Nach der Gruppengröße wurde nicht gefragt – Schulsenator Rabe stellt Ergebnis der Befragung von GBS Pilotschulen und neues Gebührensystem vor

13 Feb

Auf die Gruppengröße bei GBS käme es nicht so sehr an – das sei ja auch in Hinblick auf die Auswirkungen von Klassengrößen in der Schule schon bekannt. Die Frage nach der Gruppengröße sei im Rahmen dieser Befragung auch gar nicht möglich gewesen. Das erklärte Dr. Monika Renz, Leiterin des Evaluationsbüros am Landesinstitut LI. Sie ist eine von zwei Autorinnen der „Evaluierung“ der GBS Pilotschulen der ganztägigen Bildung und Betreuung“, GBS, in Hamburg, die Schulsenator Rabe heute Mittag der Öffentlichkeit vorstellte.  Der 70-seitige Bericht stellt die Ergebnisse von Eltern- und Schülerbefragungen, Interviews mit pädagogischem Personal und statistischen Erhebungen an sieben Pilotschulen zusammen, die schon im Jahr 2010/11 gemeinsam mit Jugendhilfeträgern mit GBS begonnen haben.

Rund 40 Prozent der Schüler haben an der schulischen Nachmittagsbetreuung, GBS, der Pilotschulen teilgenommen, so Ties Rabe. Das zentrale Ergebnis der Eltern-Befragung:  Auf einer Skala von eins bis vier erreiche der Satz, „Ich finde, mein Kind ist in der Ganztagsschule in guten Händen“ einen Zustimmungswert von 3,04. Das seien „ordentliche Zustimmungspunkte!“, so bewertete Ties Rabe dieses Ergebnis. „Die Eltern sind mit dem Angebot zufrieden“. Die Eltern waren unter anderem nach ihren  Motiven für die Teilnahme an GBS gefragt worden. Wichtigstes Motiv: Die Eltern wollten die Berufstätigkeit mit der Familie vereinbaren. Außerdem wollten die Eltern, dass „ihre Kinder zusammen mit anderen glücklich spielen können“, erklärte der Schulsenator. Ein weiterer Grund: die  „sinnvollen Angebote“. Eltern hätten hohe Ansprüche an das Angebot, dies sei bei GBS höher als beim Hort. Allerdings gebe es an diesem Punkt noch eine Baustelle, die „Qualität muß steigen“.

Kritisch sähen die Eltern die Qualität des Mittagessens, für die viele Eltern auch mehr Geld ausgeben würden. Wenig kritisch dagegen seien Eltern in der Frage der Raumsituation. Anders als bei „Funktionären“ und „Gremien“ gebe es da offensichtlich eine „große Zufriedenheit“. Allerdings wünschten sich die beteiligten Kita-Leitungen ihrer Befragung zufolge mehr „Kuschelecken“. Die beteiligten Schulleitungen und Horte bewerteten ihre Zusammenarbeit positiv, so Ties Rabe. Die Kinder hätten in den Fragebögen die Wahl zwischen drei verschiedenen Smiley Gesichtern gehabt und meist das lächelnde Gesicht gewählt. Ausnahmen  seien die Themen Hausaufgaben und Spielsachen. Kinder wollten ihre Spielsachen mitnehmen und bei der Auswahl von Spielsachen beteiligt sein.

Was Ties Rabe dabei nicht erwähnte: Die Antwortern der Kinder fielen bei der Frage „Wie gefällt dir der Nachmittag in der Schule“ insgesamt kritisch aus. Weniger als die Hälfte der Kinder (44Prozent)  wählte die positiv lächelnden Smiley, die Mehrheit dagegen wählte das „Weiß nicht“ Smiley (48 Prozent), acht Prozent wählte sogar ein maulendes Smiley, das heißt diese Kinder fühlen sich in der schulischen Nachmittags-Betreung nicht wohl.

Der Begriff“ Evaluation“ sei ein bißchen hochgegriffen, erklärte dann Martin Peters vom paritätischen Wohlfahrtsverband, es handele sich eher um eine „Sachstandsbeschreibung“. Dem stimmte auch Monika Renz zu. Sie erklärte auf Nachfrage, viele Fragen nach der Qualität der Betreuung seien in den Befragungen nicht gestellt worden: Nicht gefragt wurde demnach, wer die Kinder betreut, pädagogische Fachkräfte oder Honorarkräfte, nicht gefragt wurde nach der Fluktuation der Betreuer. Nicht gefragt wurde, ob Kinder in der Betreuung am GBS Nachmittag feste Bezugspersonen haben, und auch die Frage der Gruppengröße, s.o., war nicht dabei..

Es gebe aus der Sicht des paritätischen Wahlfahrtsverbandes bei GBS zwei Zielkonflikte: Einmal den Zielkonflikt zwischen flexiblen Abholzeiten, die von Eltern immer wieder gefordert werden, und dem „besten Angebot“ bei GBS, erlärte dann Martin Peters. „Den werden wir so nicht auflösen können“. Ein zweiter Zielkonflikt bestehe zwischen dem Wunsch der Eltern nach vielzähligen Angeboten und den Vorstellungen von Kindern, die sich auch einmal wünschten „hei, lass mich spielen, ich will auch mal keinen Erzieher sehen“.

Die Einführung von Ganztagsschule in der Fläche sei sehr wichtig, und ein „Glücksfall für den Sozialraum“, so schließlich die Vertreterinnen einer Pilotschule, Frau Knopper, Schulleiterin der Schule Arp-Schnittger-Stieg und die Vertreterin des Kooperationspartners der Schule, Frau Bartels von der Kita Este. In der Zusammenarbeit aller beteiligter Kitas, Verbände und Schulen sehen sie die Perspektive von Ganztagsschulen als „Bildungszentrum in einem Haus“.

Die Studie gebe wichtige Hinweise darauf, wo noch Verbesserungen nötig seien, erklärte Ties Rabe. Dem habe man schon in vielen Punkten Rechnung getragen, so gebe es zusätzliche Mittel für die noch bemängelte Kooperation von Schule und Hortträger, den Ausbau für Kantinen, die Doppelnutzung von Räumen. Kirschsblog hat darüber berichtet. (27.1).

Die Frage, ob es künftig eine Wahlfreiheit zwischen GBS Schule und Hort geben werde, wie im §18 des kürzlich unterschriebenen Landesrahmenvertrags GBS vorgesehen, wollte Ties Rabe nicht eindeutig beantworten. „Das ist noch nicht entschieden, darüber denken wir zur Zeit nach“, erklärte er. Ähnlich auch die Antwort auf eine kleine Anfrage zum Thema in der Bürgerschaft, die seit heute vorliegt: Die Planungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen“.

http://www.walterscheuerl.de/resources/Senatsantwort_20_3115__Hort_GBS.pdf

Das gestaffelte Gebührensystem für Randzeiten, Ferien und Mittagessen

Der Schulsenator stellte dann das angekündigte gestaffelte Gebührensystem für die GBS Betreuung in den Ferien und Randzeiten vor, also in der Zeit von sechs bis acht Uhr morgens und 16 bis 18 Uhr abends.

Während die Betreuung in den der GBS Kernzeit von 13 bis 16 Uhr kostenlos ist, werden für diese zusätzlichen Betreuungszeiten Gebühren erhoben. Diese Gebühren werden künftig sozial gestaffelt sein. Je nach Einkommen und Kinderzahl sinkt die Gebühr um 25%, 50%, 70% und 80% des Höchstsatzes. Dasselbe gilt für die Kosten für das Mittagessen. Der Preis für ein Essen beträgt 3.50 Euro und sinkt nach derselben sozialen Staffelung wie die Gebühren. Für Kinder im Leistungsbezug ist das Essen kostenlos. Geschwisterkinder bezahlen weniger, nämlich 33,3 %, für das zweite, und 20 % für das dritte Kind. Es werde eine Bezahlung mit Chips entwickelt, die die Kinder beim Essen vorzeigen und von dem der jeweils errechnete Betrag für das Essen abgezogen werde, erklärte Ties Rabe.

Für die Vorschule, ergänzte er, gelten generell Gebühren, auch für die Kernzeiten. Die Gebühren von Kita und GBS seien gleich hoch, um einen Disput zwischen beiden Betreuungs-Anbietern zu vermeiden, zwischen denen Eltern von Vorschülern künftig wählen könnten. Die Gebührensysteme, so Ties Rabe, würden nach dem Sommer eingeführt.

In der künftigen GBS zahlt niemand mehr als im Hort, erklärte Ties Rabe schließlich, was zu kritischen Nachfragen führte. Denn wie sich aus Gebührentabelle errechne, so eine Journalisten, zahlten Eltern künftig in den Ferienzeiten bis zu 480 Euro, das sei weit mehr als im Hort.

Kritik gab es schließlich auch von Seiten Verbände. Martin Petes bemängelte die vorgesehenen Regelungen für das Mittagessen, das künftig meist von Caterern kommen und in den Aufwärmküchen in den Schulen erhitzt werden soll. Aus Sicht des paritätischen Wohlfahrtsverbandes „verschenken wir eine wesentliche Qualität“, da das Essen nicht in Produktionsküchen in den Schulen gekocht werden solle. „Das wäre ein Euro teurer, da gibt es eine politische Entscheidung, die bedauern wir“.

Hier die Gebührentabelle:

Die in der Tabelle genannten Gebühren sind Monatsbeträge, die 12 Monate im Jahr zu zahlen sind. Sie gelten für den Vollzahler (100%) ohne Ermäßigung. Die einzelnen Leistungsmodule ergeben addiert die zu zahlende Monatsgebühr.

  Leistungsmodule Monatsgebühr für Vollzahler (100%)
Während der Schulzeit
  Frühbetreuung 06-07 Uhr 30 Euro
  Frühbetreuung 07-08 Uhr 30 Euro
  Kernzeit 13-16 Uhr gebührenfrei
  Spätbetreuung 16-17 Uhr 30 Euro
  Spätbetreuung 17-18 Uhr 30 Euro
 Während der Ferien (pro gebuchter Woche)
  Ferienbetreuung 8-16 Uhr 7,50 Euro
  Ferienbetreuung mit Randzeiten max. 6 bis 18 Uhr 10 Euro

Für die Vorschüler betragen die Gebühren für Betreuungszeiten nur 40% der Beträge aus der Gebührentabelle (12 Euro pro Randzeitenstunde). Zusätzlich zahlen alle Vorschüler für die Betreuungszeit von 13 bis 16 Uhr eine Grundgebühr von 5 Euro.

Fallbeispiel nur Betreuung:

Eltern buchen für ihr Schulkind eine Spätbetreuung von 16 bis 18 Uhr, für Höchstzahler werden dann 2 mal 30 Euro fällig. Zudem werden 8 Wochen Ferien mit Randzeiten gewünscht. Dafür werden 8 mal 10 Euro fällig. Daraus ergibt sich eine monatliche Gebühr für Höchstzahler von 140 Euro.

http://li.hamburg.de/contentblob/3288546/data/download-gbs-evaluation.pdf

 
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