Bildungsbericht Hamburg 2011: Nur ein Drittel der Hamburger Lehrer bekommt gute Noten

28 Sep

366 Seiten umfaßt er, dichgefüllt mit Zahlen, Details und Graphiken über das Hamburger Bildungswesen  – von frühkindlicher bis zur Hochschulbildung, von Bildungsausgaben bis zu bis zur Qualität von Unterricht. Zum zweiten mal erscheint der Bildungsbericht HH, der alle Daten zum Thema Bildung in HH zusammenfaßt. Er soll das Wissen für politische Entscheidungen in der  Zukunft bereitstellen, so die Projektleiterin Dr. Tränkman und der Leiter des Instituts für Bildungsmonitoring an der Schulbehörde, Norbert Maritzen. Den ersten Bildungsbericht hatte 2009  die Regierung von CDU/GAl veranlaßt. Kernpunkte des Berichts stellten die Wissenschaflter des Instituts an der Hamburger Schulbehörde gemeinsam mit Schulsenator Rabe vor.

Die wichtigsten Ergebnisse:

Gegen den Bundestrend: Die Schülerzahl in Hamburg wächst. Im Gegensatz zu den anderen Bundesländern nimmt die Zahl der Kinder und Jugendlichen in in Hamburger Bildungseinrichtungen  voraussichtlich bis ins Jahr 2020 weiter zu. Die  in anderen Ländern erwartete „demographische Rendite“, dh.eine Erleichterungen für das Bildungssystem durch die Abnahme der Schülerzahlen, gibt es in HH nicht, erklärte Norbert Maritzen.

Ein weiteres Ergebnis: Vor allem die Zahl der Schüler mit Migrationshintergrund wächst weiter, sie entwickelt sich  in „Sieben Meilen Stiefeln“ auf die 50% Marke zu.  Die große Mehrheit stammt dabei aus bildungsbenachteiligten Herkunftsfamilien und hat ungünstige Sprachvoraussetzungen. Eine „große Herausforderung, wir müssen damit umgehen“ , so Norbert Maritzen.

Die regionale Verteilung von Jungendlichen mit Migrationshintergrund in Hamburg ist dabei sehr unterschiedlich. Die meisten leben in Stadtteilen wie Wilhelmsburg, Veddel, Jenfeld oder Teilen von Harburg. Dies deckt sich mit der Zahl der Schüler, die auf Sozialleistung angewiesen sind, zB.  in Dulsburg, Veddel und Jenfeld sind das als mehr als 50 Prozent. Das trifft auch auf die Kinder zu, bei denen beim Sprachtests mit viereinhalb Jahren ein sprachlicher Förderbedarf festgestellt wurde. In den genannten Stadtteilen sind das zum Teil über 43 Prozent der Kinder zwischen 0 bis 6 Jahren.  Ein Viertel der Viereinhalbjährigen hat Sprachförderbedarf, ewas weniger als früher, 9 Prozent der Kinder bekommt  spezielle Unterrichtsstunden. Allerdings sei wissenschaftlich noch wenig über wirksame Sprachförderung bekannt, erklärte T. Rabe.

Thema Schulabschlüsse: Die Abiturquote ist auf 48 Prozent gestiegen, und die  der Schulabbrecher auf den Tiefstand von 7.5 Prozent gesunken.  Dies sei nicht mit einer Senkung des Leistungsniveaus erkauft worden, „die Schüler wissen nicht weniger als vor 7/8 Jahren“, erklärte Schulsenator Rabe.

Eine Zuwachs gibt es bei der Frühkindlichen Förderung, von 296 Mio Euro im Jahr 2002 auf 400 Mio Euro, dabei es gebe dabei auch mehr Geld pro Kind. Regelrecht „explodiert“ sei die Zahl der integrativ geförderten Kinder an allgemeinen Schulen, von 16.2 Prozent im Jahr 2009 auf 24 Porzent im Jahr 2010/11. Es gebe viel mehr Schulstandorte, die integrativ fördern.

Keine Verbesserung gab es jedoch für die vielen Hamburger Jugendliche in den „Warteschleifen“ der berufsbildenden Schulen. Da „kann man nicht von einer positiven Entwicklung sprechen“, erklärte Projektleiterin Trankmann. Der Rückgang von Bewerbern für Ausbildungsgänge aus dem Umland  eröffne hier aber Möglichkeiten für Hamburger Jugendliche.

Gefragt, wie sich die Zunahme der Schüler mit den Sparplänen des Senats vertrage, erklärte Senator Rabe, das sei eine „Herausforderung“. Insgesamt will er die Mittel für Bildung noch mehr umschichten und dort konzentrieren, wo am meisten gebraucht würden. Stichwort Sprachförderung und Intergration. Außerdem wolle er Ressourcen besser nutzen, die schon bereitstehen, zB. Schulräume für Ganztagsschulen.

So umfangreich die Daten sind, ein Ergebnis liefert der Bildungsbericht nicht, erklärte Maritzen: „Wir wissen wenig über die Qualität von Bildungseinrichtungen!“  Auch darüber, wie die Bildungsfaktoren zusammen wirken, sei wenig bekannt.  Erhebliche Lücken gebe es auch bei der Frage der Übergänge zwischen Schule und berufliche Bildung im Anschluss.  Der Bildungsbericht mache auch deutlich, welche Daten noch fehlten und benötigt würden.

Qualität, das war das Stichwort für den Schulsenator. Ein Punkt bleibe nämlich bei allem auch künftig gültig, erklärte  Ties Rabe. Nicht die Schulform, auch nicht die Schule sei entscheidend über den Bildungserfolg: Es sei vielmehr  zu 90 Prozent abhängig vom Lehrer, wieviel ein Schüler lerne. Nur 30 Prozent der Lehrer entsprächen, so das Ergebnis des Bildungsberichts, hohen Qualitätsansprüchen, sagte RAbe. Da gebe es  sogar an einzelnen Schulen riesige Unterschiede, ergänzte Untersuchungsleiter Maritzen.  „Zwischen Klassentür und Klassentür erleben Schüler unterschiedliche Welten“. Dies Ergebnis dürfte noch für Diskussionen sorgen, denn die Schulinspektionen, mit denen die Unterrichtsqualität ua. ermittelt wurde, waren von einigen Lehrern kritisiert worden. Beabsichtigt sei aber keine Lehrerschelte, erklärte Senator Rabe, es gelte vielmehr einiges zu verbessern, zB. beim Zusammenwirken der Lehrer.

Qualität war diesmal auch Ties Rabes Stichwort für das Thema Ganztagsschule. Ein wichtiger Schritt für eine bessere Bildung benachteiligter Schüler sei der Ausbau von Ganztagssschulen,  47, 4 Prozent der Schulen hätten schon ein Ganztagsangebot, stellte Schulsenator Rabe. Das „kann zusätzliche Bildung“ schaffen“ betonte er,  „kann“, denn „Ganztagsschule von besonderer Qualität“ sei eine wesentliche Antwort.  Der Schulsenator erklärte allerdings nicht, wie sich diese Antwort mit seinen früheren Erklärungen zur Ganztagsschule verträgt. Erst vor wenigen Wochen hatte Ties Rabe betont, beim vorgesehenen zügigen Ausbau von Ganztagsschulen wolle er auf Quantität statt Qualität setzen.

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