Hochbegabt – für einige ein Glück, für viele Kinder ein Problem: Hamburg fehlt es an Angeboten zur Förderung hochbegabter Kinder – Das Interview

24 Feb

Jaana Rasmussen ist die erste Vorsitzende der „Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGHK)“ in Hamburg. Die DGHK setzt sich für die Belange von hochbegabten Kindern und Jugendlichen ein und berät deren Eltern. Außerdem berät die DGHK Lehrer und Schulen bei der Entwicklung von Konzepten zur Hochbegabtenförderung und setzt sich für Belange der Hochbegabten in der Bildungspolitik ein. Jaana Rasmussen ist selber Mutter von zwei hochbegabten Kindern.

Welche Eltern haben nicht schon einmal davon geträumt: Wie wunderbar wäre es, wenn dem eigenen Kind in der Schule Mathe und Physik nur so zufliegen würde, wenn es Grammatik-Regeln sofort begreifen könnte, wenn es Vokabeln nicht immer wieder gepaukt werden müssten – so muss es sein, denken viele, wenn man ein hochbegabtes Kind hat. Doch für Kinder kann Hochbegabung zum Problem werden, Hochbegabte sind keine Hochleister, auch sie benötigen eine besondere Förderung.

Heute schließen 15 Hamburger Lehrer offiziell vor der Presse einen einjährigen Lehrgang für die Hochbegabtenförderung am Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) ab. Doch für hochbegabte Kindern in Hamburg gibt nach wie vor viel zu wenig Angebote, erklärt Jaana Rassmussen in einem Interview mit Kirschsblog:

Kirschsblog: 15 Grundschul- und Gymnasial -Lehrer in Hamburg haben jetzt eine Ausbildung für das Erkennen und Fördern von hochbegabten Kindern und Jugendlichen abgeschlossen. Ist das ein gutes Zeichen für die Hochbegabtenförderung in HH?

Jaana Rasmussen: Es ist begrüßenswert, dass 15 Hamburger Lehrer nun diese Zusatzqualifikation haben, bei einer Anzahl von 350 staatlichen Schulen in Hamburg kann das nur ein Anfang sein.

Kirschsblog: Kinder und ihre Eltern erleben Hochbegabung zunächst oft gar nicht als Riesenglück, sondern erst einmal als Riesenproblem. Auch ihr Sohn ist hochbegabt, wie war das bei Ihnen?

Jaana Rasmussen: Wir haben unseren Sohn auf der Grundschule um die Ecke eingeschult. Wir hatten schon den Eindruck, dass er sich ein bisschen mehr für Themen interessiert, als andere Kinder seiner Altersgruppe. Aber wir waren der Meinung , er soll auf eine ganz normale heterogene Schule gehen. Zusätzlich fand die Schulleiterin ihn dann noch so verspielt, dass sie ihn erst mal in die Vorschule gegeben haben. Und es gab dann in der ersten Klasse nach Wochen schon so massive Probleme, dass wir dringend geraten bekommen haben, einen Intelligenztest zu machen und der fiel entsprechend hoch aus.

Kirschsblog: Da stellte sich heraus, dass er hochbegabt ist?

Jaana Rasmussen: Ja, wir haben uns natürlich erst mal gefreut, denn er hat keine Störung, sondern er denkt einfach nur schneller als andere Kinder. Wir dachten damals, es wird sicher jemanden in der Schulbehörde geben, der sich damit auskennt und entsprechende Schritte in die Wege leiten kann. Uns wurde dann eine sogenannte Schmetterlingsschule empfohlen, zu der wir gewechselt sind. Zu unserer großen Enttäuschung gab es dann aber auf dieser Schmetterlingsschule überhaupt keine Kenntnisse über hochbegabte Kinder und deren Bedürfnisse und nach kürzester Zeit gingen die Probleme von vorne los.

Kirschsblog: Bei Hochbegabung denkt man eigentlich nicht an Probleme?

Jaana Rasmussen: Es gibt ein weit verbreitetes Vorurteil, dass die Hochbegabten, schon durchkommen. Die finden ihren Weg. Das mag auf einige zutreffen, für einen Großteil stimmt das aber nicht. Hochbegabung heißt nicht, dass das Kind problemlos durch die Schule rutscht, sondern Hochbegabte brauchen genauso Förderung wie andere Kinder. Sie benötigen eine spezielle Förderung, in der ihr Potenzial erkannt wird und die berücksichtigt, dass sie Unterrichtseinheiten schneller und vertiefender machen können. Das Wissen darüber sollte in allen Schulen bekannt sein und es sollte darüber vernünftige Beratung von Fachkräften geben, die das Kindeswohl im Blick haben.

Kirschsblog: Was genau bedeutet überhaupt „ hochbegabt“?

Jaana Rasmussen: Als hochbegabt gelten Menschen mit einem Intelligenzquotient von 130 und mehr. Es sind pro Jahrgang jeweils 2-3% , das macht bei einer Schülerzahl von rund 240.000 im Jahr 2011 insgesamt 4.800-7.200 Schüler in Hamburg. Es handelt sich also nicht nur irgendeine Randgruppe! Zum Vergleich: Legasthenie haben 5% der Kinder, Dyskalkulie 4-6%. Über Legasthenie und Dyskalkulie sind Lehrer gut informiert und es gibt ein viel dichteres Netz von Hilfsangeboten als bei einer festgestellten Hochbegabung.

 Kirschsblog: Inwiefern kann es bei Hochbegabung zu Problemen kommen?

Jaana Rasmussen: Ein wichtiger Punkt ist, dass das Wissen in den Schulen Einzug erhält, dass Hochbegabte nicht gleich Hochleister sind. Hochbegabte sind nicht automatisch Einser-Schüler, die immer ordentlich ihre Hausaufgaben machen und ohne Probleme ihr Abitur bestehen. Viele Hochbegabte brauchen spezielle Förderung, um ihr Potenzial zu entfalten und auch Arbeitstechniken zu erlernen. Wenn es gut läuft, haben sie ein Kind, das die Grundschule unbeschadet übersteht – es brauchte in den vier Jahren aber keine Lerntechniken zu entwickeln. Ein Beispiel ist ein Junge aus unserem Verein, er ist jetzt in der 6 Klasse eines Gymnasiums und schreibt schlechte Noten, trotz Hochbegabung und trotz Interesses für verschiedene Themen. Weil er nicht umsetzen kann, was im Unterricht gelehrt wird. Er wird jetzt vermutlich die 6. Klasse nicht schaffen. Nach dem neuen Schulgesetz in Hamburg entscheidet der Notendurchschnitt nach der 6. Klasse, ob Kinder am Gymnasium bleiben oder gehen. Danach gibt es keinen Weg mehr zurück aufs Gymnasium. Die Eltern haben sich wiederholt seit Jahren an die Behörde gewandt, auch an die Beratungsstelle, und da wurde immer gesagt, der Junge kommt doch gut mit in der Schule, was wollen Sie denn hier?

Kirschsblog: Welche anderen Probleme kann es geben?

Jaana Rasmussen: Ein weiteres Beispiel ist ein Junge, der mit 8 Jahren in die dritte Klasse ging. Er war komplett unterfordert, weil er den Schulstoff bis zur 4. Klasse selbständig gelernt hatte. Der Junge war im Unterricht laut, unkonzentriert, hat nicht mitgemacht, musste regelmäßig zur Direktorin, und dann von seinen Eltern abgeholt zu werden. Die Eltern haben ihn testen lassen und es wurde eine Hochbegabung nachgewiesen. Die Schule hat darauf aber erklärt, das habe doch nichts mit den Unterrichtsstörungen zu tun. Es ging so weit, dass der Junge aggressiv wurde und um sich geschlagen hat und die Direktorin ihn bei der Kriminalpolizei angezeigt hat- einen Achtjährigen! Dieses Kind wurde dann durch intensive Intervention der Eltern und des Jugendamts begleitet. Er hat die Schule gewechselt, die Klasse übersprungen, hat Freunde und freut sich, dass er etwas lernen kann.

Kirschsblog: Zwei Fälle, in denen Jungs betroffen sind.

Jaana Rasmussen: Unsere Hauptkandidaten sind Jungs in der Grundschule, die sich einfach langweilen. Die Mädchen ziehen sich eher in sich selbst zurück, kauen Fingernägel. Mädchen neigen auch dazu, absichtlich Fehler in die Arbeit einzubauen, oder sich gar nicht mehr zu melden. Jungs reagieren eher auffällig. Wir haben Kinder, die schon in psychiatrischen Einrichtungen waren, die sämtliche Tests gemacht haben, auf psychische Störungen. Die denken schon selber, sie haben Behinderungen oder sind Außenseiter. Kinder, die gar keine sozialen Kontakte in der Schule haben, weil alle sie seltsam finden. All das müsste nicht sein, wenn man die entsprechend fördern und auch in den Schulen aktiv zusammen bringen würde. Das sind Schicksale, die zum Teil ganz schwer auszuhalten sind.

Kirschsblog: Sie haben von Schmetterlingsschulen gesprochen. Was genau versteht man darunter und gibt es dort besondere Angebote für Hochbegabte?

Jaana Rasmussen: Ein Junge, der zu unseren Kursen der DGHK kommt, er ist 10 Jahre alt und war auf zwei Schmetterlingsschulen, hat das einmal so beschrieben: „Schmetterlingsschulen sind Schulen, die zwar Hochbegabte annehmen, aber sich dann nicht darum kümmern und erwarten, dass sie sich wie normale Durchschnittsschüler verhalten!“ Schmetterlingsschulen sollen „begabungsentfaltende“ Schulen sein. Die bekommen Fortbildungen und bestimmte Beratungsprogramme von der Hamburger „Beratungsstelle besondere Begabungen“. Diese Beratungsstelle ist ein Referat der Schulbehörde. Die Eltern von Hochbegabten, die schon Schwierigkeiten in der Schule haben, oder bei denen ihre überdurchschnittliche Begabung schon vor der Schule festgestellt worden ist, wählen gezielt die Schmetterlingsschulen an, weil sie hoffen, dass man mit ihrem Kind dort besonders verfährt.

Kirschsblog: Was unterscheidet denn die Schmetterlingsschulen von anderen Schulen?

Jaana Rasmussen: Die Schulen können sich mit ganz unterschiedlichen Projekten um ein Schmetterling-Zertifikat bewerben. Das kann zum Beispiel Frühförderung in Englisch sein, oder in Französisch. Das heißt es gibt englisch und französisches Singen, Klatschen und Spielen ab der ersten Klasse. Aber das deckt nicht die Herausforderung ab, die hochbegabte Kinder mit sich bringen. Denn diese lernen in einem ungeheuren Tempo Stoff der Klasse, also in viel kürzerer Zeit als andere Kinder.

Kirschsblog: Wie ist die Lage für hochbegabte Kinder insgesamt an den Schulen in Hamburg?

Jaana Rasmussen: Die Lage für Hochbegabte Kinder und Jugendliche ist extrem schwierig, weil es keine verpflichtenden Angebote für sie an den Schulen gibt. Es gibt wie gesagt einzelne Schulen, die sich Hochbegabtenförderung auf die Fahnen geschrieben haben. Das liegt aber in deren Eigenverantwortung und wird weder von der Schulbehörde gefördert, noch wird das in irgendeiner Form überprüft. Jede Schule kann selber sagen, wir machen Hochbegabtenförderung, doch für Eltern bleibt undurchsichtig, was sich dahinter verbirgt. In anderen Bundesländern gibt es zumindest einzelne Schulen, auch Staatliche Schulen, die vernünftige Begabtenförderung machen. In Hamburg gibt es keine einzige Staatliche Schule, die integrierte Begabtenförderung anbietet.

Kirschsblog: Wo finden denn dann Kinder mit Hochbegabung und ihre Eltern in Hamburg Unterstützung.

Jaana Rasmussen: Es gibt die erwähnte „Beratungsstellen besondere Begabung“ bei der Schulbehörde. Da gibt es momentan eine Beraterin mit einer halben Stelle, die bei Schwierigkeiten in der Schule berät, oder die bei Verdacht auf eine überdurchschnittliche Begabung Gespräche führen kann. Allerdings hat die Beratungsstelle damit viel zu geringe Kapazitäten: Sie ist personell unterbesetzt und es gibt sehr viele Anfragen. Zwei Stellen sind außerdem zum Jahresende ausgelaufen und sollen durch die Reduzierung von Förderangeboten neu ausgeschrieben werden.

Kirschsblog: Sie sind Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind. Wie kann die DGhK Hochbegabte und ihren Familien unterstützen?

Jaana Rasmussen: Wir bieten in erster Linie Beratung für die Eltern an, kostenlose Telefonberatung, nach Altersgruppen gestaffelt. Dazu haben wir in sechs Stadtteilen Elterntreffen, bei denen Eltern sich untereinander austauschen, z.B. über Erfahrungen mit bestimmten Schulen, und mit den Leitern der Gruppen bestimmte Themen besprechen können. Darüber hinaus veranstalten wir Familientreffen und bieten Kurse für Kinder und Jugendliche an. Dazu gehören Tagesangebote in den Mintfächern, Naturwissenschaften, auch Robotik mit Lego NXT, bei denen Roboter gebaut und programmiert werden. Es gibt chemische Experimente mit Haushaltsmitteln für Kinder ab 5 Jahren und Kunstkurse. Wir haben wechselnde Themenschwerpunkte wie Recht, Gesetz und Kriminalistik. Es sind außerschulische Themen, und vermitteln den Stoff in einem Tempo, das hochbegabten Kindern gerecht ist, und zwar immer praktisch, so dass sie selbstständig experimentieren können. Entscheidend ist, dass sie mit anderen Kindern zusammen sind, die die ähnlich „ticken“ wie sie. Viele finden bei uns zum ersten Mal Freunde, und das ist so wichtig für die Kinder!

Kirschsblog: Neben der DHKK gibt es auch andere ähnlich Angebote?

Jaana Rasmussen: Genau, es gibt verschiedene Vereine mit ähnlichen Programmen. Auch über diese Angebote in Hamburg informieren wir die Eltern. Dazu zählen Angebote der Universitäten, die schon früh Kinder für bestimmte Fächer begeistern, zum Beispiel Begabtenkurse in der TU-Harburg oder Juniorstudien.

Kirschsblog: Diese Förderangebote kosten aber auch etwas. Wer zahlt das?

 Jaana Rasmussen: Hochbegabung hat nichts mit sozialer Herkunft zu tun. Aber die Schulen verlangen häufig, dass die Eltern alles an außerschulischen Fördermaßnahmen und therapeutischen Maßnahmen unternehmen, bevor schulische Veränderungen für ein Kind möglich gemacht werden. Die Eltern müssen das aber selber bezahlen. Es gibt dafür mit Ausnahme von „Hilfen zur Erziehung“ keine Förderung. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Hochbegabung in allen Bevölkerungsschichten vorkommt also auch Kinder mit Migrationshintergrund. Es betrifft viele Kinder aus schlechter finanziell dastehenden Elternhäusern, die sich überhaupt nicht leisten können, die Kinder irgendwo hin zu fahren und fördern zu lassen, Therapien oder Sozialtrainings zu bezahlen. Es werden wieder die benachteiligt, die sowieso schon sozial und finanziell benachteiligt sind und vielleicht nicht in der Lage, sich irgendwo gezielt Hilfe zu holen. Für Kinder, deren Eltern sich das nicht leisten können, bietet die DGhK eine beitragsreduzierte Mitgliedschaft an und kann die Kosten für Kurse übernehmen. Bestimmte therapeutische Maßnahmen übernimmt die Krankenkasse, wenn Störungen z.B. eindeutig auf Hochbegabung zurückzuführen sind. In der Regel muss man sich mit den Krankenkassen auch noch sehr intensiv auseinander setzen um zu erreichen, dass Therapiekosten übernommen werden. Viele Eltern bezahlen die nötigen Tests selber.

Kirschsblog: Wie finden Eltern Angebote wie das ihrer Gesellschaft ?

Jaana Rasmussen: Die Beratungsstelle der Behörde, mit der wir uns fachlich austauschen, weist auf unser Angebot hin. Häufig haben Kinder und Eltern schon sehr viel mitgemacht, sind von einer oder mehreren Schulen geflogen, sind zum Teil in Psychiatrischer Behandlung oder haben schon Störungen entwickelt, die auf Grund der mangelnden Förderung und der dauernden Unterforderung entstanden sind. Und für Eltern und Kinder ist es extrem wichtig, dass sie mit anderen sprechen, denen es ähnlich geht.

Kirschsblog: Was muß getan werden, um die Lage für Hochbegabte zu verbessern?

Janaa Rasmussen: Am wichtigsten ist, das ein Modul Hochbegabtenförderung in der Lehrerausbildung verankert ist und zwar für alle Lehrkräfte. Diese Module gibt es schon, aber nicht verpflichtend. Ende 2012 können wir solche Module selber anbieten, da wir an einem Pilotstudiengang Hochbegabten-Coaches am ICBF ausbilden. Dazu kommt, dass es keine verpflichtenden Angebote speziell für Hochbegabte an den Schulen gibt. Das muss sich dringend ändern. Es muss flächendeckend Angebote für Hochbegabte geben, so dass jede Schule in der Lage ist, Hochbegabte zu fördern. Wenn das aus Ressourcengründen nicht möglich ist, sollte man Schwerpunktschulen einrichten. Es gibt ja anerkannte Fördermöglichkeiten, das Überspringen von Klassenstufen oder das Drehtür-Modell, bei dem Kinder in bestimmten Fächern, in denen sie sehr schnell sind, die höheren Klassen besuchen. Die Binnendifferenzierung stößt da sehr schnell an ihre Grenzen. Das muss aber strukturell verankert werden, so dass die Förderung der Kinder nicht von den einzelnen Eltern abhängt und davon, wie weit sie in der Lage sind, die Schule zu überzeugen, diese Instrumente zu nutzen! Die Schulbehörde müsste dafür ein verpflichtendes Konzept erarbeiten, zum Beispiel mit der DGhK und dem Netzwerk Begabtenförderung. Es darf den Schulen nicht selber überlassen sein, was sie unter Hochbegabtenförderung verstehen, sondern es muss eine Zertifizierung geben, zu der auch eine Überprüfung der Fördermaßnahmen gehört.

Kirschsblog:  In Hamburg gibt es, wie Sie sagen, dringenden Handlungsbedarf. Wie reagiert man denn bei der Behörde auf ihre Forderungen?

 Jaana Rasmussen: Wir sind im Gespräch mit dem Referatsleiter der BbB, der unsere Forderungen weitestgehend teilt. Er hat aber keinen Auftrag, Qualitätsüberprüfungen an den Schmetterlingsschulen durchzuführen und seine Ressourcen werden ja gerade massiv beschnitten.

Kirschsblog: Sie hatten auch Gespräche mit dem Schulsenator Ties Rabe:

Jaana Rasmussen: Ties Rabe hat uns zugesagt, ein verpflichtendes Modul „Begabtenförderung“ in der Referendarsausbildung zu verankern. Wir werden die Behörde in der Umsetzung begleiten und unterstützen

Advertisements

3 Antworten to “Hochbegabt – für einige ein Glück, für viele Kinder ein Problem: Hamburg fehlt es an Angeboten zur Förderung hochbegabter Kinder – Das Interview”

  1. Jule Februar 24, 2012 um 5:24 pm #

    Ein Missstand auf den gar nicht häufig & laut genug hingewiesen werden kann!!

    Erwähnt werden sollte noch, dass eben tatsächlich ca. 15% der Hochbegaten im staatlichen Schulsystem zu Minderleistern werden und dass es seit Sommer 2011 nun wenigstens die private OKO-Talentschule Hamburg gibt (mit dem Schwerpunkt hochbegabter Underachiever).
    Auch wenn dort noch nicht alles rund läuft: für meinen Sohn war – nach 9 quälenden Jahren im staatlichen Schulsystem mit letztlichem Sitzenbleiben – der Wechsel auf diese Schule ein Segen!

  2. M. Kirsch Februar 24, 2012 um 5:31 pm #

    Vielen Dank, Jule, für den interessanten Hinweis auf die Oko-Schule
    ! M.Kirsch

  3. Oliver Rebach Februar 26, 2012 um 9:44 pm #

    15% ist aber ein sehr konservativ geschätzter Wert. Selbst Prof. Rost, der nun wirklich nicht verdächtig ist, einer Segregation das Wort zu reden, schreibt nach seinen Erhebungen (die in der Form in Deutschland noch immer einmalig sind) von bis zu 30%.

    Tatsächlich aber ist es so, dass das deutsche Schulsystem nicht nur für Hochbegabte zunehmend suboptimal ist. Ich musste mit ansehen, dass meine Kinder 13 Jahre lang auf exakt die gleiche Art und Weise beschult wurden (die Wahl der passiven Form ist Absicht – denn das ist eines der größten Probleme) wie ich vor 30 Jahren – nur mit weniger Konsequenz und Engagement seitens der Lehrenden. An keiner Einrichtung ist der Fortschritt so vorbei gegangen, wie an der Schule. Die zum Teil gut ausgebildeten Lehrer leiden genauso unter diesen Umständen, wie viele Schüler, was die Qualität eben unter den Stand der 70er Jahre fallen lässt.

    Dazu kommt, das Schule zur materiellen Mangelverwaltung verkommt. Und darunter leiden zuerst die Schüler, die leistungsmäßig an den Rändern liegen. Nach meiner Schätzung sind wir bei der 50% Schule angekommen, bei der die unteren 25% hoffnungslos abgehängt werden und die oberen 25% vor Langeweile abschalten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s