände an der Qualität der Ausstattung für seine neuen Ganztagsschulen. Kritik, wie sie auch von den Eltern des Vernetzungstreffens geäußert wurde. Und dabei können sich die Eltern und Betroffenen auf Ganztagsschulexperten wie Stefan Appel, den langährigen Präsidenten des Deutschen Ganztagsschulverbandes berufen, die immer wieder betonen, dass für qualitativ gute Ganztagsschule besondere räumliche und personelle Anforderungen erfüllt werden müssen.  „Wenn man Ganztagsschule nur in Klassenräumen organisiert, wird es nichts werden.“, so Stefan Appel im Jahr 2010. http://www.ganztagsschulverband.de

Allerdings – den Vergleich mit der besseren Betreuung in den Horten werden schon bald immer weniger Eltern haben. Sie stecken jetzt mittendrin im neuen Ganztagsschulsystem. Und das erklärt vielleicht auch den Unterschied zwischen den zwei GBS/GTS Veranstaltungen. Eltern haben keine Wahl mehr, und sind auch mit ihrer Kritik vorsichtiger geworden. Zurecht, wie eine kritische Mutter nach der Anhörung berichtete. Sie wurde, als sie Kritik äußerte, in ihrer Schule ausgegrenzt. In einem anderen Fall wurde ein Vater, der deutliche und offenbar äußerst berechtigte Kritik äußerte, vom Elternrat zurückgerufen, als er seine Kritik öffentlich machen wollte.  

Umso mehr beeindruckt die ruhige und offene Art der Kritik von Gabriele Ellerbeck. In Hamburg sei jetzt eine „Monopolstellung“ der Ganztagsschule bei der Betreuung von Kindern am Nachmittag entstanden. „Wenn die Betreuung nicht gut ist, kann ich nicht wechseln“, sagte sie. Eine mangelnde Qualität der Betreuung will sie trotzdem nicht hinnehmen.

Bürgerschaftsvizepräsidentin Kersten Artus: „Egoismus“ von Eltern „unerträglich“

11 Nov

Ein Zitat von Hamburgs stellvertretender Bürgerschaftspräsidentin, Kersten Artus von der LINKEN, aus der öffentlichen Dikussion rund um das Betreuungsgeld sorgt bei Eltern in Hamburg für erhebliche Irritationen.

Das Zitat irritiert durch die Haltung, die die stellvertretende „höchste Repräsentantin der Bürgerschaft“ und „der Freien und Hansestadt Hamburg“ zur Verfassung, und zu dem im Grundgesetz geschützten Erziehungsrecht von Eltern, wie überhaupt zu Eltern offenbart.

 Kersten Artus: „Wie schön, dass dieser ganze ideologische Blödsinn rund um die Betreuung von Kindern immer weniger Bedeutung findet. Ich finde diesen Egoismus vieler Mamis und Papis unerträglich, zu glauben, sie seien das Beste für ihren Nachwuchs. Wer sich ein Kind zum Privatvergnügen anschafft und es von Gleichaltrigen und anderen Bezugspersonen fernhält, sollte ernsthaft sein Menschheitsbild hinterfragen, anstatt sich als Supereltern zu präsentieren. Ihre größte Klatsche bearbeiten doch später in der Therapie diejenigen, die Überväter und -Mütter hatten. Oder etwa nicht?“

Dass auch Vertreter der Regierungspartei, SPD, ganz ähnlich denken, zeigt das Zitat von Meike Jensen, SPD, und Mitglied der Deputation der Schulbehörde. Meike Jensen, gratulierte Frau Artus wie folgt:

Meike Jensen: „Der Beitrag von Frau Artus ist fabelhaft!“

Beide Zitate stammen aus einer öffentlichen Facebook Diskussion auf der FB-Seite eines der bekanntesten Journalisten in Hamburg, des Politikchefs des Hamburger Fernsehsenders HH1, Herbert Schalthoff. Öffentlicher geht es nicht. Thema der Diskussion am Freitag waren die drei Hamburger Gegenstimmen aus der CDU/FDP Koalition bei der Abstimmung gegen das Betreuungsgeld im Bundestag.

Unabhängig von der Frage der Vor- oder Nachteile des Betreuungsgeldes, hat diese Aussage Eltern in Hamburg zutiefst irritiert. Sie fragen sich, ob eine Vize-Präsidentin der Bürgerschaft mit ihrem Amt nicht dem Wortlaut, dem Inhalt, den Artikeln des Grundgesetzes verpflichtet ist, die die gesetzlichen Grundlage des Landes und der Demokratie bilden. Und sie fragen sich weiter, ob dies nicht auch für Äußerungen der Bürgerschaftsvizepräsidentin in der Öffentlichkeit gilt. Denn in Artikel 6 des Grundgesetzes heißt es ganz klar: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“.

Auf der Homepage der Freien und Hansestadt Hamburg werden Stellung und Aufgabe einer Bürgerschaftspräsidentin so beschrieben: „Die Präsidentin ist die höchste Repräsentantin der Bürgerschaft, sie vertritt das Parlament und die Freie und Hansestadt Hamburg in der Öffentlichkeit. Ihre Aufgabe besteht darin, das Parlament und seine Mitglieder in ihren Rechten zu schützen und die Würde der Bürgerschaft zu wahren.“ http://www.hamburg.de/buergerschaft/.

Bestürzte Eltern in Hamburg fragen sich jetzt, wie und ob die öffentlichen Aussagen von Kersten Artus über Eltern und elterliche Erziehung  mit der hier beschriebenen Stellung und Aufgabe einer Bürgerschaftspräsidentin und mit dem Amt einer Stellvertreterin der Bürgerschaftspräsidentin zu vereinbaren sind.