Fragen zum Bildungsbericht: Was ist ein guter Lehrer?

28 Sep

Nur 30 Prozent aller Lehrer in Hamburg entsprechen „hohen Qualitätsanforderungen“, und zwar unabhängig davon, an welchen Schulen sie unterrichten. Das ist ein Ergebnis des  Bildungsberichts Hamburg von 2011, den Schulsenator Ties Rabe gestern vorstellte.

Ein sehr beunruhigendes Ergebnis:  zwei Drittel der Unterrichtsstunden ensprechen demnach nicht den „hohen Qualitätsansanforderungen“, nur 30 Prozent entsprechen diesen Standarts, „an reinen Grundschulen gilt es  für rund 40 Prozent der Unterrichtsstunden, an Gymnasien sind es unter 30 Prozent“, so die Zusammenfassung des Berichts.   Dies sei ein positiver Trend seit 2007/8 .  Die Beurteilung der Unterrichtsqualität  fußt im Wesentlichen auf Schulinspektionen, die seit 2008 in den Schulen durchgeführt wurden.  Das Ergebnis dieser Schulinspektionen wirkt allerdings alles andere als positiv.

Zwar wisse man über die Qualität von Bildungseinrichtungen immer noch wenig, erklärte Ulrich Maritzen, Leiter des Instituts für Bildungsmonitoring, das den Bericht erstellt hat.  Doch andererseit stellte Ties Rabe fest: Nicht die Schulform, auch nicht die Schule sei entscheidend über den Bildungserfolg, dieser sei vielmehr zu 90 Prozent abhängig vom Lehrer:  “ Meyer und Schulze entscheiden über den Bildungserfolg des Schülers“, brachte es T. Rabe auf den Punkt.

Worum es bei den Schulinspektoren bei der Beurteilung der Lehrerleistungen in den Schulen vor allem ging : „dass Schülerinnen und Schüler möglichst individualisiert wirkungs-und kompetenzorientiert gefördert und daraus hinaus befähigt werden, eigenes Lernen zu reflektieren, um so selbstbestimmt zu lernen und zu arbeiten“, so heißt es im Bildungsbericht.  Dabei wurden selbst innerhalb von Schulen erhebliche Unterschiede festgestellt: Die Bandbreite der Ergebnisse lag hier bei den allgemeinbildende Schulen zwischen „13 bis 72 Prozent. „Von Klassentür zu Klassentür leben Schüler in unterschiedlichen Weltern“,  faßte es Institutsleiter Maritzen zusammen.

Das deckt sich mit dem, was  Schüler und Eltern im Alltag der Schule täglich erleben.  Doch das Ergebnis des Berichts wirft dennoch Fragen auf:  Was genau verstehen die Autoren des Berichts, und vor allem die Schulinspektionen als qualitativ guten Untericht? Von Lehrerseite hat es an der Fragestellung der Schulinspektionen Kritik gegeben.  Geprüft würde vor allem die Umsetzung der von Seiten der Schulbehörde präferierten pädagogischen Methoden, wie dem „individualisierten Unterricht“, zu wenig geprüft würden dagegen die tatsächlichen  Leistungen und Lernerfolge der Schüler.

Zur Frage der Qualität von Unterricht, was also guten Unterricht ausmache  und welche Kriterien es zur Bewertung gebe, habe  er gerade eine mit Wissenschaftlern hochrangig besetzte Klausurtagung durchgeführt, erklärte Ties Rabe gestern.

Unstrittig seien demnach ua. folgende Kriterien für die Qualität von Unterricht:

Guter Unterricht werde vor allem bestimmt von einen vernünftigen Zeitmanagement, einem guten Lernklima, dem Verständnis für die Unterschiedlichkeit der Schüler von seiten des Lehrers. Ganz besonders wichtig sei die Fachlichkeit des Lehrers:  „Wer sein Fach beherrscht und gut unterrichtet, macht guten Unterricht“, so Ties Rabe.  Punkte, die sich so aber  nicht in dem Bildungsbericht wiederfinden.

Insgesamt, so das Resumee des Schulsenators, sei “ die Gewichtung der Kriterien für guten Unterricht noch umstritten“. Der Bericht läßt in diesem Punkt also wichtige Fragen offen.

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