Es steht fest: Alle Hamburger Grundschulen werden Ganztagsschule, auch weiterführende Schulen sollen Ganztagsschule werden

1 Sep

In den nächsten drei Jahren soll es einen „flächendeckenden Ausbau“ von Grundschulen zu Ganztagsschulen geben, „möglichst unter Beteiligung aller Grundschulen“ in Hamburg. Mit diesem Plan trat Schulsenator Rabe heute an die Öffentlichkeit.  Hamburgs Horte sollen dabei schrittweise durch Nachmittagsbetreung in Klassenzimmern abgelöst werden.  Seine Reform setze  bundesweit ein Schlaglicht, auf dem Weg, „Hamburg zur Kinder- und familienfreundlichsten Stadt Deutschlands zu machen“.

Die Schulen sollen sich nach den gemeinsamen Plänen des Schulsenators und des Sozialsenators Scheele künftig Hortträger suchen, die ihre  Erzieher dann nachmittags zur Betreuung  in die Schule schicken und als Träger für die Betreuung zustängig sein werden.  Die bisherigen Horträume sollen dem neuen „Krippenaufbauprogramm“ des SPD Senats zur Verfügung gestellt werden. Das Angebot der Nachmittagsbetreuung an den neuen Ganztagsgrundschule sei freiwillig, er rechne damit, dass  50 bis 60 Prozent der Grundschulkinder in Hamburg  an der neuen Ganztagsgrundschule teilnehmen werden, so Rabe. 

Schon bei der Vorgängerregierung gab es Kritik von Betroffenen, ob eine Verlagerung der Nachmittagsbetreuung von Horten in die Schule wirklich kinderfreundlich ist. Sie könne sich vorstellen,  dass sie als Mutter unzufrieden wäre, wenn sich Kinder nachmittags nicht mehr in den Räumen der  Horte  aufhalten könnten, meinte auch heute eine Journalistin. In Horten gebe es Tobe- und Spielplätze innen und außen, Ausweichräume für ruhige Minuten oder Hausaufgaben usw., die in Schulen fehlten. Jetzt müßten die Grundschüler stattdessen den ganzen Tag in ihren Klassenräumen und Schulen bleiben.

Senator Rabe  hatte für diesen Kritik wenig Verständnis, die Schüler seien doch auch vormittags in den Klassenräumen, erklärte er.

Die Betreuung von 13 bis 16 Uhr soll kostenlos sein, nur das Mittagessen müsse in der Regel von den Eltern bezahlt werden.  Ein Essen werde  3.50 am Tag kosten, insgesamt 70 Euro pro Monat, rechnete Schulsenator Rabe vor. Zusätzliche Betreuung werde in Frühstunden, nach 16 Uhr oder in den Ferien angeboten, das müßten allerdings die Eltern bezahlen. Dafür werde es eine soziale Staffelung nach Familieneinkommen geben, ebenso für das Essen. Insgesamt stelle der Senat für die Ganztagsgrundschule (GABS) 115 Millionen Euro bereit, 30 Millionen mehr als von der Vorgängerregierung geplant, sagte Rabe. Die Nachmittagsbetreuung an der Grundganztagsschule werde auf keinen Fall teurer als die jetzigen Hortgebühren. „Keiner zahlt mehr“ versicherte der Schulsenator. 

Dass sich jedoch einiges erheblich verschlechtern wird, wurde dann auf Nachfrage der Presse klar. Während im Hort  17 Kinder von einem Erzieher derzeit noch betreut werden, sollen es künftig in der Ganztagsschule  23 sein, in sozial belasteten Gebieten soll ein Erzieher 19 Kinder betreuen. Im Vergleich zu Horten ist dies ein erheblich schlechterer Betreuungsschlüssel.  Der im Übrigen nur eingehalten werden kann, wenn es genügend Erzieher gibt. Doch das ist keineswegs gesichert. Erzieher gehörten zu den Fachkräften, an denen es derzeit besonders mangele, man werde evtl auch auf Honorarkräfte, also nicht ausgebildete Hilfskräfte auf der Basis von Stundenhonoraren,  zurückgreifen.

„Eine schlechtere Betreuung sehe ich da nicht“, erklärte T. Rabe dazu. Es würden ja nicht immer alle Kinder an allen 5 Wochentagen in der Ganztagsschule sein und es gäbe noch Zusatzangebote wie Sprachunterricht und Förderung.

Ein Arguement, dass nicht überzeugte, denn dies dürfte wohl auch jetzt schon bei den Horten der Fall sein. Der Betreuungsschlüssel der Ganztagsgrundschulen ist also schlicht schlechter als im jetzigen Hort. Das Problem dürfte sich angesichts auch noch verschärfen. Die angesichts steigender Kinderzahlen, die nach Aussage der Senatoren künftig in der Ganztagsgrundschule nachmittags erwartet werden.  Sind derzeit noch  20 000 Kinder in Hamburger Horten und andern Einrichtungen, soll die Zahl der nachmittags in den Grundschulen betreuten Kinder auf 40 000 anwachsen. 

Vorgesehen sei eine zügige Einrichtung von Kantinen, meinte der Senator, derzeit würden die Grundschulen vermessen. Er sei aber darauf auch gefaßt, “ dass wir es nicht jedesmal zeitgleich mit den Beginn der Ganztagsbetreuung an Schulen schaffen werden.“

Flächendeckende Ganztagsschule will Rabe auch für ältere Kinder, erklärte er. Alle STadtteilschulen sollten zeitgleich mit den Grundschulen Ganzagsschulen werden.

Die Gymnasien seien ja jetzt schon Ganztagschulen, sagte Rabe, allerdings nur eingeschränkt, in der Regel an 2 bis 3 Tagen in der Woch. Für ein Programm der Gymnasien würden im Moment verschiedene Varianten von Ganztagsschule überlegt, speziell für die 5. und 6. Klassen brauche man „zusätzliche Lösungen“, das betreffende Geld müsse bereit gestellt werden.

Seine Reform, hielt Rabe fest, sei eine Verbesserung für Frauen und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es gebe, fuhr er fort, eine große Lücke bei Fachkräften in HH, und „die Erwerbsquote von jüngeren Frauen sei nicht so hoch, wie sie sein sollte“. 

Eine Verbesserung sei seine Reform auch für die  zusätzliche Bildung für Kinder, deren Eltern dies „zuhause nicht anbieten können“. Dies diene damit einem alten Ziel der SPD, der  Chancengleichheit.

Fragt sich, wie die von Rabe geplante Ganztagsgrundschule dies leisten soll, angesichts des Mangels an Erziehern, deren Ausbildung wegen des Mangels jetzt verkürzt werden soll, angesichts des Einsatzes von Honorarkräften und angesichts des wenig attraktiven und anregenden Umfelds, in dem sich Kinder künftig am Nachmittag aufhalten sollen. 

Das Motto für seinen Ganztagsausbau sei „Quantität statt Qualität“ , hatte er kürzlich schon an anderer Stelle erklärt. Man könne eben nicht alles haben, so Rabe dazu gestern: Deutlich mehr Kinder in der Ganztagsschule, das müsse  bezahlbar sein.

Auf jeden Fall bringt diese Reform ein anderes altes Ziel der SPD in greifbare Nähe. Es war eben doch kein Witz von Olof Scholz, als er es damals klar nannte: „Die staatliche Lufthoheit über den Kinderbetten“

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