Elternabend am G8 Gymnasium: „Jungs stören“

8 Sep

Elternabend in einem Hamburger Gymnasium, Klasse 9 im G8 Turbogymnasium. Wie alle Hamburger Gymnasien ist die Schule Ganztagsschule. Das heißt mindestens 34 Stunden Unterricht pro Woche, mindestens zweimal pro Woche  8 Stunden Tag, dh.  8 Stunden Pflichtunterricht! Seit neuestem kommen für viele 2 Förderstunden dazu, und der Chor, oder Orchester, macht 38 Stunden Schule pro Woche für 10 bis 16 Jährige, die Größeren haben manmal mehr.

Am Elternabend herrscht Krisenstimmung! Schüler haben gestört, mehrfach! Eltern, speziell Eltern von Schülerinnen sind sehr aufgebracht: Jungs haben mit Krampen geschossen, ein Schüler wurde am Auge getroffen, Jungs haben Sachen von Mitschülern versteckt, eine Federmappe wurde im Mülleimer von Reisbrei verschmutzt, Jungs haben einen Mitschüler in den Schrank gesperrt, die Tür ging kaputt. Die Jungs stören den Unterricht und die Schüler, die aufpassen und lernen wollen. Ein Missetäter ist schon ausgemacht, er soll  in die Parallelklasse umgesetzt werden, hat die Lehrerin den Eltern per Einschreiben angekündigt. Wenn noch die geringst „Kleinigkeit“ passiert!

Sie wird passieren, diese Kleinigkeit, die Mutter des Missetäters weiß das, es ist bisher immer wieder etwas passiert, der Junge ist jetzt 15 Jahre alt, mitten in der Pubertät.

Viele Eltern könnten verzweifeln. Immer wieder müssen sie es erleben. Es gibt, so scheint es,  Schüler/Innen, die schaffen es wohl, sie können stundenlang sitzen und lernen. Aber ihre Kinder können es offensichtlich nicht. Warum, was ist los mit ihnen? Oft sind es Jungseltern, die sich das fragen.

Alles ganz einfach, antworten ihnen Schulpolitiker: Schüler, die 8 Stunden Unterricht nicht aushalten, die Dauersitzen nicht schaffen, die unruhig werden, sich bewegen müssen, die toben und rangeln,  sind am Gymnasim fehl am Platze. Sie sollten  in die Stadtteilschule gehen, so die Politiker. Dort gebe es viel weniger Wochenstunden, rund 28, wie früher auch im Gymnasium.  

Doch das sehen viele Eltern von Kindern, die Dauersitzen unruhig macht, die toben und rangeln wollen, und sich bewegen, nicht ein. Ihr Kind hat wie alle eine Empfehlung bekommen, ist ein 8 Stundentag in der Schule, sind 34 Wochenstunden ein Grund, ihre Kinder vom Gymnasium auszuschließen? Geht es beim Erwerb der Hochschulreife um Lernen und Begabung oder um die Fähigkeit des Dauersitzens?

Und ist das Problem mit einem Schulwechsel aus der Welt geschafft?

teil 2 folgt

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4 Antworten to “Elternabend am G8 Gymnasium: „Jungs stören“”

  1. Vierländer Landfrau September 11, 2011 um 9:34 pm #

    Übrigens: Zu genau diesem Thema gabs heute einen wohl nicht ernstzunehmenden Erklärungsversuch sowie eine Patentlösung im Kulturteil des Abendblatts auf Seite 19 (Titel „Eine Frau von Welt“): Schauspielerin Nina Petri wurde zitiert mit den Worten: Für das Gejammere, dass die Jungs in der Schule schlechter als Mädchen seien, hätte sie als alleinerziehende (Mädchen-) Mutter wenig Verständnis. „Sollen sich doch die Väter darum kümmern“, meint sie. „Die Frage ist doch, was kriegen die Jungs für Vorbilder vermittelt? Gibt es die überhaupt und was sind das für welche?“ – OHA! Na so was! Schuld an den „schlechten Jungs“ sind also die Väter! – Schade, dass sie uns nicht kurz näher erklärt, welches Vorbild denn mein Mann genau abgeben sollte, damit unser Sohn zum schulischen Senkrechtstarter wird…… – Ich als Mutter kann da ja ganz bei der Nina sein (auch wenn ich nicht alleinerziehend bin und nur eine Tochter hinbekommen habe…), denn schließlich hat unsere Tochter ein Superabi gebaut – Alles nur Dank meines guten mütterlichen Vorbildes einer Vierländer Landfrau!!

  2. Karin Brose September 24, 2011 um 4:13 pm #

    Jungen sind meist dann schlecht in der Schule, wenn sie sich nicht angenommen fühlen. Das beginnt schon in der Grundschule, wo die braven Mädchen bevorzugt werden. Es wird Zeit, dass sich unsere Pädagogik, wie auch Methoden und Unterrichtsgestaltung endlich der Jungen annimmt. Inhalte müssen Jungen motivieren. Ausreichend Bewegung sollte garantiert sein. Dazu braucht es nicht nur mehr männliche Lehrkräfte von der Grundschule an, sondern auch ein anderes Bewusstsein bei den Lehrerinnen. Im Übrigen haben Zehntklässler einer Stadtteilschule auch 34 Stunden Unterricht, freiwillig sogar mehr.

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