Ganztagspflicht – Schulsenator Rabe löst bei Grundschuleltern Ängste aus

19 Okt

Was für Christa Götsch die Primarschule war, ist für den SPD Schulsenator Rabe die Ganztagsschule:

Eine schulpolitische Großreform, für die er seine Legislaturperiode unbedingt nutzen will.  Sein Ziel: Er will alle Hamburger Schulen ein und für alle Mal in die von ihm für richtig befundene Ganztagsform bringen. Allerdings  wolle er aus „allen Erfahrungen“ seiner Vorgängerin lernen, erklärte er vor wenigen Wochen im Schulausschuss der Bürgerschaft. Er werde sich deshalb um die Eltern bemühen und  erst einmal  die „Offene Ganztagsschule“ einführen, als „weiche Form“  auf dem Weg zur „Gebundenen Ganztagsschule“,  dem aus seiner „Sicht besten Modell“. 

Für die Hamburger Stadtteilschulen gilt diese Ankündigung des Schulsenators offensichtlich schon nicht mehr. Eine nach anderen meldet in diesen Tagen: „wir sind jetzt gebundene Ganztagsschule“.

Das löst bei Eltern der Hamburger Grundschulen wenig Vertrauen aus. Die Umwandlung ihrer Schulen in Ganztagsgrundschulen ist gerade im Gang.  Schulsenator Rabe legt dabei Entschlossenheit und Tempo an den Tag, die vielen Grundschuleltern unheimlich sind. Während Elterngremien noch tagen, und Schulleitungen vage Auskünfte geben, haben Inspektoren der Behörde schon die Raume für die Mittagsversorgung in Grundschulen abgechekt. Und schon im Dezember sollen sich die Grundschulen anmelden, um im nächsten Schuljahr  Ganztagsschule zu werden. Für Schulen, die sich dann noch nicht angemeldet haben, ist der März spätester Anmeldetermin.

Die vagen Auskünfte und Informationen führen bei Grundschuleltern zuVerunsicherung.  Gerüchte kursieren, viele Betroffene wissen noch gar nicht, was auf sie zukommt: „Wir haben nur einen Fragebogen ausgefüllt, ob oder wieviel Ganztagsschule wir brauchen“, erklären Eltern einer Schule, „mehr wissen wir noch nicht“. An einer anderen Schule ist gar keine Befragung der Eltern vorgesehen. Mitglieder des Elternrats sind der Meinung, sie könnten ohne Befragung der Eltern alleine darüer entscheiden, wie und ob ihre Schule Ganztagsschule wird. Eine Mutter einer anderen Schule erklärt, so wie sie ihre  Schulleitung verstanden habe, hätten die Eltern wohl die Wahl zwischen zwei Modellen: Ganztagschule mit richtigem Nachmittags – Unterricht durch richtige Lehrer oder Ganztagsschule mit Nachmittagsbetreuung aber ohne Unterricht. Das Ganztagsmodell mit Lehrern, also die gebundene Ganztagsschule, sei natürlich besser, das habe die Schulleitung erklärt, denn bei diesem Modell seien Betreuung und Betreuungsschlüssel besser. Beim zweiten Modell ohne Lehrer werde es wohl keinen guten Betreuungsschlüssel geben, da werde es wohl nur einen Betreuer für fünfzig  Kinder geben.

Die Variante, dass Eltern einer Grundschule ihre Kinder nachmittags selber erziehen wollen, sei an ihrer Schule gar nicht vorgesehen, erklärt eine Mutter einer weiteren Schule.

In einer Presseerklärung von Ties Rabe und Sozialsenator Scheele heißt es Anfang September,  „fast alle“ Grundschulen Hamburgs sollten Ganztagsschule werden. Die „flächendeckende Einführung von ganztägiger Bildung und Betreuung“… (genannt GABS) …“an den Schulen“ sei“ für das Jahr 2013/2014 vorgesehen„, heißt es in später in derselben  Presseerklärung.

Was heißt das für die Schulen und Eltern? Darf eine Grundschule auch ablehnen, Ganztagsschule zu werden? Und welche Modelle für Ganztagsschule gibt es?

Und es gibt noch viel mehr Fragen: Soll die gesamte Elternschaft einer Schule darüber abstimmen,  ob die Schule Ganztagsschule wird  und welches  Modell von GTS sie wünschen, oder kann das die Schulkonferenz der Schule alleine entscheiden. Das wären dann nur run drei Elternräte, ca. 4 Lehrer und ein Schulangestellter.  Gibt es eine feste Zusage, dass nur ausgebildete Erzieher die Kinder betreuen? Wo kommen die her, angesichts des aktuellen Erziehermangels? Werden die umstrittenen Honorarkräfte eingesetzt, und wer bürgt für deren Qualität? Warum sollen sich Eltern mit einen schlechteren Betreuungsschlüssel zufriedengeben, bei Ganztaggrundschule (GABS)sind in der Regel maximal 23 Kinder pro Erzieher vorgesehen, in den Horten sind es derzeit aber laut Bildungsbericht nur max. 18 Kinder pro Erzieher. Der Betreungsschlüssel der jetzigen Horte ist also deutlich günstiger. 

Und die wichtigste Frage: Was ist mit den Eltern, die ihre Kinder nachmittags selbst erziehen wollen. Darf ihnen durch Beschluss einer Schulkonferenz oder durch Elternbefragung ihr Wahlrecht, ihr Recht und ihre Pflicht, ihre Kinder selbst zu erziehen und zu betreuen, ganztags entzogen werden. Immerhin ihr Grundrecht nach Artikel 6 der Verfassung?

Sollte das passieren, gibt es in Hamburg einen neuen Elternaufstand, kündigt eine der befragten Mütter an.

 

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