Ein sprachloser Ties Rabe – ARD Bericht zieht „verheerende Bilanz des Turbo G8“

5 Nov

Vielen Eltern in Hamburg, die sich seit Einführung des Turbo G8 vor 10 Jahren gegen Druck, Überforderung und lange Schultage des G8 wehren, bescherte die Sendung „Titel, Thesen, Temperamente“ des ersten Programms der ARD am Sonntag abend ein dreifach beglückendes Erlebnis!!!

Warum dreifach beglückend?

1. Zum ersten Mal erlebten sie einen Schulsenator, der sich auf eine Frage eines Journalisten nicht wie gewohnt mit vielen schmückenden Worten glatt aus kritischen Fragen herauswand: Ties Rabe war schlicht sprachlos! 2. Der Bericht mit der „verheerenden Bilanz des Turbo G8“ kam aus HH, eine Ausrede wie „Bayern ist viel schwerer“ war also nicht möglich. 3. der Beitrag lief in der ARD und brachte auf den Punkt, wogegen Eltern seit 10 Jahren in HH kämpfen und wofür sie sich einsetzten: Für eine Wiedereinführung des G9 an Gymnasien –  am besten umgesetzt in einer Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 an den Gymnasien!!!

Seit 10 Jahre, seit Einführung des Turbo G8 an Hamburgs Gymnasien, engagieren sich Eltern in Hamburg gegen die Verkürzung der Schulzeit an Gymnasien von 9 auf 8 Jahre. Die Eltern protestieren gegen eine gesundheitliche Überforderung ihrer Kinder durch pädagogisch unsinnig lange Unterrichtstage von 8 bis 11 Pflichtstunden am Tag, und gegen eine 50 Stundenwoche für Schüler ab 1o, 11 Jahren, rechnet man Hausaufgaben etc. dazu. Eltern kritisieren das Chaos der täglich wechselnden langen und kurzen Tage in der Schule, der fehlenden klaren Zeitstrukturen bei Mittagessen, Hausaufgaben, Üben, Referaten, den Mangel an Freizeit und Erholung. Sie protestieren gegen das Zusammenpressen des Stoffs von insgesamt 13 in 12 Schuljahre, die fehlende Ausstattung der Schulen mit Räumen, Kantinen und Personal und gegen den Eingriff in die selbstbestimmte Zeit für außerschulische Aktivitäten der Kinder, für Familienleben und elterliches Erziehungsrecht.

Die Eltern-Proteste gegen das G8 prallten jedoch gegen eine Mauer der Abwehr bei allen verantwortlichen Schulpolitikern – sowohl bei CDU und FDP, unter deren Regierung das G8 eingeführt worden war, als auch beim derzeitigen Schulsenator Ties Rabe von der SPD, der erst vor wenigen Wochen auf die Frage von Eltern audrücklich erklärte, dass er für Kinder und Jugendliche am Gymnasien kein G9 zulassen werde, weil es ja das G9 ja schon an den Hamburger Stadtteilschulen gebe.

Umso erstaunlicher für die kritischen Eltern die Reaktion des Schulsenators in dem Bericht der ARD am Sonntag. Von den Reportern gefragt, was denn das Gute am G8 sei, rang Ties Rabe um Worte – und fand keine. Die Sprachlosigkeit des Schulsenators wirkte wie ein ungewolltes Zugeständnis an die kritischen Eltern.

„Die Bilanz nach zehn Jahren Turbo-Abi ist verheerend.“ so überhaupt das Resumee in dem TTT Bericht, der damit die jahrelange Kritik und Proteste der Eltern am G8 bestätigte. Nach einer aktuellen Emnid-Umfrage wollten knapp „80 Prozent der Eltern das alte Gymnasium zurück“, so es hieß es in dem Bericht, in dem dann auch die Gründe für diese verheerende Bilanz aufgezählt wurden:

„Da wächst eine Generation ohne Zeit auf. Ohne Zeit für das, was Spaß macht. Ohne Zeit für Musikinstrumente und Sport.“so der ARD Bericht, in dem Schüler, Lehrer und Schulleiter aus Hamburg zu Worte kamen. Die verkürzte Schulzeit stresse auch Lehrer, denn sie hätten „täglich mit kaputten und überforderten Schülern zu kämpfen“. Der Schulleiter des Emilie Wüstenfeld Gymansiums in Hamburg, Winfried Rangnick, kritisiert in dem Bericht: „Das eine ist tatsächlich der Wechsel von G9 auf G8, eine größere Anzahl an Stunden, längere Schultage, gerade auch für Schüler im Alter von 13 bis 16, in der Pubertät oft schwierig, wo sie mehr Zeit für sich bräuchten. Der andere Teil, den wir wahrnehmen, ist, dass sich gesellschaftlich etwas verändert hat. Der Druck der Gesellschaft, der sich den Schülern auf welche Weise auch immer mitteilt, ohne dass Eltern gezielt darüber sprechen, glaube ich, lautet: Streck dich nach der Decke, es kann schwierig werden, es gibt eine hohe Konkurrenz.“

Vielleicht ist sei das G8 „einfach kein gutes Modell“, so die ARD Reporter. Manche Bundesländer planten schon eine „Rolle rückwärts… denn auf der Strecke bleibt: die Kindheit, die Jugend. Die Schüler sind früher fertig – in jeder Hinsicht. „Es ist ein hoher Preis, den die Schüler und Lehrer an den Gymnasien zahlen für, ich will mal sagen, eine Laune der Wirtschaft, die irgendwann mal alle Kultusminister überzeugt hat“, so denn auch die Kritik eines Lehrer.

„Reife kann man nicht beschleunigen“, so bringt der Bericht die Sorgen, Proteste und Kritik von Eltern, Schülern, Lehrern und Schulleitern auf den Punkt: “ Für viele Schüler, Eltern und Lehrer ist das Turbo-Abi durchgefallen. „

http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/ndr/2012/turboabitur-100.html

Advertisements

4 Antworten to “Ein sprachloser Ties Rabe – ARD Bericht zieht „verheerende Bilanz des Turbo G8“”

  1. Berta November 7, 2012 um 11:52 am #

    Meine Güte!! Was für eine Zumutung sind Schulpolitiker und Schulpolitik in diesem unserem Lande! Jede Landesregierung experimentiert ungestraft auf Kosten der Kinder und Lehrer laienhaft vor sich hin und hängt das Mäntelchen in den jeweiligen Wählerwind. Und nun hat unser Schulsenator, nachdem er schon lange das Hörvermögen (für die Sorgen der Eltern, Lehrer und Kinder) verlor, nun offenbar auch noch das Sprachvermögen eingebüßt. Das ist schon besorgniserregend. Für den Fall, dass der Schulsenator noch schreiben kann, wovon ich ausgehe, denn er zeichnet ja im Film Akten ab…, könnte er doch mal seinem Kollegen in Hessen eine SMS schicken und nachfragen, ob der ihm die Nachteile von G8 mal beim SPD Adventskaffee erklären könnte… denn dort hats ja offenbar ein ganz klein wenig „klick“ gemacht… …. http://www.fr-online.de/rhein-main/spd-g8-g9-bildungspolitik-streit-ueber-die-gymnasien,1472796,20803454.html

  2. hjm November 10, 2012 um 9:56 am #

    Alles richtig, aber de fakto hat Rabe doch Recht: Eltern, die ihrem Kind den Stress nicht zumuten wollen, können es doch auf die Stadtteilschule schicken. Warum stimmen die Eltern (und Schüler) nicht mit den Füßen ab?

    • kirschsblog November 11, 2012 um 9:53 pm #

      Lieber Leserbriefschreiber: Das Gysmnasium hat ein eigenen Profil mit Konzentration auf die Hochschulreife, dafür wollen sich Eltern frei entscheiden können, ohne den Zwang zu einem Turbo Druck und Dauerhektik G8, für das nicht einmal Schulsenators irgendwelche Vorteile nennen kann. Für die Kinder am Gymnasium sind 8 bis 11 Stunden Pflichtunterricht am Tag genauso pädagogisch unsinnig wie für Kinder an der STS. Kinder am Gymnasium haben genau wie andere das Recht auf selbstbestimmte Aktivitäten außer der Schule, auf Familienleben und auf freie Zeit, in der sie ihren Interessen nachgehen, ihre besondere Fähigkeiten vertiefen und am kulturellen, sozialen und sportlichen Leben außerhalb der Schule teilnehmen können. Und sie haben ein Recht auf Erholung und Kindheit! Ihre Elternhaben genau wie andere Eltern das ein Erziehungsrecht, und zwar nicht nur in den Abendstunden, die auch noch mit Arbeiten nach der Schule für die Schule befrachtet sind. Das G8 war auch nach Aussage von FAchleuten insgesamt eine unsinnige Reform und ein Fehler. Deshalb fordern Eltern die Rückkehr zum G9 auch am Gymnasium und zwar am besten als Wahlfreiheit zwischen G8 und G9. Dann kann jedes Kind sein Tempo frei wählen, an der Schule seiner Wahl!

    • Tungurahua Januar 20, 2013 um 7:28 am #

      Zitat hjm: „Eltern, die ihrem Kind den Stress nicht zumuten wollen, können es doch auf die Stadtteilschule schicken. “

      Weil an den Stadtteilschulen zu viel Chaos herrscht. Weil „Methoden“ wichtiger sind als Inhalte. Weil an den Stadtteilschulen der schwächste Schüler bestimmt wie viel gelernt wird. Weil Differenzierung in einem Klassenraum stattfindet. Was ALLE Lehrer überfordert. Und die Inklusion noch obendrauf. Die Lehrer dürfen sich ja nicht beschweren. Weil nur immer nur Fördern im Vordergrund steht und nie Fordern. Dort das „Jahr wiederholen“ abgeschafft wurde was dazu führt, dass Schulversager über mehrere Jahre NICHTS lernen. Wer will sein Kind neben einem Dauerunterrichtsstörer setzten gegen den der Lehrer NICHTS mehr in der Hand hat? Und so weiter …. und so weiter.

      Deswegen.

      Ein Stadtteilschullehrer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s