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GBS revisited: „Alle lieben Valeska“ – Reportage

19 Jun

IMG_0260Mittwoch vor den Sommerferien: Die Kinder der Zweitklässler GBS-Gruppe stehen dichtgedrängt  aber ruhig neben der Eingangstür der Grundschule Falkenberg – und blicken gespannt zu ihrer Betreuerin Valeska …. Valeska gibt ein Zeichen, dann stürmen alle laut und fröhlich los über den Hof zur zu der zur Kantine umfunktionierten Pausenhalle. Dort treffen nacheinander weitere Gruppen mit Kindern ein, jede Gruppe hat ihren eigenen Esstisch und feste Sitzplätze. An einem der Zehnertische, umringt von ihrer Gruppe sitzt Valeska  „Hallo Lukas!“ begrüßt sie die Nachzügler, die heute Projekttag hatten, „hol Dir was zu essen“, sie hakt in einem Heft  die  Namen ab. Durch die großen Fenster der hellen Pausenhalle sieht man den weitläufigen  Innenhof mit Spielplatz und Kletternetzen, viel Grün im Hintergrund, die Turnhalle und alte  Backstein-Schulgebäude  der Grundschule,  die Verwaltungsgebäude von Schulleiter und Sekretariat. Die Kinder stehen in der Reihe vor dem Tresen – gerangelt wird nicht, alles läuft ruhig und diszipliniert ab – und kommen mit  dem Essen zurück: Paniertes Huhn, Kartoffel, Gemüse, 3 Euro pro Essen. Auf jedem Tisch dazu ein Teller Gurken, Tomaten und Karotten. Die Vorschüler sind fast fertig,  sie sind die erste Gruppe in der Kantine und bekommen von ihrer Betreuerin am Tisch serviert. Valeska Stüben ist die pädagogische Leiterin und die Seele der GBS , seit die Schule 2011 im Standort Falkenberg der STS Fischbek-Falkenberg als eine der  ersten sieben Modellschulen mit der GBS-Ganztagsbetreuung bestartet ist.

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Am selben Mittwoch: Heftige Debatte über  GBS und Ganztagsschule in der Bürgerschaft. Seit Schulsenator Ties Rabe begonnen hat, alle Grundschulen in Hamburg in nur zwei Jahren in Ganztagsschulen umzuwandeln  und Horte und Hortgutscheine abzuschaffen, gibt es immer wieder Proteste wütender und enttäuschter Eltern. 2014 soll alles abgeschlossen sein, dann habe der Senator ein schulisches Betreuungsmonopol geschaffen, zu dem es keine Alternative mehr gebe, so eine Mutter bei einer Anhörung. Doch die Rahmenbedingungen,die Betreuungsschlüssel und Raumsituation der GBS Schulen sind deutlich schlechter als die in den Horten, kritisieren die Eltern. Im April hatte der Schulsenator dem Landeselternausschuss für Kindertagesbetreuung (LEA) und der Elternkammer zugesagt, die GBS-Rahmenbedingungen würden denen der Horte angeglichen, doch der Schulsenator habe seine Zusage nicht eingehalten, so  Jörg Gröndahl von LEA. Die Eltern fordern mehr Personal, bessere Ausstattung, einen beschleunigten Kantinenausbau, Mittel für die Inklusion, Zwischenmahlzeiten und bessere Informationen. Die LINKE hatte die Elternforderungen in einem Antrag  aufgegriffen,  der am Mittwoch in der Bürgerschaft debattiert und mt den Stimmen der SPD Mehrheit abgelehnt wurde.

Ärger und Proteste gegen die  Umstetzung der GBS war auch häufig Thema von Kirschsblog – berichte doch auch mal über ein Positivbeispiel von GBS, statt immer nur in „kritischen Tönen  (die auch aus meiner Sicht völlig berechtigt sind)“, forderte  Gerrit Petrich, Elternrat in der Stadtteilschule Falkenberg  Fischbeck , der neue Vorsitzende der Hamburger Elternkammer. Seine Kinder sind Schüler Grundschule des Standorts Falkenberg – sie sind dort in der GBS.

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Mittwoch 14 Uhr: Die GBS  Kinder sind ins Grundschulgebäude zurückgekehrt und sitzen über Schulbücher und Hefte gebeugt nach Alter verteilt in den Klassenräumen.  Nur einige sind jetzt beim Chor und kommen später zu den „Hausis“ dazu. Am Mittwoch Nachmittag sind fast alle GBS Schüler da, an anderen Tagen sind es weniger, da viele Schüler nur für drei Tage angemeldet sind. Von 500 Schülern der Schule nehmen insgesamt 180 Schüler an der GBS teil, neun Kinder haben sonderpädagogischem Förderbedarf.  Es gibt sieben Gruppen, die jeweils  von einem Betreuer pro Gruppe betreut, eingeteilt nach Klassen von der Vorschule bis zur 5. und 6. Klasse. Ein Betreuer betreut also eine Gruppe von 25 Kindern.  Der Betreuerschlüssel für GBS  liegt bei 1:23, dh. ein Betreuer für 23 Kinder (bzw. je nach soz. Lage 1:19). Er ist damit deutlich schlechter als bisher im Hort, dort betrug er 1:17. Die Verschlechterung des Betreuerschlüssels in der GBS im Vergleich zum Hort ist einer der zentralen Gründe für die Kritik von Eltern und Kindern an der GBS, auch darum ging es in der Debatte am Mittwoch.

Die meisten Betreuer des Standorts Falkenberg haben eine zweijährige Ausbildung als sozialpädagogische Assistenten, ein Betreuer macht die berufsbegleitende Erzieherausbildung. „Ich erfülle den GBS Schlüssel nicht ganz“, sagt Valeska Stüben, die für den Kooperationspartner der Schule,  das „Kinderhaus Hotzenplotz“ , die GBS am Standort Falkenberg leitet. Zum Kinderhaus Hotzenplotz gehört auch die Kita am Rand des Schulgeländes, zu der man nur ein paar Schritte über den Schulhof laufen muss – ein „extremer Vorteil“ für Schule und Kinder, erklärt Frau Stüben,  da die kleinen Vorschulkinder schon früh mit dem Schulgelände vertraut sind und Kinder in Kita und GBS im Früh- oder Spätdienst gemeinsam betreut werden können. Nach dem Sommer  wird die GBS, die einmal mit 100 Kindern gestartet ist, noch einmal auf 200 Kinder anwachsen.  Dann sollen für die GBS zwei  Betreuer  dazukommen.  In den Ferien selber sind nur 6 bis 9 Kinder für die Ferienbetreuung angemeldet, betreut werden sie von zwei Erziehern. An diesem Mittwoch sind übrigens 3 Betreuer ausgefallen, die Gruppen werden zusammengelegt  und sind entsprechend größer.

Es ist still,  einige Kinder schreiben konzentriert, ein Junge schaut müde träumend auf sein Heft. In Valeskas Gruppe sind 25 Schüler aus zwei zweiten Klasse.  Das Klassenzimmer ist  groß, bunt und ziemlich alt, wie das ganze Grundschule-Gebäude. Die Schultische sind zu Viertisch-Inseln  zusammengerückt. Auf jedem steht ein Blumentopf mit Gänseblümchen, daneben ein Stapel Mathehefte, an den Wänden stehen Regale mit bunten Kinderbüchern,  an den Fenstern hängen gelbe Vorhänge. Es klopft. Zwei Jungs kommen rein, und fragen höflich„ Können wir einen Fußball ausleihen“? Sie bekommen den Schlüssel  zu Valeskas Büro, ein schlauchartiger, schlichter Raum am Ende des Flurs, an dem sich neben ihrem Schreibtisch Wasserkisten stapeln und Fussbälle lagern. „Komm wieder mit dem Schlüssel,“ ermahnt Valeska die Jungs .

VALESKA MIT HAUSAUFGABEN

Neben dem Lehrerpult hat sich eine Schlange von Schülern gebildet, mit den Hausaufgabenheften in der Hand. Valeska schaut sich die Hefte an, weist freundlich auf Fehler hin, schlägt geduldig Verbesserungen vor, korrigieren soll sie nicht,  und notiert in einem großen Klassenbuch, ob die Hausaufgaben gemacht sind oder ob jemand zuhause weiterarbeiten will.  Sie hat die Bücher angeschafft, um eine bessere Übersicht zu behalten, und um Eltern und Lehrern bei Problemen immer zuverlässig  Auskunft über die gemachten  Hausaufgaben geben zu können. Sind dreimal keine „Hausis“ gemacht, informieren die Lehrer die Eltern.

Einige Kinder sind fertig, packen sorgfältig ihre Stifte, Bücher und Schultaschen ein. Ein paar ziehen jetzt um zur „Förderung“  in benachbarten Klassenräumen. Bis zu 8 Schüler werden dort  in Deutsch oder Mathe von Lehrern gefördert, von Lehrern, Lehramtsstudenten und  Studenten.

Wer mit allem fertig ist, darf raus in das weiträumige Schulgelände. Draußen wartet schon eine Mutter, Andrea Niphut.  Sie hat zwei Kinder im GBS. „Wir sind sehr zufrieden“, erklärt sie.

Probleme gebe es nur mit dem Essen: „Meinen Kindern schmeckt das Essen nicht, sie sagen, es ist nur tiefgekühlt und aufgetaut.  Und es ist zu vorhersehbar, Montags gibt’s Fisch, Mittwochs immer Nudeln,  am Freitag Süßes.“  Manchmal erklärten ihre Kinder ,„ Wir wollen nicht in den Hort, weil das Essen nicht schmeckt“.  Die Kinder haben recht – das Essen der Schule wird tiefgefroren und getrennt nach Zutaten angeliefert und dann in der Kantine 90 Minuten in einem Konvektomaten dampfgegart. Die Kantinen  sind ebenfalls ein wichtiger Kritikpunkte der Eltern an der GBS. „Unsere Kinder werden an industrielles, aufgewärmtes Essen gewöhnt, statt zu lernen, wie wertvoll unsere Nahrungsmittel sind und wie sie nachhaltig zubereitet werden,“ so ua. die Kritik des Lea am mangelhaften Kantienenausbau für GBS.   http://www.lea-hamburg.de/aktuelle-pressemitteilungen/395-massive-fehler-und-versaeumnisse-bei-gbs-einfuehrung

Sehr zufrieden ist Andrea Niphut dagegen  mit den flexiblen Abholzeiten. „Das ist super, es gibt keine Probleme, wenn wir die Kinder einmal früher abholen“.  Das erklärten auch andere Eltern, die ihre Kinder an diesem Nachmittag abholen.  Flexibilität sei ihnen besonders wichtig, sagt Valeska Stüben:  „Bei uns können Eltern ihre Kinder auch zu individuellen Abholzeiten abholen “. Ich wünsche mir noch mehr mehr Kurse zum Thema „Forschen“ ,ergänzt noch ein Junge.

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Am Spielplatz hat sich ein jetzt kleines Grüppchen von Schülern neben Herrn Stüben, dem Vater von Valeska Stüben, versammelt. Herr Stüben macht als Honorarkraft die Aufsicht auf dem Schulhof. Betreuerin Hanim Gümis notiert in einem Heft,  welche Kinder an diesem Nachmittag an welchen Kurse teilnehmen möchten, die von 15 bis 16 Uhr angeboten werden. Die Kurse heute:  Fußball , Wald, Kochen oder Mosaik. Der Kurs „Forschen“ fällt aus, weil die Kursleiterin krank ist. Ein Junge kommt plötzlich weinend angelaufen, er hat sich am Bein weh getan, Valeska kommt und schaut sich das Bein an, klopft ihm aufmunternd auf die Schulter und der Junge zieht wieder ab.

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Ich mag am liebsten Mosaik, erklärt die 10 jährige Larischa, Zaliha mag am liebsten Kochen.

Kochen ist überhaupt sehr beliebt, erklärt Valeska Stüben, zweitweise melden sich bis zu 40 Kinder „wer will, kann dann nächste Woche teilnehmen“. Kurse an anderen Tagen sind Töpfern, Weben, Fußball für Mädchen, für Jungen, Spanisch und PC Nutzung, die Elternvertreter Gerrit Petrich anbietet. Neben den Klassenräumen hat die Schule dafür eine Bibliothek, einen Werkraum, ein Spielezimmer, einen Töpferraum und zwei Vorschulräume.

Neue Räume gibt es allerdings für die GBS Nachmittage nicht – auch keine Pausenhalle für die vielen Hamburger Regentage. Geplant war für 2014 der Neubau eines großen Grundschulgebäudes mit Räumen und neuer Kantine für die GBS. Vorher sollte noch die Turnhalle abgerissen und neu gebaut werden. „Der Plan liegt vor, aber niemand weiß Genaues, es wird immer weiter nach hinten geschoben“ erklärt Valeska Stüben.

FAHRZEUGEBetreuer Alex holt jetzt die „Fahrzeuge raus“-  Zwei-,  Drei- oder Vierräder auf denen die Kinder im Schulgelände herumrasen können. Platz dafür ist in der Schule reichlich vorhanden. Es bestehe auch keine Gefahr, dass Senat und Behörde Schulgelände verkaufen würden,  wie in Schulen in der Stadtmitte geplant, die nach Berechnungen der Behörde „zuviel Platz“ haben.  Diese Sorge müsse man sich an seiner Schule nicht machen,  erklärt der Schulleiter des Standorts Falkenberg Jens Bendixen: „Wir haben wachsende Schülerzahlen“.

Jens Bendixen ist ein weiterer Glücksfall für die Schule am Standort Falkenberg: Sein großes Thema ist Sport – Sport hat er auch zum Thema seiner Schule gemacht. Ab der 3. Klasse sind viele GBS Schüler  nachmittags in Sportvereinen der Umgebung aktiv,  die Schule hat zahlreiche Kooperationen mit Sportvereinen –  Vereine, die ihr Schulleiter gut kennt –  denn er ist selbst in vielen Mitglied. Die Schule ist eine sog. „sportbetonte Schule“  mit einer  speziellen Sportklasse.

Die GBS Nachmittagskurse sind mittlerweile aufgeteilt.Der Kurs „Wald“ wandert nur wenige Schritte und Minuten und ist schnell mitten im Wald der benachbarten „Neugrabener Heide“.Die neun  Kinder klettern auf Bäume, rutschen einen hohen Sandberg herunter und essen Gurken, Tomaten und Kirschen zum Picknick zwischendurch. Ihre Betreuerin ist  Svenja Schürmann, Grundschullehrerin und selber Mutter von zwei Kindern.

WALDPICKNIKSie  wird nach den Ferien die Stelle von Valeska Stüben als Leiterin der GBS übernehmen. „Valeska hat mich überredet. Sie hat meinen Ehrgeiz geweckt, es auszuprobieren, ich kann hier gestalten, mit Personal arbeiten und die GBS weiterentwickeln“.   Mit zu ihrer Entscheidung beigetragen habe die gute Stimmung an Schule und GBS. Es gebe Respekt, Höflichkeit, die Grenzen der anderen würden beachtet und dies werde auch den Schülern beigebracht. Wichtig sei auch der gute Austausch mit Schulleitung und den Vertretern des Elternrats in der „Steuergruppe der GBS“,  die sich alle zwei Wochen treffe. Sie habe schon Pläne für das nächste Jahr, und wolle vor allem mehr Kooperationspartner dazu gewinnen, die Musikkurse, zB. Gitarrenunterricht anbieten. Diese müßten allerdings von den Eltern bezahlt werden. Zurück in der Schule gibt mir Valeska Stüben schliesslich noch ein Foto von den Mosaiken mit auf den Weg, den die Schüler des Mosaikurses in der letzten Stunde gebastelt hat.

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Resümee: Die Schule Falkenberg hat zwei wichtigen Pluspunkte auf ihrer Habenseite: Das sind einmal die Menschen:  Eine ungewöhnlich engagierte, kinderliebende und organisatorisch begabte  Erzieherin, ein engagierter und in den Sportvereinen bestens vernetzter, offener Schulleiter und ungewöhnlich engagierte Elternvertreter im Elternrat. Sie haben es gemeinsam geschafft, dass sich in der GBS der Schule Falkenberg  Kinder, Eltern, Betreuer und Besucher wohl und gut aufgehoben fühlen. Bei  der neuen Leiterin der GBS, Svenja Schürmann, liegt die Nachmittagsbetreuung, so der Eindruck, weiter in den besten Händen:

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Pluspunkt der Schule ist zum anderen die Größe und  Lage der Schule zwischen Naturschutzgebieten und Wäldern am Rande der Stadt. Ein Vorteil, den Schulen im Zentrum nicht haben.

Unabhängig von Engagement und Leistung der Menschen  bleiben aber dennoch die Punkte, die Eltern, Lea, und Opposition in der Debatte in der Bürgerschaft so heftig und zurecht kritisieren. Es sind die mangelhaften Rahmenbedingungen, das schulisch-staatliche Monopol bei der Nachmittagsbetreuung von Kindern und die Mängel der Umsetzung der Ganztagsschulreform des Schulsenators: Dazu gehören der schleppende Ausbau der Kantinen, die fehlenden Produktionsküchen, die  fehlenden Räume für Rückzug, Ruhe, Toben und Differenzierung, die fehlenden Mitteln für Inklusion  und die deutliche Verschlechterung des Betreuungsschlüssels im Vergleich zu den Horten.

Erschreckende Zahlen: 50 bis 75 Prozent der Schüler der Klassen 3, 5, 6 und 8 im untersten Leistungsbereich – Überlastungsanzeige von Schulleitern von 14 Elbinselschulen!

10 Dez

50 bis 75 Prozent der Drittklässler sollen in Mathe, in Deutscher Sprache, Sprachgebrauch und Leseverständnis unterhalb des Mindeststandards liegen – auch 50 bis 70 Prozent der Stadtteilschüler der Klassen fünf, sechs und acht liegen im unteren Leistungsbereich.  Die Schüler sollen demnach „bis zu zwei Jahren feststellbare Lernrückstände“ aufweisen.

Erschreckende Ergebnisse von Hamburger Grund – und Stadtteilschulen, die heute aus verlässlicher Quelle auf Facebook kursierten.  Sie sind Kern eines Brandbriefes von 14 Schulleitern der Elbinselschulen, in dem die Schulleiter auch im Namen der „Kolleginnen und Kollegen“ eine „Überlastungsanzeige“ anmelden. Dies wurde heute nach Veröffentlichungen von Auszügen aus dem Brief gegenüber Journalisten von der BSB bestätigt. Die „Grenzen der Belastbarkeit“ seien „erreicht“, so heißt es in dem Schreiben, ihre Schulen würden „unter diesen Bedingungen““ ihren „gesellschaftlichen Aufgaben nicht mehr gerecht“. Grund:  Das „mangelhafte Vorläuferwissen“, „Erziehungsdefizite“ und  „verschiedenste Förderbedarfe“ der Schüler ergäben eine „zusammengesetzte Heterogenität“ der Schülerschaft, die zu einer „pädagogischen Farce“ im Gegensatz zu den Ansprüchen und Erwartungen des traditionellen staatlichen Schulwesens“ führe.

Grundlage dieser Zahlen sind vermutlich die Ergebnisse des Kompetenzfeststellungstests, „Kermit“ von Anfang September diesen Jahres, über den auch Kirschsblog berichtet hatte. Es handelt sich bei de Tests nach Auskunft der Homepage des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung  um ein „System zur Erfassung der Kompetenzentwicklung“. Die „Erhebungen orientieren sich an den Inhalten der Hamburger Bildungspläne in Deutsch, Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften.“ so wird dort weiter informiert.  (http://li.hamburg.de/qualitaetsentwicklung-standardsicherung/2855898/aktuelles-liq.html)Zusätzlich Zusätzlich zu schon länger „bundesweit durchgeführten Lernstandserhebungen“ in Klasse 3 und 8, so das Landesinstitut, gab es demnach in Hamburg neue Tests,“in Ergänzung zu den bisherigen Tests“, bei denen „Kompetenzfeststellungen in den Jahrgangsstufen 5, 7 und 9 durchgeführt“ wurden.

Auf Facebook wurde jetzt Zitate veröffentlicht, die aus dem Brief der Schulleiter stammen sollen:  „Viele Schülerinnen und Schüler aller Grundschulen (…) liegen in allen Kompetenzbereichen etwa zwei Jahre hinter dem Schnitt aller Hamburger Grundschüler. Hiernach liegen ca. 50% bis 75% des dritten Jahrgangs unterhalb des Mindeststandards in den Kernkompetenzen Mathematik, deutsche Sprache und Sprachgebrauch sowie Leseverstehen. Mit diesen Ergebnissen liegt der Anteil nochmals weit über dem der Ergebnisse der jüngsten Grundschulstudie. Damit befinden sich diese Schülerinnen und Schüler auf „Erstklässler Niveau“, lediglich 1 – 3% sich auf der Kompetenzstufe V, der höchsten Stufe.“…. „Darüber hinaus beschulen wir eine große Zahl von Schülerinnen und Schülern mit verschiedensten Förderbedarfen (zum Beispiel sonderpädagogischen Förderbedarf), die mit geringer Regelakzeptanz, erheblichen Erziehungsdefiziten und mangelhaftem Vorläuferwissen in die Schulen kommen. Die so zusammengesetzte Heterogenität führt zu einer „pädagogischen Farce“ im Gegensatz zu den Ansprüchen und Erwartungen des traditionellen staatlichen Schulwesens. (…) Diese Herausforderung ist verbunden mit einem zusätzlichen zeitlichen und persönlichen Aufwand, der aus professioneller Sicht uns Schulleiterinnen und Schulleiter veranlasst eine Überlastungsanzeige – auch im Namen der Kolleginnen und Kollegen – anzumelden. Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht. Unter diesen Bedingungen werden unsere Schulen ihren gesellschaftlichen Aufgaben nicht mehr gerecht!“ „(…) Die Ergebnisse aller Jahrgänge der Primar- und Sekundarstufen und der Abschlussberechtigungen weisen auf nur bedingt kompatible Kompetenzen und Wissensstände für den Arbeitsmarkt hin. Dies gilt gleichermaßen für den tariflich organisierten Arbeitsmarkt wie für die Niedriglohnsektoren.(…)“
„Ohne hinreichend entwickelte Vorläuferfähigkeiten können weder der Lese- und Schreib- noch der mathematische Lernprozess erfolgreich verlaufen. Die vielfältigen Bildungsaktivitäten der Schulen (…) ändern offensichtlich daran nur wenig. Unter den gesetzten Bedingungen (politisch, administrativ, strukturell sowie inhaltlich) kann diese Abhängigkeit lediglich ansatzweise ausgeglichen werden. Nahezu jedes Engagement wird durch diese bestehenden Rahmenbedingungen konterkariert.
Ein Anteil von ca. 40% der Schülerinnen und Schüler (…), der sich durchgehend (Jahrgänge 5-10) im unteren Leistungsdrittel befindet, hat kaum Chancen in den regulären Arbeitsmarkt zu kommen. Wenn überhaupt, dann im alimentierten Niedriglohnsektor.“

Ein weiteres Zitat: „In  den untersuchten Jahrgängen der Stadtteilschulen (…) liegt der Anteil  der Schülerinnen und Schüler im unteren Leistungsbereich zwischen 50 –  70%. Sie weisen große – bis zu 2 Jahren feststellbare – Lernrückstände auf. Unruhe, Überforderung, Sprach-, Wissens- und Erziehungsdefizite, Verhaltensoriginalitäten und soziale Auffälligkeiten prägen einen nicht unerheblichen Teil unserer Schülerschaft. Lernleistungen fallen mager aus. In den untersuchten Jahrgängen 5, 6  und 8 befinden sich nur ca. 2%  der Schülerinnen und Schüler im oberen Leistungsbereich.“

„Überraschter“ Schulsenator: Die „freiwillige“ Ganztagsschule und ihre Zukunft

5 Jun

Wer sich in diesen Tagen zum Thema Ganztagsschule auf den Spuren des Schulsenators von Termin zu Termin begibt, hört immer wieder zwei Worte: „überrascht“ und „freiwillig“ So auch bei der Pressekonferenz von Ties Rabe am Dienstag. „Uns überrascht die ungewöhnlich hohe Teilnehmerzahl“, erklärte der SPD Schulsenator. Schulkonferenzen fast aller Grundschulen in Hamburg hätten sich „mit unglaublichem Schwung…sehr klar“ und freiwillig für die Umwandlung in Ganztagsschule entschieden, insgesamt 197 von 204 Grundschulen in Hamburg würden voraussichtlich ab 2013/14 „ein Ganztagsschulangebot haben“.

Weniger „überrascht“ als der Schulsenator sind betroffene Eltern und Schulen. Auch das Wort „freiwillig“ hat für sie einen doppelten Boden. Denn Behörden und Senator hatten im letzten Jahr mit der Ankündigung, Hamburgs Horte bis 2013 zu schließen, alle Eltern, die für ihre Kinder eine Nachmittags-Betreuung brauchten, massiv unter Zeitdruck gesetzt. Die „zeitliche Entschleunigung“ der Ganztags-Schulreform, die in diesem Frühjahr vom Schulsenator eingeräumt wurde und nach der die Horte unter bestimmten Bedingungen noch bis 2015 bestehen können, kam für die allermeisten Eltern und Grundschulen zu spät. Ihre Umwandlung in Ganztagsschulen war schon auf den Weg gebracht, aus Sorge, dass Eltern andernfalls ganz ohne Betreuung für ihre Kinder dastehen könnten.

Die neuen Ganztagsschulen hätten sich in den allermeisten Fällen für ein „freiwilliges Angebot“ entschieden, erklärte Schulsenator Rabe. 45 Prozent der Schüler an insgesamt 63 Ganztagsschulen, die ab August die Ganztägige Bildung und Betreuung, GBS, anbieten, hätten einen Ganztagsplatz von 13 bis 16 Uhr beantragt. Dabei gebe es starke Schwankungen, von 10 Prozent Teilnehmerquote in einer Schule in Wandsbek bis zu einer Teilnehmerquote von 76 Prozent in einer Schule in Winterhude. Die Schwankungen gingen durch alle Stadtteile, unabhängig von sozialen Unterschieden.

Insgesamt 121 Schulen würden bis zum Schuljahr 2013/14 in GBS-Ganztagsschulen mit außerschulischen Trägern umgewandelt, 76 Grundschulen würden Ganztagsschulen in schulischer Verantwortung. Auch die weiterführenden  Schulen würden zu Ganztagsschulen ausgebaut, ab 2013/14 seien 46 von 56 Stadtteilschulen ebenfalls Ganztagsschulen, und auch 27 von 45 Sonderschulen würden bis 2013/14 Ganztagsschulen. Die Gymnasien seien schon seit Einführung des G8 „Ganztagsschulen besonderer Prägung“. Auch dort würden Mittel für den Ausbau von Ganztagsangeboten bereitgestellt, um den Wegfall der Horte für Kinder bis 14 Jahre auszugleichen. Soweit die Zahlen.

Spannend war die Antwort des Senators auf die Frage eines Journalisten, ob er als nächsten Schritt nach Einführung der flächendeckenden Ganztagsschulen deren Umwandlung in gebundene Ganztagsschulen plane.

Der Journalist bezog sich auf die Empfehlung einer neuen Studie der Bertelsmannstifung, die ebenfalls am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Die gebundene, für alle Schüler verbindliche Ganztagsschule biete demnach gegenüber der offenen Ganztagsschule „die besseren Rahmenbedingungen, um jedes Kind individuell zu för­dern“, so Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Er widersprach damit allerdings dem Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie des eigenen Hauses, die erst vor wenigen Wochen vorgestellt worden war: Offenbar gelinge es auch „Ganztagsschulen bisher nicht, den viel zitierten straffen Zusammenhang zwischen der Herkunft der Schüler und deren Leistung zu entkoppeln”, so das Ergebnis des „Chancenspiegels“ der Bertelsmann Stiftung und des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund. http://www.chancen-spiegel.de/downloads-und-presse.html?no_cache=1  und  http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-5B948D67-DE2532A4/bst/hs.xsl/nachrichten_112530.htm.

„ Nein“, antwortete der Schulsenator auf die Frage des Journalisten, “dies sei unsinnig und überflüssig“. Es gebe Menschen, die wollten ganztägig rhythmisierten Unterricht und gebundene Ganztagsschule. Doch das könne genau den gegenteiligen Effekt haben, der Ganztagsausbau komme so nicht in Gang, stattdessen werde es bei Eltern einen „berechtigt Widerstand“ geben. Er wolle aber einen „vernünftigen Ausbau“ der Ganztagsschule, so der Schulsenator.

Widerstand und Misstrauen bei Eltern und Oppositionspolitikern hat Ties Rabe in dieser Frage allerdings selbst ausgelöst, indem er die bisher im Hamburgischen Schulgesetz vorgesehene „Offene Ganztagsschule“ in seinem neuen Schulgesetz ersatzlos gestrichen hat. Das neue Gesetz soll ab August in Kraft treten.  Damit werde das  Recht von Eltern und Kindern auf eine offene, also halbtägige Schule in einer für sie erreichbaren Nähe abgeschafft, so die Kritik der CDU.  Aussagen von führenden SPD Politikern am vergangenen Donnerstag bei einer SPD Veranstaltung zum Thema Ganztagsschule könnten das Misstrauen vieler Eltern bestärken. „Wir machen in Hamburg die Tür weit auf, für die Ganztagsschule“. Das Ziel: “von der Krippe bis zum Abitur ganztägige Betreuung“, das erklärte der schulpolitische Sprecher der SPD Fraktion in der Bürgerschaft, Lars Holster, dort. Und er fügte hinzu, „wir wollen die richtige Ganztagschule“ . also die gebundene Ganztagsschule.  GBS solle noch „nicht das Ende sein“, sondern  „der Anfang“.  

Während Ties Rabe an diesem Abend noch betonte, er setze bei  der Ganztagsschule auf Freiwilligkeit, anstelle der rhythmisierten, gebundenen Ganztagsschule, erklärte dagegen die frühere SPD-Bundesbildungsministerin Edelgard Bulman: Die Erfahrung zeige, wenn ein offenes System gut laufe, dann werde auch das gebundenen System folgen, „das wird auch in Hamburg kommen“ , so die SPD Politikerin,  die 2002 das vier Milliarden-Euro-Investionsprogramm des Bundes für die Einführung von Ganztagsschule gestartet hatte.  Zielsetzung sei die „rhythmisierte Form der Ganztagsschule“.

Ebenfalls Thema der Pressekonferenz mit Ties Rabe: Die Mittel für den Ausbau der Ganztagschule. Für den Ausbau müßte Hamburg  jährlich rund 172 Millionen Euro zusätzlich aufbringen, so die Forderung der Bertelsmansstiftung.  http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article2297784/172-Millionen-Euro-fuer-mehr-Ganztagsschulen-noetig.html

Die bisherigen Horte seien von der Sozialbehörde mit 110 Millionen Euro finanziert worden, plus ca. 10 bis 15 Millionen aus den Gebühren der Eltern. Diese Summe werde nun für die Ganztägige Bildung und Betreuung, GBS, und andere ganztägige Angebote für Schüler bis 14 Jahren, zur Verfügung gestellt, erklärte Ties Rabe. Zwar werde die Zahl der Schüler in der Nachmittagsbetreuung der Schulen um 10 000 auf 30 000 Schüler steigen, erklärte er, die Mittel seien aber trotzdem ausreichend, da die bisherigen Ausgaben für die Gebäude der Horte künftig in den Schulen wegfielen.

Das passt allerdings kaum zu früheren Erklärungen des Schulsenators. Demnach rechneten „Schul- und Sozialbehörde … mit 40.000 Kindern“ in der künftigen Nachmittagsbetreuung in den Grundschulen. http://www.ganztagsschulen.org/13720.php Außerdem entstünden künftig auch in den Schulen durch den Nachmittagsbetrieb zusätzliche Gebäudekosten, ua. für Reinigung, Nutzung und Miete, erklärten betroffene Eltern auf Nachfrage von Kirschsblog. Sie kritisieren die deutliche Verschlechterung der Qualitätsstandards der künftigen Ganztagsschulen im Vergleich zu den Horten. In den Ganztagsschulen gebe es schlechtere Betreuungsschlüssel, es fehle an qualifizierten langfristig beschäftigten  Bezugspersonen, es mangele an eine qualitativ guter Ausstattung mit Sachmitteln, Ruhe-, Kurs- und Toberäumen, Platz zum freien Spiel, sowie Kantinen.

Die Hälfte der im August startenden Ganztagsschulen werde spätestens bis zu den Herbstferien eine Kantine haben,  für die Übrigen werde es mithilfe von Caterern Übergangslösungen, wie Essen in Klasssenräumen oder Pausenhallen geben, so erklärte Schulsenator Rabe abschließend.

Ganztagsschulen: Qualität unklar, Eltern verunsichert, Kantinen-Baustellen überall – aber Senator zelebriert Selbstzufriedenheit“ , so das Resumee der schulpolitischen Sprecherin der FDP Fraktion, Anna von Treuenfels, nach dieser Pressekonferenz.

Ganztagsschule kann für Familien teurer als Hort werden: Die Versprechen des Schulsenators und Berechnungen von Grundschuleltern

10 Mai

Sie sei sprachlos, so eine betroffene Mutter: „Wir zahlen ab Sommer im Monat über € 35,00 mehr für ein schlechteres Angebot – und das wird uns als „kostenlose Nachmittagsbetreuung“ verkauft „ Bis zum Mittwoch nächster Woche sollen Eltern von 50 Grundschulen, die ab August in Ganztagsschulen mit ganztägiger Bildung und Betreuung (GBS)  umgewandelt werden, ihre Anträge auf Teilnahme am Ganztag der Grundschulen abgeben. Die betroffene Mutter hat sich nach den Informationen und Gebührentabellen von Schulsenator und Behörde ausgerechnet, was ihre Familie künftig für die Nachmittagsbetreuung an der Schule zahlen sollen.  Was sie sprachlos macht:

„In der künftigen Ganztägigen Bildung und Betreuung an den Grundschulen zahlt niemand mehr als im Hort“, so hat Schulsenator Ties Rabe immer wieder versprochen. Nach der Umwandlung aller Hamburger Grundschulen in Ganztagsschulen und der Abschaffung aller Horte werde die Nachmittagsbetreuung von 13 bis 16 Uhr werde  kostenlos sein, nur die Mittagessen müssten bezahlt werden. Gebühren werde es nur für die Spät und Frühbetreuung vor 8 und nach 16 Uhr  und  für die Betreuung in den Ferien.  Sollte  in einem Einzelfall“ doch jemand mehr als im Hort bezahlen, „dann gibt es das Geld von uns zurück.“ , so das Versprechen des Senators. https://kirschsblog.wordpress.com/2012/02/13/nach-der-gruppengrose-wurde-nicht-gefragt-schulsenator-stellt-ergebnis-einer-befragung-von-gbs-pilostschulen-und-neues-gebuhrensystem-gestellt/   und  http://www.mopo.de/politik/die-neue-gebuehrentabelle-ist-da-so-viel-kostet-die-ganztagsschule,5067150,11632148.html

Was die Berechnungen der betroffenen Mutter für Nachmittagsbetreuung an ihrer Schule ergaben:

Die Betreuung zwischen 13 und 16 Uhr sei zwar künftig wirklich kostenlos. Aber das Mittagessen „schlage mit 3,50 Euro zu Buche – und ist (im Gegensatz zu den bisherigen Betreuungskosten) nicht von der Steuer absetzbar“, so die Mutter. Ihre Rechnung. Bei 230 Tagen, die Wochenenden und „großzügig“ sechs Wochen Ferien abgezogen, ergibt das

805 Euro im Jahr.

Teuer werde aber vor allem die Ferienbetreuung. Jede Woche koste 90 Euro. Und – was viele Eltern zusätzulich aufregt, der Bedarf für das Schuljahr 2012 und 13 ist jetzt schon bei der Anmeldung festzulegen. „Wir rechnen hier optimistisch damit, dass wir neben den drei Wochen Schliesszeit des Hortes weitere drei Wochen andere Lösungen finden; bei insgesamt 12 Wochen Schulferien im Jahr bleiben dann sechs Wochen Ferienbetreuung…. Also insgesamt 540 Euro im Jahr“. Ihre Gesamtkosten für ein Schuljahr: 1345 Euro im Jahr.

Im Monat ergibt das 112 Euro.

Dagegen rechnet diese Mutter ihre derzeitigen Betreuungskosten für den Hort vor:

Sie zahlt derzeit für die Nachmittags-Betreuung im Hort bis 15 Uhr 77 Euro.

Das ist der Höchstsatz für zwei Stunden Betreuung und beinhaltet Mittagessen und Ferienbetreuung inklusive. Die gesamten Kosten kann die Familie ausserdem „steuerlich geltend machen“.

Insgesamt zahlt diese Familie also für die Ganztagsschule mit GBS 35 Euro mehr pro Monat als vorher im Hort.

Sie benötigt nur zwei Stunden Betreuung am Nachmittag, bei GBS soll diese „Flexibiltät“ der Abholzeit künftig auch möglich sein. Doch selbst bei drei Stunden Hortbetreuung wären, so die Zahlen des „Bildungsberichts 2011“ der Schulbehörde, die monatlichen „Leistungsentgelte für Horte im  Kita-Gutschein-System“ mit 87 Euro pro Monat noch 25 Euro niedriger,  als bei einer dreistündigen Betreuung in der Ganztagsschule mit GBS nach den von Ties Rabe und Schulbehörde vorgesehenen Gebühren. (http://www.bildungsmonitoring.hamburg.de/index.php/file/download/1606)

Was diese Mutter besonders empört, die Rahmenbedingungen bei GBS sind deutlich schlechter als in den Horten. Das betriff ua. den Betreuungsschlüssel: Künftig soll 23 Kinder von einem Erzieher betreut werden, in sozialen Brennpunkten 19. Im Hort der Betreuer Kind Schlüssel betrug vorher dem amtlichen “ Bildungsberichts 2011″ zufolge  für drei Stunden Hort 13,87, demnach wurden rund 14 Kinder im Durchschnitt von einem Erzieher betreut. Auch die übrigen Rahmenbedingungen für GBS werden von Eltern seit Bekanntwerden der Details massiv kritisiert:  Das Fehlen von pädagogischen Fachkräften und festen Bezugspersonen,  fehlende Ruhe- oder Gruppen- Räume. Spiel- und Tobe -Flächen, mangelhafte Raum-Ausstattung, fehlende Kantinen und unzureichenden Ausbaupläne, bei denen Essen nur unter Raum- und Zeitmangel möglich ist, fehlende Produktionsküchen für frisch zubereitetes Essen, die Einschränkung von Freiräumen am Nachmittag für Kinder und Familienzeit, zB. für Eltern in Schicht- oder Teilzeit oder für die Nutzung von Jugendhilfeangeboten.

Empörung löste bei Eltern am Donnerstag auch die von Ties Rabe vorgesehene Regelung aus, dass Eltern mit niedrigeren Einkommen für Zuschüsse zum Mittags-Essenspreis eine detaillierte Einkommensteuererklärung abgeben müssen, die auch die Lieferanten des Schulessens erhalten sollen. „Schulen informieren Firmen über Eltern-Einkommen“, titelte gestern das Abendblatt, demzufolge 30.000 Schüler davon betroffen wären. http://www.abendblatt.de/hamburg/article2272084/Schulen-informieren-Firmen-ueber-Eltern-Einkommen.html

Nachdem sie die Mehrkosten von 35 Euro für die GBS Betreuung ausgerechnet hatte, erinnerte sie sich an das Versprechen des Senators, diese Mehrkosten zurückzuerstatten. Sie fragte beim Schulamt nach. Was man ihr dort mitteilte, machte die Mutter erneut sprachlos. Der Fall einer zweistündigen Nachmittagsbetreuung sei nicht vergleichbar mit der dreistündigen bei GBS, die Rückerstattung sei nur für eine dreistündige Betreuungszeit am Nachmittag vorgesehen, die Mehrkosten würden deshalb nicht erstattet. Außerdem: Bei dreistündiger Betreuung wäre GBS billiger.

 „Keiner zahlt mehr“: heißt es in der betreffenden Passage der amtlichen „Mitteilungen des Senats an die Bürgerschaft zur Weiterentwicklung von ganztägigen Angeboten an Schulen“ in der Drucksache 20/3642 vom 27.3.2011. „Ein „Ausgleich etwaiger Gebührenmehrbelastungen im GBS System“ ist darin ausdrücklich vorgesehen, eine Einschränkung in punkto Stundenzahl wird nicht erwähnt.  Allerdings taucht dort eine andere Einschränkung auf, die die Eltern beunruhigt:

„Die Ermäßigung wird maximal bis zur Höhe des zuletzt im Gutschein angesetzten Hortbeitrags gewährt. Zur Ermittlung der höheren Gebühr wird die von den Eltern nachgewiesene durchschnittliche Essensbuchung herangezogen, heißt in den Senatsmitteilungen. https://www.buergerschaft-hh.de/Parldok/Cache/AD626126BAF4C8C08D0107A0.pdf

Wer Rückzahlungen beantragen will, braucht demnach einen Kita-Gutschein des bisherigen Hortbeitrags. Die Sorge der Eltern: Kinder, die vorher keinen Hort besucht haben, und das werden schon bald alle Grundschüler sein, hätten demnach keinen Anspruch auf Rückzahlungen, wenn GBS teurer wird als die bisherigen Horte. Sie gingen dann leer aus: Das Versprechen „keiner zahlt mehr“ des Schulsenators wäre mit dieser Einschränkung schon in absehbarere Zeit wertlos.

 Nachtrag: Massive Kritik äußern die Eltern auch an der Informationspolitik von Senator und Schulbehörde. Während die Antragsfrist bald abläuft, bleiben viele Fragen offen. Nur ein Beispiel: Wie sollen Eltern bei der Anmeldung im August wissen, wann und vieviel Ferien sie im kommenden Jahr machen können, was ist, wenn sie weniger Ferienbetreuung benötigen als geplant,  bekommen sie das Geld zurück? Und was ist, wenn Eltern mehr Ferienbetreuung benötigen als ursprünglich geplant.