Erstes Einlenken von Schulsenator Rabe: flexiblere Abholzeiten bei der „Ganztägigen Bildung und Betreuung“ GBS angekündigt

19 Dez

Ein erstes Einlenken von Schulsenator Rabe kündigte heute dessen Pressesprecher Peter Albrecht an. Die Abholzeiten bei der Ganztägigen Bildung und Betreuung, GBS, sollen flexibler werden, als bisher vorgesehen.

Die Proteste gegen die SPD Ganztags- Schulreform hatten sich in den letzten Tagen immer mehr ausgeweitet:  Heftige Kritik an den mangelhaften Rahmenbedingungen, an fehlenden Räumen oder dem zu geringem Betreuungspersonal, an mangelnder Flexibilität bei den Abholzeiten, fehlender Information der Eltern und insbesondere an dem hohen Tempo  bei der Umsetzung kam vom Landeselternausschuss  Kindertagesbetreuung (LEA), der Elternkammer, von  Soal e.V. und dem Paritätischen Wolhlfahrtsverband und auch vom Netzwerk der früheren Primarschulgegener „Wir wollen lernen„.

Viele betroffene Eltern fragten sich, ob und wie der Hamburger Senat auf den geballten Protest der letzten Tage reagieren werde. Alle hofften auf ein Einlenken der beteiligten Senatoren, insbesondere von Schulsenator Ties Rabe: Kirschsblog hat dort nachgefragt – und umgehend Antworten von Pressesprecher Albrecht erhalten.

Zunächst gibt es dabei nichts Neues: Wer Entschleunigung wünsche, müsse auch erklären, wie man 1000 neue Betreuungsplätze jährlich schaffen könne und darüber hinaus auch zusätzliche Nachmittagsbetreuung für Kinder, deren Eltern nicht beide berufstätig seien. Kein Problem, sagen dazu Elternvertreter von Horten, es müsse nur Kitagutscheine für alle geben, auch früher habe es Hortplätze für Kinder von nichtberufstätigen Eltern gegeben, die Horte könnten bei Finanzierungsicherheit auch bedarfsgerecht weiter ausbauen.

Ebenfalls nicht neu ist die zweite Antwort von Ties Rabes Pressesprecher Albrecht. Im Jahr 2012 würden nur Schulen starten, die dies „freiwillig“ wollten und die auch die Voraussetzungen erfüllen, die nächsten Schulen würden erst 2013 mit den Ganztagsangeboten starten, und zwar nur „wenn eine ausreichende Nachfrage durch die Eltern vorhanden ist.“

Das sehen viele betroffene Eltern und Elternräte an den Schulen ganz anders: Weil die Behörde demnachst die Kitagutscheine streicht, wann genau, ist noch unklar,  fühlen sich viele Schulkonferenzen erpreßt, jetzt schon eine Umwandlung in GTS zu beantragen, so dass keine Eltern am Ende ohne Nachmittagsbetreuung für ihre Kinder dastehen. Dies gilt für 2012 und erst recht für 2013, und zwar auch, wenn nur eine kleine Minderheit von Eltern die Betreuung benötigt. In einem Fall wird von 50 Eltern mit Betreuungsbedarf berichtet, für die eine ganze Schule nun auf Ganztägige Bildung und Betreuung, GBS, umstellt, gegen eine große Mehrheit von Eltern, die dagegen gestimmt haben.

Die nächste Antwort ist seit heute auch schon bekannt: Statt bisher bis 16 Uhr, soll künftig nur bis 15 Uhr eine Anwesenheitspflicht für Kinder in der  Nachmittagsbetreuung gelten, und zwar an mindestens drei Wochentagen. Dies entspräche dem kleinsten Hortgutschein (H2), mit “ Mittagessen, Freies Spiel und Hausaufgabenbetreuung“, so Peter Albecht.

Ganz neu ist aber folgende Antwort von Ties Rabes Pressesprecher. Sie betrifft eine der Kernforderungen der Eltern, die sich flexiblere Abholzeiten für die GBS –  Nachmittagsbetreuung wünschen. Hier scheint der versammelte  Protest von Eltern, Gremien, Netzwerken und Wohlfahrtsverbänden ein erstes Einlenken des Schulsenators bewirkt zu haben:

„Da das offene Ganztagsangebot gerade keine Schulpflicht bedeutet, kann es auch flexible Vereinbarungen geben, etwa wenn Eltern Schichtdienst haben oder es andere Ausnahmesituationen gibt“

Ein weiterer Punkt betrifft die Essenqualität. Die Eltern hatten sich echte Produktions – Küchen gewünscht, in denen auch gekocht werden kann, nicht nur Küchen, aus denen fertiges Essen ausgeteilt wird. Für Produktionsküchen gibt es nach Auskunft des Pressesprechers Albrecht nicht genügend Geld,  „unter den aktuellen Haushaltsbedingungen“ sei dies nicht ohne eine Erhöhung der Elternbeiträge zu finanzieren. Hohere Beiträge würden aber viele Kinder vom Mittagessen ausschließen. Der Verzicht auf Produktionsküchen bedeute aber keineswegs den Verzicht auf gute Qualität. Es gebe eine Eine Reihe von Essensanbietern, die gute Qualität zu einem akzeptablen Preisen, das sind 3.50 Euro, anbieten könnten.

Zu der Forderung nach mehr pädagogischer Qualität und pädagogischen Konzepten erklärt Pressesprecher Albrecht, jede Schule werde  in „Zusammenarbeit  mit dem von ihr ausgewählten Hortträger ein pädagogisches Konzept“ zur engen „Verzahnung beider Institutionen zum Wohle der Kinder“ festlegen. Um die „qualitätiven Standards sicherzustellen“, werde die Nachmittagsbetreuung werde künftig durch Schulinspektionen  geprüft. Diese Antwort dürfte in den Ohren der Betroffenen Eltern und Gremien zu schwammig ausgefallen sein. Von Eltern der ersten Pilotschulen werden erhebliche Mängel berichtet, bei der Hausaufgabenbetreuung, dem Kurssystem, dem Betreuungspersonal, das oft durch Studenten ersetzt werde.  Statt einer dem Kind zugewandten Sichtweise wie in bewährten Horten, begleitet von intensiven Gesprächen, werde von Pilotschulen berichtet, dass Kinder, die dort nicht funkionierten, bis zu 2 Stunden im Schulsekretariat sitzen müßten, erzählt der Vater eines Hortkindes.

Der letzte Punkt betrifft die Gruppengrößen, von vorgesehen 19 bzw. 23 Kindern pro Erzieher, je nach Sozialindex der Schule. Es gebe aber ein „zusätzliches pädaogisches Budget“ , so dass jede Gruppe nicht mit einem Erzieher, sondern rein rechnerisch mit 1,23 Erziehern versorgt sei, so Pressesprecher Albrecht. Ferner seien nicht immer alle Kinder da. Der von Pressesprecher Albrecht daraus errechnete Betreuungsschlüssel von 1 zu 12 und 1 zu 15, je nach Sozialindex hat allerdings Berechnungen von betroffenen Eltern und Erziehern so nicht standgehalten.

Eltern, die als Unternehmensberater tätig sind,  haben nachgerechnet: Die früher getrennten Budgets für Personal und Sachkosten seien bei GBS zusammengefaßt worden. Das Budget für die Betreuung bei GBS ist nach den Berechnungen der Eltern rund 25 Prozent niedriger als bisher bei den Horten. Dabei sind die Zuschüsse, die die Träger von Horten darüber hinaus für Gelände erhalten, noch nicht einmal mit berechnet, erklärt eine Mutter der Elterninitiative „Bildung und Vielfalt“.

Was bleibt, ist das Einlenken des Schulsenator Entwicklung bei der Frage der Flexibilität. Die zugesagten individuellen Vereinbarungen müssen allerdings von den Eltern in den GBS Schulen erst einmal ausgehandelt werden. Die Praxis wird zeigen, wie flexibel die Abholzeiten dann tatsächlich sein werden.

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