Zentralabitur 2013/14: Musteraufgaben für die drei länderübergreifenden Fächer veröffentlicht

17 Apr

Mit den ersten drei länderübergreifenden Fächern des künftigen Zentralabis geht es erstaunlich schnell voran. Während Gymnasialleiter gestern noch in einem Brief an Schulsenator Ties Rabe das geplante Zentralabitur als “problematisch” kritisierten und auf die Gefährdung der erst drei Jahre jungen Profiloberstufe hinwiesen, wurden jetzt gemeinsame Muster-Übungsaufgaben für die drei  Fächer des länderübergreifenden “Zentralabiturs” online veröffentlicht.

“Zentrale” Aufgaben in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik sollen den „Prüflingen“ im Schuljahr 2013/14 erstmalig in sechs Bundesländern länderübergreifend „ zeitgleich in identischer Form vorgelegt werden“, als Teil der schriftlichen Aufgabensätze der Abi- Abschlussprüfungen, so heißt es auf der Homepage der Schulbehörde. Über diese länderübergreifenden Aufgaben in den drei Fächern hinaus sollen in 22 Fächern ab 2013/14 in allen Schulen Hamburgs landesweit schriftliche Abi-Aufgaben zentral gestellt werden. http://www.hamburg.de/abitur-2014/.  Allerdings, für den Hamburgweiten Teil des künftigen Zentralabis findet sich noch kaum Konkretes auf der Homepage.

In einer Pressemitteilung von heute informiert Schulsenator Ties Rabe dazu: Vorgesehen seien zentrale Prüfungen in den Fächern: Deutsch, Englisch, Spanisch, Russisch, Latein, Politik/Gesellschaft/Wirtschaft (PGW), Geographie, Geschichte, Religion, Philosophie, Wirtschaft, Psychologie (auf grundlegendem Anforderungsniveau), Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Informatik, Sport sowie Chinesisch, Polnisch, Türkisch und Portugiesisch.  Für diese Fächer würden “gegenwärtig mit Beteiligung von Schulleitungen die Schwerpunktthemen entwickelt. Die Grundlagen-Broschüre „Regelungen für die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben: Abitur 2014“ werde im Mai veröffentlicht. http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/3377722/2012-04-17-bsb-abitur-aenderungen.html

Die jetzt veröffentlichten Musteraufgaben in den drei ersten länderübergreifenden Fächern wurden dagegen von Schulexperten der beteiligten Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Hamburg und Bayern schon seit dem Jahr 2008 entwickelt, darauf wies der bayrischen Kultusministerns Ludwig Spänle gestern hin. In den drei Fächern gibt es in Hamburg schon länger ein landesweites zentrales Abitur. “Die Musteraufgaben sollen den Lehrkräften sowie den Schülerinnen und Schülern als Orientierung hinsichtlich der gemeinsamen Aufgaben bzw. Aufgabenteile in der Abiturprüfung dienen“, so heißt es im Begleittext zu den jetzt veröffentlichen Übungsaufgaben auf der Homepage des Münchner “Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung”. http://www.isb.bayern.de/isb/index.asp?MNav=6&QNav=12&TNav=2&INav=0&Pub=1640&PubU=375

Worum es geht:

In Mathematik, so ist auf der Homepage der Hamburger Schulbehörde zu lesen, soll es “gemeinsame Aufgaben für einen Zeitumfang von 45 Minuten in einem hilfsmittelfreien Prüfungsteil” geben, also ohne Verwendung von  Taschenrechner, Tabellen und Formelsammlung, usw. “Da jedes der beteiligten Länder unterschiedliche Skalen bei der Bewertung der in den Aufgaben zu erbringenden Leistungen ansetzte, hat die Arbeitsgruppe beschlossen, eine einheitliche Bewertungsskala auf einer 120-Punkte-Basis einzuführen, die ab 2014 auch für die schriftliche Abiturprüfung Mathematik verbindlich ist.” http://www.hamburg.de/mumat/

In Englisch ist eine gemeinsame Aufgabe zur „Sprachmittlung“ im Umfang von 60 Minuten vorgesehen. In Deutsch ist „ein gemeinsames Thema zur Aufgabenart „Erörterndes Erschließen pragmatischer Texte“ geplant. “Für Herbst 2013 ist vorgesehen, je eine Klausur in den drei Fächern mit gemeinsamen Aufgaben bzw. Aufgabenteilen im dritten Kurshalbjahr als Übung für das nachfolgende Abitur schreiben zu lassen,” so Schulsentor Ties Rabe heute.

Alle Details der Musteraufgaben sind von der Homepage der Schulbehörde herunterzuladen, unter folgenden zwei Links:

http://www.hamburg.de/abitur-2014/

www.hamburg.de/abschlusspruefungen (Abitur 2014)

Ziel der zentralen länderübergreifenden Prüfungen sei es „vergleichbare Anforderungen im Abitur herzustellen“, heißt es auf der Homepage der Behörde. Doch die Ankündigungen des Schulsenatoras hatten bei den Betroffenen in den Schulen viel Kritik ausgelöst. Große Skepsis in Hinblick auf das geplante Zentralabitur hat auch gestern noch einmal die “Vereinigung der Leiter Hamburger Gymnasien und Studienseminare” (VLHGS) in einem Brief an Ties Rabe geäußert. Sie kritisiere, das Zentralabitur gefährde die in drei Jahren mühevoll aufgebauten fächerübergreifenden Profile in der Oberstufe, ebenso die erfolgreiche Kooperation mit Hochschulen und Unternehmen in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern. Schulsenator Rabe weist diese Kritik zurück: Die zentralen Aufgaben beträfen nur 50 Prozent des Unterrichts, es bliebe genügend Raum für die Profilarbeit, so der Schulsenator und derzeitige Präsident der Kultusministerkonferenz.  Die VLHGS schlug jetzt vor, es den Lehrern zu überlassen, ob sie in einem Profilfach eine zentrale Aufgabe oder ein eigenes Abiturthema wählen, so berichtete gestern die WELT. http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article106187104/Gymnasialleiter-in-Sorge-um-die-Profiloberstufe.html siehe auch Kirschblog: Das Abi wird voraussichtlich schwerer und die Profiloberstufe muß „nachjustiert“ werden: Ties Rabe und das Zentralabitur

Der bayrische Kultusminister Ludwig Spänle unterstrich dagegen gestern noch einmal die Vorteile der länderübergreifenden Abiturprüfungen, „die Voraussetzungen für höhere Mobilität, mehr Chancengerechtigkeit und bessere Vergleichbarkeit der Abschlüsse schaffen“.

Im Herbst, so Ludwig Spänle, sollen gemeinsame Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife von der Kultusministerkonferenz beschlossen werden sollen“, die dann die Grundlage für die jetzt beschlossene „Einführung gemeinsamer Aufgaben bzw. Aufgabenteile in den ländereigenen Abiturprüfungen ab dem Schuljahr 2013/14“ bilden werden,  schreibt der Kultusminister in einem Begleitschreiben zu den Musteraufgaben, das er an die bayrischen Schulen verschickt hat.  Minister Spänle informiert darin auch über den weiteren Zeitplan: Im Herbst 2013 werde es je eine Klausur zur Vorbereitung mit gemeinsamen Aufgaben bzw. Aufgabenteilen in allen beteiligten Ländern geben. Im Frühjahr 2014 sind dann die erstmaligen schriftlichen Abiturprüfungen in den drei Fächern mit den beschriebenen Aufgabenteilen geplant, voraussichtlicher Termin Ende April/Anfang Mai, ergänzte heute Ties Rabe. http://www.isb.bayern.de /isb/download.aspx?DownloadFileID=75e76edf9c2d47c6ee6c3ad73af904eb .

Die länderübergreifenden Prüfungsaufgaben seien aber kein richtiges “Zentralabitur….mit den gleichen Prüfungen und Prüfungsinhalten am gleichen Tag in allen beteiligten Ländern“, betonte Spänle an anderer Stelle. Die  gemeinsamen Aufgaben setzten „nicht unbedingt gemeinsame Prüfungstermine“ voraus. http://www.km.bayern.de/allgemein/meldung/1127.html Erste Gymnasien in Hamburg haben derweil ihre ursprünglich geplanten Profile schon “nachjustiert”, berichten Eltern, denn die Zeit für diese “Reform” wird knapp! Die Schüler, die in diesem August mit der Oberstufe starten, sind bereits direkt betroffen. Es ist der erste Jahrgang, der im Jahr 2014 die geplanten zentralen Prüfungen ablegen wird. 

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