Schulausschuss zur Ganztags-Schulreform: Die ganztägige Bildung und Betreuung GBS

15 Feb

Rund drei Stunden ging es um die Details der ganztägigen Bildung und Betreuung, GBS, um Kantinenausbau, Räume, Betreuungsschlüssel, um die Zukunft der Horte, Gebühren und Mittagessen in der geplanten Nachmittagsbetreuung an den Hamburger Grundschulen. Anlass war die große GBS Anfrage in der Hamburger Bürgerschaft, in der die Fraktion der Linken  dem SPD Senat im Dezember 98 Fragen zur geplanten Einführung von GBS an den Schulen gestellt hatte. Die Abgeordneten von Schulausschuss und dem Familien-, Kinder und Jugendausschusses der Bürgerschaft nutzten die Gelegenheit, zu vielen Punkten der 41 Seiten umfassenden Antwort des Senats noch einmal bei Schulsenator Rabe nachzuhaken. (Drs.20/2501)https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/

Ab August sollen rund 40 Grundschulen mit GBS starten, rund 30 Schulen praktizieren GBS schon. Doch der Kaisersaal im Rathaus war nur spärlich besetzt, als Ties Rabe gewohnt eloquent auch kritische Fragen der Ausschussmitglieder beantwortete.  Er habe die Finanzierung gegenüber den Ganztagsplänen der Vorgängerregierung verbessert, betonte der Schulsenator mehrfach, und  nannte Punkte wie das pädagogische Budget für das Personal, Geld für Mobiliar und Kooperationszeiten von Lehrern und Erziehern. Für den Ausbau von Küchen und Kantinen habe man ferner Investitionen von 100 Millionen vorgesehen, so Rabe.

Die Ergebnisse einer Befragung der sieben GBS Pilotschulen, die schon 2010/11 gestartet waren und die er gestern vorgestellt hatte, hätten ihm „Rückenwind“ gegeben, erklärte er. „Die Eltern finden das Angebot gut“. Auf Kritik von Eltern an dieser Befragung ging er nicht ein: So hatte heute Sabine Buhk vom Landeselternausschuss LEA kritisiert, dass das Mittagessen  von den befragten Kindern an den GBS Pilotschulen „sowohl von den äußeren Bedingungen (Lärm, Raum usw.) als auch von der Qualität des Essens“ her als „mittlere Katastrophe“ bewertet worden sei. Die Elternvertreterin  hatte auch darauf hingewiesen, dass 49 Prozent der Kinder erklärt hatten, dass die Räumen nicht gut seien oder „so gehen“, 38Prozent der Kinder hätten erklärt, dass nicht genug Platz zum Ausruhen sei, 44 Prozent fanden die Räume nicht gemütlich.

Die Raumsituation, betonte dagegen Schulsenator Ties Rabe im Ausschuss, werde von den „Betroffenen nicht als Zumutung empfunden“, sie seien mit der „Raumsituation“ vielmehr sehr zufrieden.

Kritik an der positiven Auslegung der Befragungsergebnisse durch den Schulsenator  äußerte der Schulausschuss-Vorsitzende Walter Scheuerl. Er wies darauf hin, dass  77 Prozent der Kinder in der Befragung erklärt hatten, sie seien insgesamt mit der Schule zufrieden, dass aber nur 44 Prozent mit der Nachmittagsbetreuung zufrieden waren. Eltern hätten außerdem erheblichen Nachbesserungsbedarf  beim GBS Nachmittagsangebot festgestellt. Ties Rabe erwiderte, 48 Prozent der Kinder hätten in Hinblick auf das Nachmittagsangebot  mit „weiß nicht“ geantwortet.

Kritische Nachfragen gab es auch von Seiten der GAL. Die Abgeordneten Christiane Blomeke bemängelte, dass die monatlich zu leistenden Gebühren für die Ferienbetreuung insgesamt zu hoch seien, eine Familie mit zwei Kindern müsse zB. 480 Euro für drei Wochen Ferienbetreuung zahlen. Ties Rabe erklärte, im Hort sei es teurer.

Die sozial gestaffelten Mittagessenspreise werde es für von der Vorschule bis zur 4.Klasse der Grundschule geben, erklärte der Schulsenator auf eine Frage von Stefanie von Berg, GAL. Für die Gruppe von ca.1500 Kinder der Klassen 5 bis 8 bis zum Alter von 14 Jahren, die derzeit nachmittags im Hort seien, werde es künftig keine Staffelung der Essenspreise geben. „Belastete Kinder“ bekämen aber Beiträge zurückerstattet.

Ein Punkt, der in den Fragen der Abgeordneten immer wieder auftauchte: Die Flexibilität bei der Nachmittags-Betreuung. „Wir sind im Gespräch, welche Flexibilität möglich ist“, erklärte Ties Rabe dazu. Man müsse  abwägen, zwischen dem Wunsch der Eltern nach flexiblen Betreuungszeiten einerseits, und dem „energischen Anspruch auf qualitativ hochwertigen Angebote“ andererseits. Das seien zwei gegenläufige Interessen, die aber oft von denselben Eltern erhoben würden. Man sei im Gespräch mit den Trägern, um „beiden Interessen gerecht zu werden“.

Nach dem Ausbau der Küchen und Kantinen gefragt, erklärte Ties Rabe, es seien 119 Standorte inspiziert worden. Es würden mehrere Kategorien von Kantinen gebaut. 1. Kantinen in 45 Schulen, die bis zum Sommer fertig würden. 2. Kantinen, die im Jahr 2013 fertig würden. 3. umfangreiche Bauarbeiten, die länger dauern würden. In diesem Fällen werde es zunächst Provisorien geben, einige davon seien „ordentlich“, andere „schwierig“. Da einige Schulen „vielleicht in den nächsten Jahren noch keine Ganztagsschule werden“, Schulen, „die erst in sechs Jahren ausgebaut werden“, überlege man jetzt, Mittel dort zu investieren, wo es nötig sei, also in die Schulen, „die jetzt schon Ganztagsschule sind“. Auf jeden Fall werde es keine Produktionsküchen geben. Man solle das Essen von Caterern, das in Aufwärmküchen zubereitet werde, nicht „verteufeln“ oder meinen, dass dieses Essen keine Vitamine enthalte, erklärte er. 

Eine neue ernährungswissenschafltichen Untersuchung von Schulkantinen hatte in diesem Zusammenhang  kürzlich ergeben, dass mehr als 90 Prozent der deutschen Schulkantinen Qualitätsmängel haben. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung kritisieren die Wissenschaflter, das Essen in Schulkantinen sei fade, verkocht und es fehle an Vitaminen. http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/schulkantinen-das-kind-muss-essen-11637925.html . Der Platz in den Kantinen sei im Übrigen so bemessen, so Ties Rabe, dass jeweils rund ein Drittel der Kinder gleichzeitig essen könne.

Es werde mit der Einführung von Ganztagsschule zu Problemen mit der vielfältigen außerschulischen Angebots-Struktur kommen, zB. in Kirchen oder  im Leistungsunterricht zB. im Bereich Musik, erklärte der schulpolitische Sprecher der CDU Fraktion, Robert Heinemann, und brachte das so auf den Punkt. „Wo bleiben die Kinder?“ Für diesen Zweck werde ein zweiter  runder Tisch geplant, erklärte dazu ein Vertreter der Sozialbehörde. Dort werde man mit allen Beteiligten darüber sprechen, welche Angebote an die Schule kommen können, bei der Jugendmusikschule  werde auch über Modelle nachgedacht. „Das ist im Moment offen“, ergänzte Ties Rabe. „Hier müssen wir aufpassen, dass uns diese Angebote nicht wegbrechen…. Wir müssen institutionell dafür sorgen, dass dies beim Ganztag sichergestellt wird“. Er stelle sich auf keinen Fall vor, dass Schule alles an sich zieht, sondern dass sie sich vernetzt. Bei allen Beteiligten sei eine „Haltungsänderung“ nötig, sagte Ties Rabe und beschwor den „Geist der Zusammenarbeit“. Man müsse den Stadtteil integrieren, erklärte er, das sei aber ein langer Prozess.

Kritische Fragen der Abgeordneten betrafen den Betreuungsschlüssel bei der Nachmittagsbetreuung. Der Schlüssel von 21 Kindern pro Erzieher werde durch das pädagogische Budget reduziert, ebenso dadurch, dass nicht immer alle Kinder an allen Tagen da sein würden, sagte Ties Rabe. Das Problem seien aber die Tage, an denen alle Kinder da sind, erklärte darauf Mehmet Yıldız , Linke.

Ein Thema schließlich tauchte in den Fragen an diesem Abend immer wieder auf: Die Frage, ob es auch künftig ein Nebeneinander von Nachmittagsbetreuung in den GBS Ganztagsschulen und in Horten geben und damit auch Kita-Gutscheine geben wird. Walter Scheuerl wies auf die Entscheidung von Sozialsenator Scheele hin, auch künftig nach 13 Uhr die Kinderbetreuung durch Tagesmütter und -Väter zu finanzieren. Wenn dieses Angebot einer Betreuung in kleineren Gruppen als wichtig und wertvoll bezeichnet werde und erhalten bliebe,  müßte das doch auch für die Horte gelten, erklärte er unter Verweis auf ein Wahlrecht der Eltern bei der Betreuung.

Die Planung sei noch nicht abgeschlossen, erklärte darauf Ties Rabe, daran werde noch gearbeitet, auch an den rechtlichen Grundlagen. Horte und Ganztagsschulen auf Dauer parallel bestehen zu lassen, „mache aber keinen Sinn“, so Ties Rabe, dies sei eine „Übergangslösung“.  Mit seiner Begründung machte er dann klar, dass es dem SPD Schulsenator in dieser Frage nicht um pädagogische Gründe geht. Man wolle 10 000 neue Ganztagsangebote schaffen. Dies werde durch die Doppelnutzung von Schulräumen finanziert. Die Gebäudekosten würden dadurch reduziert, das sei ein Effizienzgewinn. „Wenn wir Horte weiterbestehen lassen, muss man dagegen zweimal große Gebäudekomplexe finanzieren“, fuhr er fort, dann fehle das Geld für weitere Ganztagsangebote. Langfristig würden keine anderen Angebote gebraucht, „weil wir Ganztagsschulen haben“.

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