LESEN: mangelhaft – Die Hamburger Ergebnisse des „Chancenspiegels“ der Bertelsmann Stiftung – Feriennachlese

18 Mrz

Hamburgs Schulsystem gehört bei der Förderung von Lesekompetenz bundesweit zu den Schlusslichtern, liegt aber beim Anteil der Abiturienten und der Ganztagsschulen im Vergleich zu anderen Bundesländern an der Spitze. Das ist das Ergebnis des „Chancenspiegels“ , der neuen Bildungsstudie der Bertelsmann Stiftung und der Universität Dortmund, in der die Chancengerechtigkeit und Leistungsfähigkeit der Schulsysteme der Länder untersucht wurde. In der letzten Woche wurden die Ergebnisse vorgestellt: Nach wie vor ist dieser Studie zufolge die Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in den deutschen Schulsystemen groß. Es gibt allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern und auch innerhalb der Bundesländer gibt es sehr unterschiedliche Ergebnisse bei den vier untersuchten Kriterien „Durchlässigkeit, Integrationskraft, Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe bzw. Schulabschlüsse. Kirschsblog stellt die Hamburger Ergebnisse vor.

Förderung der Lesekompetenz in Hamburg

Neuntklässler in Hamburg schneiden bei der Leseleistung im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders schlecht ab. Dabei sind die leistungsstärksten Schüler bundesweit noch im Mittelfeld, zu den Schlusslichtern in punkto Lesekompetenz gehören dagegen die leistungsschwächsten Jugendlichen. Zu den schwächsten Bundesländern gehört Hamburg auch in der Frage des Zusammenhangs von Lesekompetenz und sozialer Herkunft. Die „Jugendlichen aus den oberen Sozialschichten haben einen Vorsprung von 81 Kompetenzpunkte gegenüber Jugendlichen  aus den unteren Sozialschichten der Klasse 9“. Zum Vergleich: In der besten Gruppe beträgt dieser Abstand 52 Kompetenzpunkte, im Bundesdurchschnitt beträgt der Unterschied 67  Kompetenzpunkte. Zwar wird in der Studie betont, dass die deutschen Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu Pisa 2000 bei PISA 2009 ihre Leistungen signifikant gesteigert haben, doch gibt es noch immer gibt es eine deutliche Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Schulleistung. In Hamburg fällt diese besonders groß aus. Bei der Förderung leistungsschwächerer oder sozial benachteiligter Schüler muss Hamburg deutlich nachlegen. Dies trifft auch auf die anderen Stadtstaaten Berlin, Bremen und zum Teil auf Bayern zu. http://www.chancen-spiegel.de/downloads-und-presse.html?no_cache=1

Schulabschlüsse in Hamburg

Sehr viel besser schneidet Hamburg beim der Abi-Quote ab. Hier liegt die Hansestadt in der  Spitzengruppe: 52,5 Prozent der jungen Erwachsenen erreichen die Hochschulreife. Im Bundesdurchschnitt sind es  46,4 Prozent. Beim Anteil der Schulabgänger ohne Schulabschluss liegt Hamburg mit 8,2 Prozent bei einem Bundesdurchschnitt von 7,0 Prozent im Ländervergleich in der Mitte. Allerdings ist der „Anteil der ausländischen Abgänger ohne Hauptschulabschluss an der

ausländischen Wohnbevölkerung“ mit 16 Prozent besonders hoch. Hamburg gehört hier mit 16,5 Prozent wieder zu den Schlusslichtern, zusammen mit Hessen, Niedersachsen und Sachsen.

Durchlässigkeit in Hamburg

Die Chance eines Kindes aus oberen Sozialschichten, das Gymnasium zu besuchen, ist in Hamburg höher als im Bundesdurchschnitt. Sie liegt laut Bertelsmannstudie 2,6 mal höher (Bundesdurchschnitt 4,5 mal höher) als die eines Kindes aus unteren Sozialschichten, bundesweit ist dieser Faktor mit 4,5 viel höher. Hamburg liegt damit in der Spitzengruppe. Untersucht wurde auch der Anteil der Schüler, der ohne Abschluss oder mit maximal einem Hauptschulabschluss einen Ausbildungsplatz im Dualen System erhält. Hier liegt Hamburg mit 39, 9 Prozent in der Mittelgruppe, Im Vergleich: Bayern liegt hier mit 54,5 Prozent in der Spitzengruppe. Bei den Klassen-
Wiederholern der Sekundarstufe lag Hamburg mit 3,1 Prozent im Länderbergleich in der mittleren Gruppe, bei einem Bundesdurchschnitt von 2,9 Prozent.

Bei Ganztagsschulen liegt Hamburg in der Spitzengruppe, mit 47,1 Prozent aller Schüler in der Primar- und Sekundarstufe, die eine Ganztagsschule besuchen, gegenüber 26, 9 Prozent im Bundesdurchschnitt.http://www.chancen-spiegel.de/ergebnisse-der-laender.html

Zur Integrationskraft führt Bertelsmann verschiedene Punkte an. Ua. nennt die Studie den „Anteil der Schüler mit besonderem Förderbedarf in allgemeinen Schulen an allen Schülern mit besonderem Förderbedarf“. Dieser beträgt im Schuljahr 2009/2010 in Hamburg 21,1 Prozent. Damit  gehört Hamburg laut Studie zu den Bundesländern mit einem „mittleren Inklusionsanteilen“.http://www.chancen-spiegel.de/daten-und-fakten/anteil-der-schueler-mit-besonderem-foerderbedarf-in-den-allgemeinen-schulen-an-allen-schuelern-mit-besonderem-foerderbedarf-schuljahr-20092010/indikator/55/indcat/3/indsubcat/0.html?no_cache=1

Die Daten des „Chancenspiegels“ beruhen auf Zahlen, die bis Ende September 2011 in den amtlichen Bundes- und Länderstatistik vorlagen, sowie auf Befunden aus Leistungsstudien wie PISA oder IGLU. Das sei nur ein „Recycling bereits altbekannter Daten“, kritisierte dies  der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Hans-Peter Meidinger, „ Gemäß dem Qualitätskriterienkatalog der Studie sei das gerechteste Bildungssystem das, „welches 100 Prozent Abiturquote, 100 Prozent Inklusionsquote und 100 Prozent Ganztagsschulquote aufweise“.http://bildungsklick.de/pm/82882/nur-ein-recycling-bereits-altbekannter-daten/. Zwischen Pisa 2000 und Pisa 2009 habe sich im Übrigen der Zusammenhang zwischen Kompetenzerwerb und Herkunft  abgeschwächt“, so zitiert die WELT  Bildungsforscher Kai Maaz von der Universität Potsdam, dessen Schwerpunkt im Bereich der sozialen Ungleichheit im Bildungswesen liegt. Die Verbesserung der deutschen Pisaergebnisse im Jahr 2009 hätten vor allem Schüler aus sozial benachteiligten Familien und mit Migrationshintergrund bewirkt.

Um das Kriterium Herkunft aber noch unwichtiger zu machen, empfiehlt Maaz in der WELT den weiteren Ausbau der Ganztagsschule. htp://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13918620/Schulen-sind-besser-als-ihr-Ruf.html 

Allerdings, der „Chancenspiegel“ selbst weckt Zweifel, ob die Ganztagsschule die Erwartungen wirklich erfüllen kann, das“ Kritierium Herkunf unwichtiger zu machen“. Denn wie die Autoren der Studie betonen: „Keine unserer Analysen der genannten Stichproben kommt zu dem Ergebnis, dass Schülerinnen und Schüler, die eine Ganztagsschule besuchen, signifikant besser in den Kompetenztests abschneiden. …Offenbar gelingt es auch Ganztagsschulen bisher nicht, den viel zitierten straffen Zusammenhang zwischen der Herkunft der Schüler und deren Leistung zu entkoppeln“. http://www.chancen-spiegel.de/downloads-und-presse.html?no_cache=1

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