Sind 15.97 Euro pro Förderstunde der übliche Tarif? – Kirschsblog fragt nach

15 Sep

Empört reagieren pensionierte Lehrer auf die 15.97 Euro, die Schulsenator und Behörde ihnen für Nachhilfestunden an Hamburgs Schulen zahlen wollen.  Die Behörde hatte in diesen Tagen in freundlichen Briefen bei ihnen angefragt, ob sie nicht Lust hätten, als Honorarkräfte im Programm „Fördern statt Wiederholen“  Schüler zu fördern. Schüler, die in einzelnen Fächern schwächeln und früher deswegen vielleicht sitzengeblieben wären. Doch das Sitzenbleiben wird seit letztem Jahr schrittweise abgeschafft.  „Gezielte Förderungen für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler sind der bessere Weg“, als Klassenwiederholungen, so Senator Rabe.

Gezielt Fördern will die Behörde künftig mit 15,97 Euro, dem „Höchstsatz“ pro Förderstunde, so der Leiter des Amtes für Bildung Norbert Rosenboom. Das sei „der übliche Tarif, der jetzt angewandt wird“, so zitierte das Abendblatt den Behördensprecher Peter Albrecht. Die Suche nach einem Nachhilfelehrer für die Herbstferien bietet Gelegenheit für einen Test.

Kirschsblog fragt nach:

15.97 Euro: Ist das der übliche Tarif  für Nachhilfestunden?

Nachhilfe Hamburg“ –  diese 2 Suchworte ergeben bei  Google 4.320.000 Treffer.  Eine Auswahl fällt schwer:

1. Beispiel:  Nachfrage bei einem der ältesten Nachhilfeinstitute in Hamburg:

 „Der erfolgreiche Weg zu besseren Noten“, heißt es auf der Homepage dieses Instituts, es bietet „professionelle Nachhilfe“ für alle Schultypen in allen Klassen und Fächern. Ein Vater lobt, die  Nachhilfelehrerin XXXX habe es geschafft, dass sich sein  Sohn Alexander durch „die hervorragende Betreuung …. in Englisch um zwei Notenstufen verbessern konnte“. Die Preise seien regional unterschiedlich, heißt es. 

Die Nachfrage ergibt: In  Hamburg betragen die Kosten pro Unterrichtseinheit von 90 Minuten 49 Euro, für Einzelunterricht zuhause incl. Anfahrt. Eine Schulstunde kostet in diesem Institut folglich 24,50 Euro. Drei Monate sollte man für Nachhilfe mindestens einplanen, erklärt der kompetent wirkende Leiter, solange dauere es, bis der Stoff wirklich sitze. Es gehe dabei ja auch um Lernverhalten und Strukturen, jedes Kind werde getestet, denn jedes sei anders und brauche einen anderen Lehrer. Wow! Leider ist er zu teuer, der komplette Wechsel von der Schule an dieses Institut.

2. Beispiel: ein Institut, das Gruppenunterricht für 3 bis 5 Kinder in den eigenen Räumen anbietet.

Mit Anfahrt ist das also zeitaufwendiger für die Schüler. Eine Unterrichtseinheit, das sind auch hier 90 Minuten, in einer Gruppe von 3 bis 5 Schülern kostet 16 Euro pro Schüler. Die Einzelstunde kostet pro Schüler in der Gruppenstunde demnach  8 Euro. Für eine Einzelstunde Nachhílfe zahlt die ganze Gruppe mit 3-5 Kindern also zusammen 24 Euro bis 4o Euro, je nach Teilnehmerzahl.  Einzelunterricht in einer 45 minütigen Nachhilfestunde kostet 29.50 Euro. 

3. Beispiel: Der Unterricht in diesem Institut ist teurer, dafür habe man aber sehr qualifzierte, also richtige, ausgebildete Lehrer, so erklärt man am Telefon.

Eine „Schulstunde“, also auch 45 Minuten Einzelunterricht, kostet dort 30 Euro, 60 Euro kostet eine Doppelstunde von 90 Minuten. Eine volle Zeitstunde Unterricht kostet 40 Euro. Selbstverständlich, ergänzt der Herr am Telefon, inklusive Sozialabgaben. Damit zielt er auf die rechtliche Auseinandersetzung um die Honorarverträge der Behörde, bei denen Sozialabgaben wohl fehlen.  

Angesprochen auf die 15.97 Euro der Behörde reagiert der Herr am Telefon empört. Das Angebot sei eine Mogelpackung, sagt er, die Qualität sei nicht gewährleistet. 15.97 Euro pro Stunde sei im übrigen reine Gehaltsdrückerei, und Ausbeutung. Schauen Sie mal, was sie für die Werkstattstunde bei einer Autoreparatur zahlen, oder für die Telekom, sagt er noch.

Das sieht man auch an den anderen Nachhilfeinstituten ähnlich. „Sehen Sie sich doch einmal an, wen die Behörde einstellen will, das sind Hausfrauen oder Oberstufenschüle. Sie könnten da auch sofort anfangen.“  

24, 50 bis 40 Euro für eine Nachhilfestunde – das ergibt die Recherche.  Wer soll bei diesen Tarifen am freien Nachhilfemarkt Förderstunden in den Schulen für 15,97 Euro übernehmen? Am Ende könnten die Honorarverträge aber auch für Behörde und Stadt noch teurer werden! Noch überprüft die Rentenversicherung an rund 300 Hamburger Schulen alle Honorarverträge aus den Jahren 2006 bis 2010 – auf der Suche nach den fehlenden Sozialabgaben.

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